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Singet dem Herrn ein neues Lied

Nr. 624 • EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe

  • EG-Regionalteil Österreich

Dieses Psalmlied verbindet Hans Bernoullis knappe Nachdichtung von Psalm 96 mit der ausdrucksvollen Melodie und dem vierstimmigen Satz von Heinrich Schütz. Der Wechsel zwischen fließender Bewegung und rhythmischem Innehalten verleiht dem Lobgesang sein besonderes Profil. Die Einladung, Gott ein neues Lied zu singen, mündet in den Jubel der ganzen Schöpfung.

Text:

Hans Bernoulli (1918 – 2012), 1983

Melodie:

Heinrich Schütz ( getauft 1585 – 1672), 1628/1661

Satz:

Heinrich Schütz ( getauft 1585 – 1672)

Bibelstellen:

Ps 96

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Wissenswertes zu „Singet dem Herrn ein neues Lied“

Der vom Basler Pfarrer Hans Bernoulli nach Psalm 96 auf die Schütz-Melodie gedichtete Text entstand im Vorfeld der Schaffung des Reformierten Gesangbuchs, das 1998 in der deutschsprachigen Schweiz eingeführt wurde. Gegenüber der ersten Fassung von 1983 nahm er im Austausch mit der Gesangbuchkommission mehrere Änderungen vor. 

 

Heinrich Schütz schuf 1628 Melodien zu etwa zwei Dritteln der Psalmnachdichtungen von Cornelius Becker. Anlass dazu war der frühe Tod seiner Frau im Jahr 1625, der ihm nach seinem eigenen Zeugnis in der Widmung an die Kurfürstin von Sachsen die Kraft zur Arbeit an größeren Werken raubte. Zugleich wollte er den auf Melodien des lutherischen Repertoires gedichteten Texten Beckers eigene Melodien geben, damit diese nicht „mit geborgeter Kleidung in Christlichen Versammlungen“ erscheinen müssten, wie er in der Widmung schreibt. In der Ausgabe von 1628 hatte Psalm 96 noch keine eigene Melodie, sondern enthielt einen Verweis auf Schütz’ Melodie zu Psalm 100. In der Folgezeit arbeitete Schütz offenbar weiter am Psalter. 1661 erschien auf Drängen des sächsischen Kurfürsten Johann Georg II. die vervollständigte Fassung. Hier findet sich auch die Melodie unseres Liedes. Da Schütz das Lied 1661 im vierstimmigen Satz publiziert hat, gehören Melodie und Satz unauflöslich zusammen.

Hans Bernoulli hat zahlreiche Psalmen und ähnliche Texte zu Strophenliedern umgedichtet. Seine Nachdichtung von Psalm 96 ersetzt den Text, den Cornelius Becker 1602 auf eine Melodie des lutherischen Repertoires gedichtet hatte, um eine Konkurrenz zum reformierten Genfer Psalter zu schaffen, der sich in der deutschen Nachdichtung von Ambrosius Lobwasser stark verbreitete. Bernoulli übernimmt die erste Zeile von Becker, formuliert dann aber gegenüber dessen elf Strophen deutlich knapper und hält das Versmaß konsequenter ein. Er folgt nicht durchgehend dem Gedankengang des Psalms, sondern greift einige markante Formulierungen und Gedanken auf. Die letzte Strophe entspricht weitgehend den Schlussversen 11–13.

Der Melodierhythmus ist teilweise quantitierend, das heißt: Auf betonte Silben fallen lange, auf unbetonte Silben kurze Noten. Durchbrochen wird dieses Prinzip am Schluss der Zeilen 2 und 4, wo die umgekehrte Anordnung eine Bremswirkung erzeugt. Eine Besonderheit zeigt sich an den Zeilenanfängen. Denkt man im Dreiertakt, liegt die Betonung auf der ersten Silbe. Dies entspricht dem Textanfang und – anders als bei Becker – auch den Anfangszeilen der Folgestrophen. In den Zeilen 2 bis 4 ist der erste Ton dagegen als Auftakt zum zweiten zu verstehen. Dadurch beträgt der Abstand zwischen den metrischen Schwerpunkten am Übergang vom ersten zum zweiten Takt zunächst eine halbe Note, danach eine punktierte halbe Note. Dieses Phänomen ist aus verschiedenen Melodien des 16. und 17. Jahrhunderts bekannt, etwa aus „Wer nur den lieben Gott lässt walten“.

 

Der in verschiedene Gesangbücher übernommene Satz stammt ebenfalls von Heinrich Schütz. Er fällt durch einen zweimaligen linearen Abstieg auf; eine kleine Umspielung verziert die Schlusskadenz.

Traditionell ist Psalm 96 dem Weihnachtsfest zugeordnet. Das beliebte „Tollite hostias“ am Schluss des Weihnachtsoratoriums von Camille Saint-Saëns stammt aus seinem achten Vers. Der Psalm eignet sich aber auch für viele andere liturgische Situationen.

 

Bei der Orgelbegleitung kann der Bass gemäß Schütz’ Angabe in punktierten halben Noten geführt werden. In der zweiten Hälfte kann er eine Oktave tiefer gespielt werden („vel per Octavam infra“). Auf diese Weise wird ein zu geringer Abstand zwischen Melodie und Bass vermieden, der zu einer ungünstigen Akkordlage führt, wenn Männerstimmen die Melodie eine Oktave tiefer singen.

Liedrecherche: Andreas Marti

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