Nehmt Abschied, Brüder | Should auld acquaintance
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Bei diesem Lied sind Emotionen unbedingt erwünscht! Von vielen Singenden wird es als wehmütig und sehnsuchtsvoll – und zugleich als tröstlich – beschrieben. Das schottische Volkslied hat eine lange Tradition im englischsprachigen Raum und erklingt zum Jahreswechsel, um der im abgelaufenen Jahr Verstorbenen zu gedenken. Zudem wird dem schottischen Dichter jährlich mit einem eigenen Gedenktag gedacht. Auch in der Pfadfinderbewegung hat es bis heute seinen festen Platz als Abschiedslied im großen Kreis. Dabei werden die Hände „rechts über links“ verschränkt und der Kreis geschlossen.
Text:
Melodie:
aus Schottland

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Wissenswertes zu "Nehmt Abschied, Brüder | Should auld acquaintance"
Das schottische Original Auld Lang Syne ist eines der bekanntesten Lieder im englischsprachigen Raum. Es wird traditionell zum Jahreswechsel gesungen, um der im abgelaufenen Jahr Verstorbenen zu gedenken. Am 17. Dezember 1788 erwähnt Robert Burns in einem Brief an Frances Anna Dunlop, dass ihn das alte schottische Lied (englisch wörtlich „old long since“, sinngemäß „längst vergangene Zeit“, frei übertragen „die gute alte Zeit“) sehr berührt habe. Eine größere Öffentlichkeit erreichte das Lied im Jahr 1800, als es in Playford’s Original Scotch Tunes, einer Sammlung schottischer Lieder, erschien. Neben dem Titel Auld Lang Syne werden oft auch die ersten Worte des Liedes Should auld acquaintance be forgot („Sollte alte Freundschaft [schon] vergessen sein“) als Titel angegeben.
Im Dezember 1907 tauchte Auld Lang Syne in den ersten US-amerikanischen Hitparaden auf; Soldaten und Auswanderer sangen das Lied beim Auslaufen ihrer Schiffe und brachten es so in die „Neue Welt“. Ebenfalls 1907 machten sich die in Großbritannien gegründeten Boy Scouts das Lied zu eigen und verbreiteten es über die internationalen Pfadfinderbünde. So entstanden neben der deutschen Version „Nehmt Abschied, Brüder“ auch andere Übertragungen, etwa die in einzelnen deutschen Liederbüchern abgedruckte französische Version Faut-il nous quitter sans espoir? – besser bekannt durch den Refrain „Ce n’est qu’un ‘Au revoir’“. Sie wurde von Jacques Sevin, dem Mitbegründer der französischen Pfadfinderbewegung, verfasst.
Vor allem in englischsprachigen Ländern wurde es Brauch, dass Menschen zur Jahreswende an zentralen Plätzen zusammenkommen, sich an den Händen fassen und gemeinsam Should auld acquaintance be forgot singen.
Dieses Freundschaftslied wurde in viele Kultursprachen frei übersetzt und ist als bewegendes Abschiedslied weltweit in zahlreichen Versionen verbreitet. Es wird von vielen Künstlern und Bands interpretiert und variiert (in Deutschland etwa von Nicole über Hannes Wader bis zu den Toten Hosen). Eine besondere Adaption erfuhr die Melodie 1999 als Vaterunser-Song Millennium Prayer von Cliff Richard. Das schottische Volkslied aus dem 18. Jahrhundert wurde mehrfach ins Deutsche übertragen, etwa von Hans Baumann („Wie könnte Freundschaft je vergehn“) oder in der evangelischen Pfadfinderbewegung („Jetzt wolln wir auseinandergehn“). Keine dieser Versionen wurde jedoch so populär wie „Nehmt Abschied, Brüder“, das 1946 entstandene Abschiedslied von Claus Ludwig Laue aus der katholischen DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg). Es hat sich über die Pfadfinderbewegung hinaus verbreitet und ist im gesamten deutschen Sprachraum in Schul- und Volksliederbüchern zu finden. Es erklingt häufig am Ende größerer Pfadfindertreffen. Auch wenn mit „Brüder“ ursprünglich die Pfadfinder gemeint waren, können sich heute alle angesprochen fühlen; oft wird der Text entsprechend um „Schwestern“ ergänzt oder angepasst gesungen.
- Liedrecherche von Günter Ruddat -
In seiner ursprünglichen englischen Fassung Auld Lang Syne ist das Lied das Silvester- und Neujahrslied schlechthin im englischsprachigen Raum. Es wird um Mitternacht gesungen – zur Verabschiedung des alten und zur Begrüßung des neuen Jahres: Abschied und Anfang sozusagen in einem Atemzug. In dieser Tradition wird mit dem Lied auch der Toten des vergangenen Jahres gedacht. Der englische Text erzählt entsprechend vom Wert alter Freundschaft und gemeinsamer Erlebnisse. Die Verstorbenen werden durch den rituellen Gesang zugleich liebevoll dem Vergangenen (dem alten Jahr) zugeordnet und in den Anbruch einer neuen Zeit (des neuen Jahres) mitgenommen.
