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Ow wola lubosće | O Liebeswille du [Regionalteil]

Nr. 347 RT Bayern-Sachsen • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Dieses sorbische Lied schlägt mit seiner innigen Melodie und poetischen Sprache einen ganz besonderen Ton an. Die Melodie entführt in die sächsisch-slawische Klang- und Gefühlswelt der Oberlausitz und verleiht dem Lied seinen unverwechselbaren Charakter. Im Mittelpunkt steht die alles tragende Liebe Gottes, die dem Lied eine zeitlose Botschaft schenkt und es weit über konfessionelle und sprachliche Grenzen hinaus verständlich und ansprechend macht.

Text:

Jan Kilian (*1811–†1884), 1847

auf Grundlage eines sorbischen Textes aus Kotitz bei Weißenberg (Kreis Bautzen) | deutsche Textfassung: Jan Mahling / Kito Lorenc 2010

Melodie:

Jan Kilian (*1811–†1884), 1847

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Wissenswertes zu "Ow wola lubosće | O Liebeswille du [Regionalteil]"

Jan Kilian dichte das Lied „Ow wola lubosće“ in seiner Amtszeit als Pfarrer in Kotitz für den Gebrauch in den sorbischen Gottesdiensten seiner Gemeinde. Er veröffentlichte den Text 1846 in dem Buch Spěwarske wjeselje und schuf 1847 zudem die Melodie, die in das Gesangsbüchlein Hłosy Eingang fand. Auf diese Weise fand es Verbreitung in den Gottesdiensten der obersorbischen Kirchgemeinden in der sächsischen und preußischen Oberlausitz und später in der sorbischen Auswanderkolonie in Texas. Seitdem wurde es in verschiedenen sorbischen Gesangbuchausgaben abgedruckt. Bjarnat Krawc nahm es 1930 in seine Liedersammlung Duchowny ludowy spěw auf. Zuletzt fand es Aufnahme in das obersorbische Gesangbuch Spěwarske von 2010. Die deutsche Übersetzung „O Liebeswille du“ von Jan Malink und Kito Lorenz wird hiermit erstmals abgedruckt.

 

 

- Liedrecherche von Christoph Rummel  - 

Der Liedtext ist von der tiefen Frömmigkeit seines Autors geprägt, ohne konfessionelle Lehrfragen ausdrücklich in den Vordergrund zu stellen. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Gewissheit der göttlichen Liebe, wie sie besonders eindrücklich im 1. Johannesbrief formuliert wird: „Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (1 Joh 4,16). Von dieser Liebe sollen Denken und Handeln des Menschen bestimmt werden; sie begleitet ihn durch das Leben und findet ihre Vollendung in der Gemeinschaft mit Gott. Dadurch erschließt sich der Text auch Menschen, die kirchlichen Traditionen fernstehen, aber den Gedanken einer alles tragenden Liebe nachvollziehen können.

 

Jan Kilian zählt zu den bedeutendsten evangelischen sorbischen Liederdichtern des 19. Jahrhunderts. Als Pfarrer, Theologe und Förderer der sorbischen Sprache setzte er sich für die Bewahrung des lutherischen Bekenntnisses und des sorbischen kirchlichen Lebens ein. Nach seinem Übertritt zur altlutherischen Kirche führte er 1854 mehr als 550 sorbische Auswanderer aus der Oberlausitz nach Texas, wo er zu den Gründern der Siedlung Serbin gehörte und bis zu seinem Tod als Pfarrer wirkte.

In ihrer Art handelt es sich um eine typisch sorbische Originalmelodie, die eine besondere sächsisch-slawische Seelenstimmung ausdrückt. Durch ihre starke Empfindsamkeit ist sie ein eigener Farbtupfer im Gesangbuch. Auf der Quinte der Tonart einsetzend, spielt die Melodie lange im Ausdruck der Sehnsucht um diesen Ton herum, erreicht dann zunächst in der zweiten Liedhälfte den höchsten Ton, um erst bei der letzten Note auch ihren letzten Ruhepunkt im Grundton zu finden. Die Melodie ist durchaus einprägsam und sollte für alle Nutzer gut singbar sein.

Das Lied wurde im sorbischen Gesangbuch von 2010 unter den Liedern zu „Glaube, Liebe, Hoffnung“ in der Rubrik „Christusnachfolge“ eingeordnet. Neben den Gottesdiensten lohnt es sich, dieses Lied auch in Bibelstunden oder in Seniorennachmittagen einzubeziehen. 

 

Zur Aussprache der sorbischen Fassung: Die sorbischen Vokale sind sämtlich kurz auszusprechen. Folgende Aussprache der sorbischen Sonderzeichen ist zu beachten: c = z (wie in zu), ć und č = tsch (wie in zwitschern), = dsch (wie in Dschungel), ě = kurzes i (wie in dir), = ksch, ł = w, ó = kurzes u (wie in Mutter), = psch, s = stimmlos wie ß, š = stimmlos sch (wie im Wort Schule), y = sehr kurzes i (wie in bitte), z = stimmhaftes s (wie summen), ž =stimmhaftes sch (wie g in Gelee).

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