Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht
Nr. 69 • Himmel, Erde, Luft und Meer
- freiTöne /
- Durch Hohes und Tiefes /
- Kommt atmet auf /
- Gotteslob /
- Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
- Singt Jubilate /
- Singt von Hoffnung
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Aus kleinen Gesten wächst in diesem Lied eine große Verheißung: Wo Menschen teilen, helfen und trösten, „blüht“ Gottes Gegenwart auf. Das sehr beliebte Lied entstand in der katholischen Jugendarbeit der Diaspora in der DDR anlässlich des 750. Todestages der heiligen Elisabeth von Thüringen und hat bis heute in viele evangelische Gesangbücher Eingang gefunden.
Text:
Melodie:

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Wissenswertes zu "Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht"
Das Lied entstand im Jahr 1981 in der katholischen Diaspora der DDR. Anlass war der 750. Todestag der heiligen Elisabeth von Thüringen (1231). Ihm liegt die Legende vom Rosenwunder der Elisabeth zugrunde, wonach sie gegen den ausdrücklichen Willen ihres Mannes in einem Korb verdeckt Brot zu den Armen bringt, ihrem Mann begegnet, von ihm zum Aufdecken des Korbs gezwungen wird und sich das Brot in Rosen gewandelt hatte. In dem Lied ist von vielerlei Wandlungen die Rede: Brot in Rose, Wort in Lied, der leidende Arme in Christus, Not in Freude, Schmerz in Hoffnung, was wir geben, empfangen wir, Tod in Leben.
Der Erfurter Theologe Claus-Peter März verfasste aus diesem Anlass den Text. Die Melodie von Kurt Grahl entstand im selben Jahr für eine Jugendwallfahrt von Leipzig zu Wirkungsstätten der Elisabeth, wodurch das Lied zunächst im kirchlichen Jugendkontext verbreitet wurde. Bereits 1982 wurde es auf dem Katholikentag in Düsseldorf gesungen und dadurch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. In der Folge fand es rasch Eingang in zahlreiche Liederbücher und schließlich in offizielle Gesangbücher wie das katholische Gotteslob sowie in evangelische Gesangbücher.
- Liedrecherche von Timm Siering und Martina Hergt -
Neben dem Bezug auf Leben und Wirken der heiligen Elisabeth von Thüringen finden sich zahlreiche biblische Anspielungen im Text, etwa in der zweiten Strophe auf die Grundlage der Barmherzigkeit in Matthäus 25,40: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Die folgenden Strophen verdeutlichen, dass Nächstenliebe auch das Leben der Helfenden und Schenkenden bereichert. Der Refrain greift Bilder aus den Kapiteln 21 und 22 der Offenbarung des Johannes auf – die Wohnung Gottes unter den Menschen und das Schauen seines Angesichts. Die Aussage des Liedes ist: Wenn wir Liebe und Barmherzigkeit üben, bleibt dies nicht bloße Verheißung für die Endzeit, sondern wird schon jetzt in unserem Leben erfahrbar.
Die Strophen sind durch eine anaphorische „Wenn“-Struktur aufgebaut, die konkrete Handlungen der Nächstenliebe beschreibt und mit einer Verwandlungsperspektive verbindet. Diese Form entfaltet eine poetisch-theologische Dynamik: Konkrete Akte der Nächstenliebe werden mit einer Verwandlungsperspektive verknüpft („… dann blüht …“). Dadurch entsteht eine einprägsame, sich steigernde Struktur, die diakonisches Handeln theologisch deutet.
Die Dur-Melodie des Liedes ist klar gegliedert und umfasst insgesamt 14 Takte. Dabei besteht die Strophe aus einem viertaktigen Abschnitt, während der Refrain als achttaktige, also doppelt so lange Periode gestaltet ist, die zunächst mit einem Halbschluss endet und durch die Wiederholung der letzten beiden Takte zum Ganzschluss geführt wird. Der Ambitus von c′ bis c″ ist gut singbar und macht das Lied auch für ungeübte Singende zugänglich.
Klanglich wirkt die Melodie fließend, stimmungsvoll und gefällig. Sie entfaltet eine ruhige, leicht bewegte Linienführung, die das meditative und zugleich ermutigende Moment des Textes unterstreicht. Im Zusammenspiel von Wort und Ton zeigt sich eine enge Verzahnung: In den Strophen wird durch den Auftakt jeweils das erste zentrale Substantiv (z. B. „Brot“, „Leid“, „Hand“, „Trost“) besonders hervorgehoben. Im Refrain liegt der Spitzenton auf dem Wort „Gott“, wodurch die theologische Aussage musikalisch akzentuiert wird. Die Melodie erhält ihre besondere Prägung durch Synkopen am Zeilenende. Diese betonen die Tätigkeitswörter, während die Substantive im geraden Takt bleiben. Die synkopierten Verben sollen „unser Unterwegssein darstellen“, so der Dichter selbst, „unterwegs zu den Wundern, die im Lied beschrieben werden.“
Das Lied ist als Wochenlied für den 13. Sonntag nach Trinitatis vorgesehen. Dieser Sonntag steht unter dem Thema der gelebten Nächstenliebe, geprägt durch das Evangelium vom barmherzigen Samariter (Lukas 10,25–37). Im Zentrum steht die Frage: Wer ist mein Nächster? – und die Antwort: der, der barmherzig handelt. Genau hier setzt das Lied „Wenn das Brot, das wir teilen“ an: Es beschreibt konkrete Formen tätiger Nächstenliebe – Teilen, Helfen, Trösten – und deutet sie theologisch als Ort der Gottesbegegnung („… dann blüht …“). Auch die Epistel (1. Johannes 4,7–12) mit der Aufforderung „Lasst uns einander lieben“ sowie alttestamentliche Bezüge zur Barmherzigkeit finden im Lied eine Entsprechung.
Das Lied eignet sich zudem in besonderer Weise für den gottesdienstlichen Gebrauch, insbesondere im Zusammenhang mit dem Abendmahl (vor allem die Strophen 1–3) oder dem Dankopfer bzw. der Kollekte. Im Kirchenjahr ist es flexibel einsetzbar, da sein Thema der gelebten Nächstenliebe unabhängig von festen Zeiten relevant ist. Es kann auch bei traurigen Anlässen Verwendung finden (insbesondere die Strophen 3–5).
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