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Ruhet von des Tages Müh (Kanon)

Nr. 482 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 21 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Dieser bekannte Kanon ist ein schlichter, zugleich eindringlicher Abendliedgesang, der zur Ruhe und Sammlung einlädt. In seiner ruhig abwärts geführten Melodie spiegeln sich das Loslassen des Tages und das Vertrauen auf Gottes behütende Gegenwart wider.

Text:

Martin Hesekiel (*1912–†2003), 1931

Melodie:

Martin Hesekiel (*1912–†2003), 1931

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Wissenswertes zu "Ruhet von des Tages Müh (Kanon)"

Der Kanon entstand bei der Vorbereitung einer Jugendfreizeit bzw. Singwoche und wurde wohl erstmals 1931 in Zinsdorf bei Posen (Poznań) gesungen. Veröffentlicht wurde er 1936 in einem Liederheft für Deutsche in Polen. In der Singbewegung des 20. Jahrhunderts war der Kanon sehr verbreitet und wurde in das Evangelische Gesangbuch (1993) aufgenommen.

Das Ruhen nach der Arbeit gehört von Anfang an zur Schöpfung (1. Mose 2,2). Das Ruhen nach der Mühe des Lebens wird in Hiob 3,13 als Sehnsucht und in Offenbarung 14,13 als Lohn thematisiert. Die Nacht teilt die Tage. Sie kann von den Sorgen des Tages befreien, wie Matthäus 6,34 sagt: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.“ Gott wacht über die Erde, denn der Hüter Israels schläft und schlummert nicht (Psalm 121). Der Kanon wird getragen von Gedanken des Trostes, der Geborgenheit und des Vertrauens in Gott.

Gleichmäßige Viertelnoten führen zeilenweise zum Ziel einer ruhenden Halben: Es ist immer Zeit zum Atmen. Die Achteldurchgänge in den Zeilen drei und vier beleben den Verlauf, wobei die letzte Zeile mit ihrem Ende in zwei halben Noten das Ankommen in der Ruhe verstärkt. Insgesamt führt die Melodie vom noch etwas nach oben ausgreifenden oberen Grundton über die Töne des Molldreiklangs bis zum unteren Grundton hinab. Der Schlusston einer Zeile ist zugleich der Anfangston der nächsten Zeile – so entsteht keine Unruhe. Tonwiederholungen und stufenweises Fortschreiten prägen die Melodie der ersten drei Zeilen. Brechungen von Moll- und vermindertem Dreiklang geben der letzten Zeile, die von Gottes Wirken handelt, Energie und Farbe.

Der Ort des Kanons im Leben ist wie selbstverständlich der Abend, die Nacht, der Abschluss einer Veranstaltung. Alle sind bereits müde und sollen nun einen ruhigen Kanon singen, der eine gute Atemspannung erfordert. Stetig führt die Melodie abwärts, weshalb sie hoch beginnen muss – das kann zu einem guten Atem vor der ersten Zeile helfen. Diesen benötigen wir jedoch für jede Zeile neu; sonst sinken mit den Tönen auch Spannung und Stimmung und trüben den angestrebten guten Abschluss. Das beste Mittel ist wie immer: aufrecht im Stehen singen – dann kann man von Sorgen entlastet und fröhlich auseinandergehen.