Bist zu uns wie ein Vater (Unser Vater)
Nr. 47 • Singt von Hoffnung
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Singend beten – das beschreibt die Haltung dieses Vaterunser-Gesangs. Das Lobpreislied greift zentrale Aussagen des Vaterunsers auf und bringt sie in eine leicht zugängliche, singbare Form. Durch seine eingängige Melodie und den klaren Text hat es sich in vielen Gemeinden etabliert.
Text:
Melodie:

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Wissenswertes zu "Bist zu uns wie ein Vater (Unser Vater)"
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1994 auf der CD „Felsenfest“ (Gerth Medien). Durch seine eingängige Form und ökumenische Anschlussfähigkeit entwickelte sich das Lied rasch zu einem Standard des Neuen Geistlichen Liedes.
Der Liedtext greift in einer einfachen Paarreimform Motive aus dem Vaterunser (Mt 6,9-13) auf, wie der folgende Vergleich aufzeigt:
Unser Vater im Himmel!
Bist zu uns wie ein Vater, der sein Kind nie vergisst, der trotz all seiner Größe, immer ansprechbar ist.
Dein Name werde geheiligt.
alle Ehre deinem Namen.
Dein Reich komme.
Deine Herrschaft soll kommen
Dein Wille geschehe
das, was du willst, geschehen
wie im Himmel so auf Erden.
Auf der Erde, im Himmel, sollen alle es sehn.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Gib uns das, was wir brauchen, gib uns heut unser Brot.
Und vergib uns unsere Schuld,
Und vergib uns den Aufstand gegen dich und dein Gebot.
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Lehre uns zu vergeben, so wie du uns vergibst.
Und führe uns nicht in Versuchung,
Nimm Gedanken des Zweifels und der Anfechtung fort.
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Mach‘ uns frei von dem Bösen durch dein mächtiges Wort.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Deine Macht hat kein Ende, wir vertrauen darauf. Bist ein herrlicher Herrscher und dein Reich hört nie auf.
Zugleich deutet der Text das Vaterunser.
Das Vater-sein Gottes wird sehr viel ausführlicher thematisiert als im Vaterunser selbst. Gerade die erste Strophe spielt vor dem Hintergrund einer Vorstellung von der Erhabenheit und Unnahbarkeit Gottes den Umbruch ein, den eine Gottesanrede als „Vater“ für die frühe Christenheit bedeutet haben mochte und bis heute immer noch bedeutet: „trotz all seiner Größe“ dürfen Christinnen und Christen ihn als „Vater“ ansprechen.
- Sodann wird die Heiligung des Namens Gottes als ein „Ehre geben“ übersetzt. Hier ist zunächst wiederum auf die bereits angesprochene Vorstellung von der Erhabenheit Gottes hinzuweisen, die dazu geführt hat, dass man nicht nur ein direktes Aussprechen des Gottesnamens, sondern auch ein direktes Ansprechen Gottes vermieden hat. Trotz der Zugänglichkeit zu Gott, die der Vater-Name anzeigt, wird dennoch im Nachsatz an dieser Indirektheit festgehalten, die dazu führt, dass man statt des Gottesnamens selbst als Substitut „Dein Name“ verwendet. Mit anderen Worten: Wenn hier scheinbar nur der „Name Gottes“ angesprochen wird, so ist damit doch die gesamte Gottheit gemeint. Auch wenn „Ehre geben“ etwas verständlicher zu sein scheint als „heiligen“, so muss dennoch beachtet werden, dass dadurch eine wesentliche Begrifflichkeit ausgetauscht wird. Denn Gott die „Ehre geben“ ist eine Reaktion auf die Herrlichkeit (kāvôd) Gottes. Anders dagegen „heiligen“. Vermutlich wird man die Heiligung des Namens Gottes von der Namenstheologie des Ezechielbuches her verstehen müssen. Dort steht der heilige Name Gottes in der Gefahr durch den Ungehorsam des Volkes entheiligt zu werden (vgl. Ez 20,39). Umgekehrt könnte es darum bedeuten, Gottes Namen zu heiligen, sich an seine Gebote zu halten, bzw. ein der Heiligkeit des Namens Gottes entsprechendes Leben zu führen.
- Der Ausdruck des „täglichen Brotes“ seinem Sinn gemäß als „das, was wir brauchen“ wiedergegeben. Die vierte Bitte des Vaterunsers weist an dieser Stelle mehrere Besonderheiten auf: Da ist zum einen, dass die Bitte um das Brot mit einem Personalpronomen verbunden ist – es handelt sich um „unser Brot“. Da ist zum zweiten, dass es ein Brot sein soll, das „ἐπιούσιον“ gegeben werden möge. Schließlich wird die Bitte mit einer Zeitangabe versehen: das „Brot“ soll „heute“ gegeben werden. Diese Beobachtungen weisen insgesamt darauf hin, dass in der vierte Bitte des Vaterunsers nicht nur das im wörtlichen Sinne verstandene „Brot“ gemeint ist, sondern überhaupt das zum Leben Notwendige.
- Die Bitte um Vergebung der Schuld mit dem „Aufstand gegen dich und dein Gebot“ in Verbindung gebracht. Diese Verbindung wird als eine Art der Konkretion gemeint sein, kann aber auch eine unnötige Engführung bedeuten. In Frage ist offensichtlich gestanden, woher die Erkenntnis von Schuld rührt, um die um Vergebung gebeten wird. Dabei wird Schuld doppelt gefasst, wobei sich die theologische Problematik der Unterscheidung von Sünde und Schuld einschleicht. Während nämlich die Wendung „Aufstand gegen dich“ auf die „Grundsünde“ des Menschen, das Sein-wollen-wie-Gott und damit auf den Sündenfall verweist, werden mit der sinngemäß zu ergänzenden Wendung „Aufstand gegen dein Gebot“ die „Tatsünden“ in den Blick genommen.
- Beachtenswert ist schließlich auch, dass „Versuchung“ mit „Gedanken des Zweifels“ und „Anfechtung“ übersetzt wird, wobei man auch hier von dem Versuch einer Konkretion ausgehen darf. Allerdings wird dadurch die ohnehin schon problematische Vorstellung, dass Gott den Menschen „in Versuchung“ führt, noch einmal – und womöglich in unnötiger Weise – verstärkt. Allerdings wird man dieser Vorstellung auch zugutehalten dürfen, dass sie keinen Dualismus zulässt, sondern konsequent alles auf Gott zurückführt.
Das musikalische Gewand dieses Liedes erschließt sich dem Singenden in seiner einfachen und ruhigen Form unmittelbar. Es ist von einer schlichten Dur-Harmonik und einer einfachen, fast volksliedhaften Rhythmik geprägt. Bereits nach dem ersten Melodiebogen in der Strophe wird dieser wiederholt, sodass das Mitsingen sofort und mühelos gelingt. Alle Bögen sind leicht zu überblicken.
Der Refrain enthält ganztaktige Notenwerte und erzeugt dadurch eine verlangsamende Wirkung sowie eine Feierlichkeit, die gerade im Hinblick auf den Textbezug und das Singen in einer Gebetshaltung sehr geschätzt wird.
Das Lied hat sich in vielen Gemeinden als gesungene Variante des Vaterunsers etabliert. Um die Länge des Liedes zu begrenzen, wird der Refrain häufig nur nach jeder zweiten Strophe gesungen.
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