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Singt, singt dem Herren neue Lieder (Ps 98)

Nr. 286 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 119 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Das Lied ist eine poetische Nachdichtung von Psalm 98 und steht in der Tradition reformierter Psalmengesänge. Die kunstvoll gestaltete Melodie trägt die freudige, zuversichtliche Grundstimmung des Psalms in überzeugender Weise: Sie hüpft, fließt und spielt durch alle Singlagen – ganz typisch in der regelmäßigen Rhythmisierung des Genfer Psalters – und wird so zu einem kleinen Meisterwerk eines kraftvollen Aufrufs zum Lob Gottes.

Text:

Matthias Jorissen (*1739–†1823), 1798

Melodie:

Guillaume Franc (*um 1505–†1570), 1543
Loys Bourgeois (*um 1510–†1561), 1551

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Wissenswertes zu "Singt, singt dem Herren neue Lieder (Ps 98)"

Dieses Lied gehört in den Zusammenhang der reformierten Psalmdichtung des späten 18. Jahrhunderts. Die zugrunde liegende Sammlung Neue Bereimung der Psalmen erschien erstmals 1798. Sie war für deutschsprachige reformierte Gemeinden in den Niederlanden bestimmt. Ziel dieser Neubereimung war es, eine sprachlich modernisierte und zugleich textnahe Übertragung der biblischen Psalmen zu schaffen. Sie sollte die bis dahin gebräuchlichen, oft als altertümlich empfundenen Fassungen ersetzen. Musikalisch griff man weiterhin auf die Melodien des Genfer Psalter zurück, die seit dem 16. Jahrhundert das Rückgrat reformierter Psalmengesänge bildeten. 1806 erschien eine erweiterte Ausgabe unter dem Titel Die Psalmen Davids neu übersetzt und in Reime gebracht. Diese Fassung fand breite Aufnahme in reformierten Gemeinden und löste den bis dahin verbreiteten Lobwasser-Psalter (1573) weitgehend ab.

 

Das Lied „Singt, singt dem Herren neue Lieder“ (nach Psalm 98) dieser Ausgabe verbreitete sich über den reformierten Bereich hinaus. Es wurde unter anderem in mennonitische Gesangbücher aufgenommen und fand schließlich Eingang in das Evangelisches Gesangbuch (1993), wodurch es heute im gesamten deutschsprachigen Protestantismus gesungen wird.

 

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger -  

Der gereimte Liedtext (Reimschema abab cdcd) folgt eng Psalm 98. Strophe 1 entspricht den Versen 1–2, Strophe 2 Vers 3, Strophe 3 den Versen 4–6 und Strophe 4 den Versen 7–9 des Psalms. Das Lied ist – wie der Psalm selbst – ganz auf das Lob Gottes ausgerichtet. Die in Strophe 1 eingefügte rhetorische Frage „Wo sind nun alle unsre Leiden?“ unterstreicht die vorbehaltlos positive Sicht auf Gottes wunderbares Handeln, das Anlass zu überschwänglichem Singen und Jauchzen gibt. Auch die endzeitliche Perspektive auf Gott als Richter der Völker am Schluss des Psalms wird in diese positive Grundhaltung eingebunden: Über dieses Gericht freut sich die Unschuldigen ewig.

Die Melodie existierte bereits vor dem Text und war ursprünglich für Psalm 118 bestimmt. Der Text folgt daher den silbischen Vorgaben der Melodie (9–8–9–8–9–8–9–8) und verbindet sich mit ihr zu einem harmonischen Ganzen.

 

 

Typisch für den Genfer Psalter ist die Gliederung der Melodie: Viertelnoten werden von halben Noten gerahmt, und die einzelnen Abschnitte sind durch halbe Pausen voneinander getrennt. Die erste Zeile setzt zunächst mit einer Abwärtsbewegung ein, um sich anschließend nach oben zu öffnen. Die zweite Zeile beginnt in höherer Lage und führt zurück zum Grundton. Die dritte Zeile wiederholt die erste, während die vierte die zweite variiert. Die fünfte Zeile durchschreitet den gesamten Tonraum vom höchsten bis zum tiefsten Ton. Die sechste Zeile greift die zweite Zeile in gespiegelter Form auf. Die siebte variiert die erste Zeile unter Auslassung der tieferen Töne. Die Schlusszeile entspricht wieder der vierten Zeile.

 

 

Insgesamt ist die Melodie kunstvoll gestaltet und trägt die freudige, zuversichtliche Grundstimmung des Psalms in überzeugender Weise. Auch die Bewegtheit und Variabilität des Melodieverlaufs unterstreichen den freudigen Charakter einer aktiven Singaufforderung, die der Text intendiert.

Das Singtempo ist flüssig zu wählen; die Pausen sollten dabei lediglich als Atemzäsuren empfunden werden. Das Lied eignet sich besonders für den Sonntag Kantate, an dem Psalm 98 als Wochenpsalm vorgesehen ist. Darüber hinaus ist sein Einsatz bei allen festlich-frohen Anlässen denkbar. Mit Blick auf die vierte Strophe („Er kommt, er naht sich“) kann das Lied auch im Advent Verwendung finden.

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