Tief im Schoß meiner Mutter gewoben | In de schoot van mijn moeder geweven
Nr. 196 •
Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Nr. 141 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)
- Gotteslob
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Ein Glückwunsch zur Geburt eines Kindes wurde zum Lied über die Geborgenheit des ganzen Lebens. Mit Bildern aus Psalm 139 besingt es das Vertrauen, von Gott schon im Mutterleib gekannt, geformt und beim Namen gerufen zu sein. Die ruhig fließende Melodie lädt dazu ein, dieses Vertrauen singend nachzuempfinden.
Text:
Melodie:

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Das Lied entstand somit in zwei Schritten: Sytze de Vries schrieb den Text 1987 zunächst als Gedicht mit dem Titel Jij bent daar („Du bist da“). Anlass war die Geburt eines Kindes: Ein Sänger der Sweelinckcantorij in Amsterdam war zum ersten Mal Vater geworden, und de Vries verfasste das Gedicht als Glückwunsch. Darin nahm er Bilder aus Psalm 8 und Psalm 139 auf, vor allem die Vorstellung, dass Gott den Menschen bereits im Mutterleib formt, ihn kennt und bei seinem Namen nennt. Am 15. August 1988 schenkte Willem Vogel dem Dichter zu dessen Geburtstag eine Melodie für den Text. Beide kannten sich von der gemeinsamen Arbeit an der Oude Kerk in Amsterdam.
Der fünfstrophige Text umfasst jeweils 10–6–6–10 Silben und folgt dem Reimschema abba. Die deutsche Fassung bleibt eng an der niederländischen Vorlage. Der Text bezieht sich auf Psalm 139,13–16: „Du hast mich gebildet im Mutterleibe …“
Darüber hinaus finden sich weitere biblische Bezüge: „Licht ist dein Kleid, das du anhast“ (Psalm 104,2); „Ich will dem Herrn singen mein Leben lang“ (Psalm 104,33); „Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du eine Macht zugerichtet“ (Psalm 8,3) sowie „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet“ (Matthäus 21,16).
In der dritten Strophe wird eine Formulierung aus Psalm 139,4 vom Menschen auf Gott übertragen: Aus „meine Zunge“ wird „deine Zunge“. Die Worte „Mein Name lag dir auf der Zunge“ erinnern außerdem an Jesaja 43,1: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen.“ Aus ihren tiefen biblischen Bezügen findet die Dichtung zu frischen, selbstverständlich wirkenden Formulierungen.
Die Melodie ist dem Genfer Psalter nachempfunden und kommt mit dem Tonvorrat einer D-Dur-Tonleiter aus. Durch den gleichmäßigen Wechsel von zwei Viertelnoten und einer halben Note wirkt sie frei schwebend. Jede Silbe erhält einen eigenen Ton. Aus den unterschiedlichen Silbenzahlen der Zeilen (10–6–6–10) ergeben sich verschieden lange Melodiebögen. Die beiden kürzeren Abschnitte mit männlicher Endung werden von den längeren Abschnitten mit weiblicher Endung gerahmt.
Der melodisch geschlossene erste Abschnitt bleibt ganz bei sich und führt zweimal zum Grundton. Danach öffnet sich die Melodie nach oben. Die dritte Zeile imitiert die zweite einen Ton höher. Die vierte Zeile führt durch eine Spiegelung des Anfangs zum Höhepunkt und kehrt anschließend über zwei Sprünge recht schnell zum Ausgangston zurück. So vereint die Melodie die Ruhe der Geborgenheit mit einer Bewegung, die Beziehung ausdrückt.
Das Lied ist in ruhig fließenden halben Noten zu singen. Die notierte Pause am Ende jeder Strophe lässt Zeit zum Atemholen vor dem Anschluss der nächsten Strophe und unterstreicht den meditativen Charakter des Liedes.
Psalm 139 ist in der Perikopenordnung dem 6. Sonntag nach Trinitatis zugeordnet. Das Lied eignet sich besonders, wenn der zweite Teil des Psalms, Psalm 139 B, gebetet wird, der mit Vers 13 beginnt. Das Evangelische Gesangbuch ordnet das Lied allgemein der Rubrik „Psalmen“ zu, das Gotteslob von 2013 der Rubrik „Vertrauen und Trost“. Es passt immer dann, wenn es um die Geborgenheit in Gott geht, aus der die Kraft des eigenen Lebens erwächst.
Liedrecherche: Markus Leidenberger
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