Verleih uns Frieden gnädiglich (Melodie von Matthias Nagel)
Nr. 142 • EGplus
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Der reformatorische Luther-Text nach der Antiphon „Da pacem Domine“ aus dem 9. Jahrhundert erscheint im Stil einer Pop-Ballade in einem völlig neuen Klanggewand. Im 21. Jahrhundert verbindet er sich mit den liturgischen Rufen Halleluja und Kyrie eleison zu einer bewegenden gemeinschaftlichen Bitte um Frieden. Dank seiner großen Anschlussfähigkeit und Ausdruckskraft hat das Stück eine breite Rezeption gefunden.
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Wissenswertes zu "Verleih uns Frieden gnädiglich (Melodie von Matthias Nagel)"
Das Lied entstand im Jahr 2002 zu einer Reformationsfeier in der Essener Grugahalle. Erstveröffentlichung erfolgte 2005 in LebensWeisen. Liederbuch zum 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag (Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2005).
- Liedrecherche von Thomas Schmidt -
Der Luthertext wird in diesem Lied mit den liturgischen Rufen Halleluja und Kyrie eleison („Herr Gott, erbarme dich“) kombiniert und erinnert in dieser Verdichtung von Halleluja und Kyrie an frühere Leisen, etwa an die dritte Strophe von Christ ist erstanden. Dadurch entsteht eine bewusst gesetzte inhaltliche Spannung.
In einigen Gesangbüchern findet sich die originale Formulierung „Es ist doch ja kein andrer nicht“, in anderen dagegen „Es ist ja doch kein andrer nicht“. Letzteres entsprach der ursprünglichen Intention des Komponisten: Durch eine behutsame Modernisierung sollte diese Textpassage auch jüngeren Menschen leichter zugänglich werden. Die ersten Quellenangaben enthielten daher folgerichtig den Zusatz „Text: nach Martin Luther“. Diese Idee und dieser Eingriff stießen jedoch vielfach auf Unverständnis, sodass sich – ohne Zustimmung des Komponisten – wieder die ursprüngliche Lutherfassung durchgesetzt hat.
Die Melodie orientiert sich an einer klar gegliederten Barform und ist formal an chorale Strukturen angelehnt. Zwei ähnliche Melodieteile (Stollen) eröffnen den Gesang. Es folgt ein deutlich abweichender, weiterführender Abschnitt (Abgesang) mit einer integrierten Wiederholung.
Der Melodieautor äußert sich dazu selbst: „Die Melodie versucht in aktueller (Pop-Balladen-) Stilistik, den Text zum Klingen zu bringen. Ausgangspunkt für das erste Motiv mit dem Text Verleih uns Frieden ist das abwärts geführte Motiv. Es soll symbolisch verdeutlichen, dass uns der wirkliche Frieden nur „vom Himmel“ herab gegeben werden kann – wir Menschen bemühen uns auf irdischer Ebene oft vergeblich darum. Der tiefe Ton bei gnädiglich ist tonsymbolisch als eine tiefe Verneigung gedacht. Folgerichtig erscheint dann bei Gott der höchste Ton des ersten Melodieabschnittes, sowie wiederum bei unsren der zweittiefste Ton des Stollens. Somit wird die Spannung zwischen Gott und uns durch diese Motivik ausgedrückt. Die Einfärbung nach g-Moll an der Stelle denn du, unser Gott, alleine soll verdeutlichen, dass wir etwas wehmütig und nicht triumphierend auf Gott schauen; etwas Klage und Kyrie klingen an der Stelle bereits hindurch. Im Abgesang dann wird ein Halleluja „in die Luft geworfen“, um gleich darauf mit einem Kyrie eleison beantwortet zu werden. Auch in der Lutherischen Messe stehen ein Gloria und ein Kyrie (zwar in umgekehrter Reihenfolge) direkt hintereinander, und auch im kirchlichen und täglichen Leben gehört beides oftmals eng zusammen; eines kann ohne das andere oft nicht bestehen. Sogar das volkstümliche Sprichwort „himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt“ kommt einem in den Sinn, was nicht unbeabsichtigt ist. Dennoch gab und gibt diese Liedpassage immer wieder Anlass zu kritischer Diskussion.“
In allen Veröffentlichungen wird der zweite Teil des Liedes im dreistimmigen Satz wiedergegeben. Die klangliche Entfaltung in diesem Abschnitt ist zwar ad libitum zu verstehen, gehört jedoch wesentlich zur Substanz des Liedes. Da das Lied nur aus einer Strophe besteht, kann es durchaus mehrfach gesungen werden.
Das Lied wird oft zu schnell gesungen, manchmal sogar im Metrum „auf Halbe“. Erst die originale Tempovorgabe des Komponisten (Viertel = 88) verleiht dem Lied den beabsichtigten Tiefgang.
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