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Wir feiern deine Himmelfahrt

Nr. 18 • Singt von Hoffnung

  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • EG-Regionalteil Bayern-Thüringen

Was bedeutet Christi Himmelfahrt heute? Wie ist die schwer verständliche biblische Szene zu deuten? Das Lied „Wir feiern deine Himmelfahrt“ gibt darauf eine überraschend lebensnahe Antwort: Christus ist nicht weg, sondern „immer für uns da“, „entgrenzt von Raum und Stunde“, auf neue Weise gegenwärtig. Die frohgestimmte, viel ältere Melodie trägt den Text in vertrauter Weise. Gern können auch andere Melodien in der sogenannten „Lutherstrophe“ ausprobiert werden – Klang-Text-Variationen sind ausdrücklich erwünscht.

Text:

Detlev Block (*1934–†2022), 1978

Melodie:

Johann Crüger (*1598–†1662), 1653

ad lib. nach der Melodie zu "Nun saget Dank und lobt den Herren"

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Wissenswertes zu "Wir feiern deine Himmelfahrt"

Detlev Block veröffentlichte sein Himmelfahrtslied erstmals 1978 in der ersten Auflage seiner Sammlung „In deinen Schutz genommen. Geistliche Lieder“. Auch in den weiteren Auflagen (2. Auflage 1980 und 3. Auflage 1984) ist es enthalten. In der vierten Auflage von 2001 erscheint das Lied mit einer kleinen Textänderung in der letzten Strophe; in dieser Fassung wurde es 1994 in das Bayerisch-Thüringische Gesangbuch aufgenommen, später in freikirchliche Gesangbücher und schließlich auch in der Perikopenrevision 2018 als zweites Angebot als Tageslied für Christi Himmelfahrt bestimmt.

 

Die Melodie hier ausgewiesene Melodie zu dem Lied „Sei Lob und Ehr, dem höchsten Gut“ stammt von Johann Crüger und entstand im Jahr 1653. Sie wurde erstmals in seinem Gesangbuch Praxis pietatis melica veröffentlicht, einer der wichtigsten Liedersammlungen des lutherischen Barock. Detlev Block selbst sah die Melodie „Es ist gewisslich an der Zeit“ von Martin Luther vor. Bei der Aufnahme in den Regionalteil des Bayerisch-Thüringischen Gesangbuchs (1994) und in spätere Gesangbücher wurde hingegen die Melodie „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ von Johann Crüger gewählt. Andere Gesangbücher bieten weitere Alternativen.

 

 

- Liedrecherche von Martin Evang  -  

Die biblische Festtagserzählung zu Christi Himmelfahrt in ihren beiden Fassungen (Epistel: Apg 2,3–11; Evangelium: Lk 24,[44–49]50–53) wirft die Frage auf, wie sie in ihrer „mythologischen“ Gestalt zu verstehen ist: Was bedeutet Himmelfahrt? In seinem Lied liefert Block eine „existenziale Interpretation“ (Rudolf Bultmann) der Himmelfahrtserzählung sowie weiterer biblischer und theologischer Festmotive. Himmelfahrt bedeutet – exemplarisch an Strophe 1 gezeigt –, dass das „Kreuz“, Inbegriff des Scheiterns, „zum Sieg erhoben“ ist; Gott allem menschlichen Nein zum Trotz „sein wunderbares Ja“ gesprochen hat; Jesus Christus nicht verschwunden ist, sondern „immer für uns da“, „entgrenzt von Raum und Stunde“ – biblisch: „alle Tage bis an der Welt Ende“ (Mt 28,20). Strophe 2 ist geradezu eine Paraphrase der theologischen Himmelfahrtsinterpretation von Gerhard Ebeling in seiner Dogmatik des christlichen Glaubens: „Gott ist nicht, wo der Himmel ist; / wo Gott ist, da ist Himmel“ (Z. 6–7). An der „Macht“, die Jesus „gegeben ist im Himmel und auf Erden“ (Strophe 4,6–7; vgl. Mt 28,18), haben Christen und die christliche Gemeinde Anteil. Diese befähigt sie zum Zeugnis (Strophe 3) und befreit von Angst (Strophe 4). „Du trittst beim Vater für uns ein“ (Strophe 5,1): Dieses Vertrauen lässt – „auch wenn wir es nicht sehen“ (Strophe 5,2) – die Spannung („Widerspruch“) zwischen Glauben und Erfahrung („Augenschein“) aushalten. Das Ende des Lebens und der Welt bedeutet keinen Untergang, sondern Heimkehr in Jesu Reich („König“) und „Frieden“ (Strophe 7).