Die deutsche Version „Nehmt Abschied, Brüder“ geht in eine ähnliche Richtung, setzt den Schwerpunkt jedoch etwas anders. Im Zentrum stehen Abschied und die damit verbundenen Gefühle: „Nehmt Abschied, Brüder/Schwestern, ungewiss ist alle Wiederkehr, die Zukunft liegt in Finsternis und macht das Herz uns schwer.“ Sehr eindrücklich wird der Schmerz des Abschieds und der darauf folgenden Ungewissheit betont. Zugleich kommt aber auch zum Ausdruck, dass mit dem Abschied des alten Jahres ein neues beginnt: „So ist in jedem Anbeginn das Ende nicht mehr weit, wir kommen her und gehen hin und mit uns geht die Zeit.“ Das Leben erscheint als ständiger Wandel – mit einer bleibenden Konstante: „Wir ruhen all in Gottes Hand.“ Dieser abschließende Vers des Refrains verweist auf den christlichen Hintergrund des Texters Claus Ludwig Laue, der bekennender katholischer Christ war. Das Lied drückt daher auch die Hoffnung aus, dass wir uns dereinst wiedersehen werden. Auch wenn wir Abschied nehmen müssen und ein Jahr zu Ende geht, beginnt zugleich ein neues – und nur die Freunde, die wir vergessen haben, sind wirklich verloren. Worte und Bilder des Liedes passen deshalb auch zu einem endgültigen Abschied durch den Tod: „Wir kommen her und gehen hin und mit uns geht die Zeit.“ In jedem Fall gilt: „Der Himmel wölbt sich übers Land, wir ruhen all in Gottes Hand, lebt wohl, auf Wiedersehn.“ Vor unseren Augen entsteht zugleich das Bild einer abendlichen Naturstimmung: „Die Sonne sinkt, es steigt die Nacht, vergangen ist der Tag.“ Diese Bilder laden – wie in einem Abendgebet – dazu ein, den Tag in der Stille noch einmal Revue passieren zu lassen: „Die Welt schläft ein, uns leis erwacht der Nachtigallen Schlag.“
Die Pfadfinder haben das Lied – wie bereits erwähnt – in besonderer Weise aufgenommen. Vor dem Auseinandergehen nach intensiv gemeinsam verbrachter Zeit wird „Nehmt Abschied“ gesungen. Der Blick in die Flammen eines Lagerfeuers, das Holz zu Asche werden lässt, passt dabei gut zu dem Empfinden, dass etwas unwiederbringlich vergangen ist und die erlebte Gemeinschaft so nicht wiederkehrt. Schmerz und Sehnsucht prägen diesen Moment – und damit auch das Lied. Die vierte Strophe markiert einerseits die geschwisterliche Verbundenheit beim Abschied („schließt den Kreis“), andererseits sind zwei unterschiedliche Textvarianten im Umlauf, die zugleich zwei verschiedene Deutungen nahelegen. In der ursprünglichen Fassung: „Das Leben ist ein Spiel, nur wer es recht zu spielen weiß, gelangt ans große Ziel“, erscheint das Leben als ein helles, vertrauensvolles „Spiel vor Gott“. Die andere Fassung wirkt ernster und strenger: „Das Leben ist kein Spiel, nur wer es recht zu leben weiß, gelangt ans große Ziel.“ Hier klingt – zwischen den Zeilen – eine mahnende, vielleicht sogar an das Jüngste Gericht erinnernde Perspektive an.
Die Melodie des schottischen Liedes „Auld Lang Syne“ ist schlicht, eingängig und stark volksliedhaft geprägt. Sie bewegt sich überwiegend in kleinen Tonschritten in einer Dur-Tonalität und vermeidet große Sprünge, was sie leicht singbar und gut memorierbar macht. Der Aufbau ist klar gegliedert und symmetrisch, meist in gleich langen Phrasen. Charakteristisch ist ein sanfter Spannungsbogen: Die Melodie beginnt ruhig im mittleren Tonbereich, steigt im Verlauf leicht an und erreicht im Mittelteil einen emotionalen Höhepunkt, bevor sie am Ende wieder abfällt und in einer ruhigen, abschließenden Wendung ausklingt. Dieser Verlauf unterstützt die inhaltliche Bewegung des Liedes zwischen Abschied, Erinnerung und Hoffnung. Viele beschreiben sie daher als zu Herzen gehend, emotional, wehmütig und sehnsuchtsvoll, zugleich aber auch als ergreifend.
Das Lied wird in Aufnahmen oft eher volksliedartig, manchmal zu „harmlos“ gesungen. Schließlich geht es um einschneidende Erfahrungen und starke Gefühle. Die „Toten Hosen“ haben als „Rote Rosen“ die Melodie von „Auld lang syne“, ursprünglich eine schottische Weise aus dem 17. Jahrhundert, genial eingespielt. Wer sich vom harten Beat nicht schrecken lässt, kann in ihrer Aufnahme eine anrührende, unkitschige Verbindung von Lebenswirklichkeit, Traurigkeit und entschlossener Zuversicht entdecken.
Entsprechend der englischsprachigen Tradition ist das Lied ggf. geeignet zum Totengedenken am Ewigkeitssonntag oder zum Jahresausklang am Silvesterabend, zum Abschluss von Veranstaltungen, zum Abschied von Mitarbeitenden – und, wenn gewünscht, auch zum Abschied bei Trauerfeiern.
In der Pfadfinderbewegung wird das Lied bis heute als Abschiedslied im großen Kreis gesungen (siehe Strophe 4). Dabei werden die Hände „rechts über links“ verschränkt und der Kreis geschlossen. Anschließend geht man mit einem zugewandten Blick nach rechts und links und einem kräftigen Händedruck auseinander. Dieser Brauch ist von vielen Gemeindegruppen als Abschluss von Veranstaltungen oder Freizeiten übernommen worden.
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