 

Das Lied ist durchgehend ein an Jesus Christus gerichtetes Gebet. „Herr Jesu Christ“ wird er in den Strophen 2 bis 6 jeweils zu Beginn des Abgesangs angerufen. Das anfängliche „Wir feiern“ der am Himmelfahrtstag versammelten Gemeinde wird in „Wir freuen uns“ (Strophe 3,5) und „Wir danken dir“ (Strophe 4,5) aufgenommen. So ist das Lied zugleich eine Doxologie, ein an den erhöhten Christus gerichteter Lobgesang. Dem entsprechen Aussagen wie „Nun bist du immer für uns da“ (Strophe 1,6), „Du hast die Angst der Macht beraubt“ (Strophe 4,1) und „Du trittst beim Vater für uns ein“ (Strophe 5,1). Diese behalten den Gebetscharakter, haben aber zugleich eine kerygmatische, ja katechetische Dimension: Indem die Gemeinde Christus preist, verkündigt sie sich selbst die Bedeutung von Himmelfahrt. Besonders deutlich wird das in Strophe 2: „Präg du uns ein, Herr Jesu Christ: / Gott ist nicht, wo der Himmel ist; / wo Gott ist, da ist Himmel“.

 

 

Das Lied besteht ursprünglich aus sieben Strophen zu je sieben Zeilen und zeigt damit einen ausgeprägten Formwillen Die sogenannte „Lutherstrophe“ folgt einem einfachen Bauplan: Zuerst kommen zwei gleiche Teile (die sogenannten Stollen), danach ein neuer, abschließender Teil (der Abgesang). Das Versmaß ist gleichmäßig gebaut: Jede Zeile hat drei Betonungen im Wechsel von unbetont und betont (dreihebiger Jambus). Die Zeilen enden unterschiedlich – manche kurz und betont (1, 3, 5, 6), andere etwas länger und unbetont (2, 4, 7). Die Reime folgen dem Schema abab ccd. Die ursprüngliche 5. Strophe („Du hast allein das letzte Wort“) wurde bei der Aufnahme in das Bayerisch-Thüringische Gesangbuch sowie in weitere Ausgaben. 

 

Der Liedtext hat keine eigene Melodie. Aufgrund der verbreiteten Strophenform, der sogenannten „Lutherstrophe“, kann er mit zahlreichen überlieferten Melodien gesungen werden. Detlev Block selbst sah die Melodie „Es ist gewisslich an der Zeit“ von Martin Luther vor. Bei der Aufnahme in den Regionalteil des Bayerisch-Thüringischen Gesangbuchs (1994) und in spätere Gesangbücher wurde hingegen die Melodie „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“ von Johann Crüger gewählt. Andere Gesangbücher bieten weitere Alternativen. 

 

 

Der frohgestimmte Ausdruck der Crüger-Melodie passt ohne Frage sehr gut zum Text des Himmelfahrtsliedes. Der Text fügt sich natürlich in die musikalische Struktur und Bewegtheit der Melodie ein, die einen feierlichen und freudig erhobenen Ton hat, ohne übermäßig pathetisch zu sein. Das entspricht der theologischen Deutung des Liedtextes.

„Wir feiern deine Himmelfahrt“ ist neben Philipp Friedrich Hillers „Jesus Christus herrscht als König“ eines der Tageslieder für Christi Himmelfahrt. Sein gottesdienstlicher Gebrauch beschränkt sich in der Regel auf diesen Tag (bzw. den folgenden Sonntag Exaudi).

 

 

Die Wahl der Melodie ist – über den hier vorgeschlagenen hinaus – offen. Auch weitere urreformatorische Melodien in der Form der sogenannten „Lutherstrophe“, wie „Nun freut euch, lieben Christen gmein“, „Es ist das Heil uns kommen her“ oder „Allein Gott in der Höh sei Ehr“ von Nicolaus Decius, eignen sich und lassen das Lied jeweils in eigener Klanggestalt erklingen. Je nachdem, ob eher der Lobpreis oder der Gebetscharakter betont werden soll, kann eine passende Melodie gewählt werden. In einer Liedpredigt, bei der die einzelnen Strophen nacheinander gesungen werden, können auch unterschiedliche Melodien verwendet werden.