

Dieser altirische Segenswunsch verbindet hoffnungsvolle Worte von Schutz und Begleitung mit Bildern aus der Natur. Die ebenso einfache wie wirkungsvolle Melodie, geschaffen von einem Dresdner Komponisten, berührt viele Menschen. Nicht ohne Grund ist diese Verbindung von Wort und Musik zu einem echten „Kirchenhit“ geworden.
Altirischer Segenswunsch, deutsche Fassung mündlich überliefert

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Der sogenannte „altirische Reisesegen“ gehört zu einer Gruppe von Segenswünschen, die ihren Ursprung in der keltisch-irischen Frömmigkeit haben. Solche Segensformeln wurden seit dem frühen Mittelalter mündlich überliefert und sind eng mit der Spiritualität des irischen Christentums verbunden. Sie zeichnen sich durch eine starke Naturverbundenheit, eine Alltagsnähe des Glaubens sowie das Vertrauen auf Gottes begleitenden Schutz auf Lebens- und Reisewegen aus. Viele dieser Segenssprüche wurden erst im 19. und 20. Jahrhundert gesammelt und schriftlich fixiert; ihre Bezeichnung als „altirisch“ ist daher eher traditionsbildend als historisch exakt nachweisbar. Dennoch spiegeln sie eine authentische Form keltischer Frömmigkeit wider, in der Gott in den elementaren Erfahrungen von Natur und Leben gegenwärtig gedacht wird.
Nach Angaben von Günter Schwarze entstand die Vertonung 1987 während eines Aufenthalts in Anklam, wo ihm der Text des altirischen Segenswunsches begegnete und er ihn als Dank für seine Gastgeber vertonte. Das Lied wurde noch im selben Jahr erstmals veröffentlicht. Eine größere Öffentlichkeit erreichte es 1989 durch eine Aufführung auf dem Katholikentag, unter anderem durch die Prohliser Kantorei Dresden, und fand weitere Verbreitung durch das Liedheft Sing, geh und bet zum Evangelischen Kirchentag 1996 in Leipzig.
- Liedrecherche vom Timm Siering und Martina Hergt -
Der Text greift die Tradition des irischen Segenswunsches auf und entfaltet zentrale Themen wie Schutz, Begleitung und Vertrauen auf Gott. Die wiederkehrende Bitte um „Gottes schützende Hand“ erinnert dabei an Psalm 139,5–6 und verleiht dem Lied eine biblische Tiefendimension. Formal handelt es sich um ein Refrainlied: Zwei Segensabschnitte münden jeweils in einen wiederholten Schlussrefrain, der den Text bündelt und ihm eine einprägsame, meditative Struktur verleiht. Jede Strophen folgt einem regelmäßigen Schema: Auf einen Segenswunsch folgt eine Konkretisierung, bevor die wiederholte Schlussformel „und bis wir uns wieder sehn“ den Gedanken rahmt und schließlich in die zentrale Bitte mündet: „möge Gott seine schützende Hand über dir halten“. Diese Wiederholung verleiht dem Text eine meditative Tiefe und macht ihn zugleich leicht einprägsam. Die konsequente Verwendung der Wunschform („Mögen…“, „mögest du…“) unterstreicht den segnenden Charakter: Der Text tritt nicht fordernd auf, sondern spricht behutsam und zugewandt.
Der Text lebt von einer anschaulichen Bildsprache. Naturbilder wie Weg, Wind, Sonne und Regen stehen für grundlegende Erfahrungen menschlichen Lebens. Der „Weg“ wird zum Bild für den Lebensweg, der gelingen möge; der „Wind im Rücken“ steht für Unterstützung und Gelingen; Sonne und Regen verweisen auf lebensfördernde Kräfte, die Wachstum und Gedeihen ermöglichen. Diese Bilder zeigen eine Welt, in der Mensch und Schöpfung eng miteinander verbunden sind und in der Gottes Segen sich in den alltäglichen Gegebenheiten des Lebens ausdrückt.
Die Melodie ist klar und übersichtlich gestaltet. Die Strophen sind viertaktig angelegt, während der Refrain mit zehn Takten (aufgeteilt in zwei fünftaktige, wiederholte Abschnitte) deutlich mehr Raum einnimmt und damit das musikalische Zentrum bildet. Auffällig sind die häufigen Tonrepetitionen, die der Melodie eine ruhige, beinahe meditative Qualität verleihen und das gemeinsame Singen erleichtern.
Im klanglichen Gesamteindruck wirkt die Melodie fließend, stimmungsvoll und eingängig. Sie entfaltet keine großen Sprünge oder dramatischen Kontraste, sondern setzt auf eine gleichmäßige, gefällige Linienführung, die gut zur Segensbitte passt und eine Atmosphäre von Ruhe und Geborgenheit schafft. Im Zusammenspiel von Wort und Ton zeigt sich jedoch eine gewisse Eigenständigkeit der Musik: Besonders im Refrain entspricht die musikalische Betonung nicht immer der natürlichen Sprachbetonung. Auch folgen die Tonlängen eher einer musikalischen als einer sprachlichen Logik, sodass inhaltlich bedeutsame Wörter mitunter kürzer, weniger gewichtige hingegen länger gesungen werden.
Das Segenslied ist sehr vielseitig einsetzbar, da es grundlegende menschliche Erfahrungen von Aufbruch, Begleitung und Schutz anspricht. Besonders geeignet ist es für Übergangs- und Abschiedssituationen, etwa am Ende eines Gottesdienstes als Schlusssegen, bei Verabschiedungen (z. B. von Schülern, Mitarbeitenden oder Gemeindemitgliedern) oder bei Reisen und Neuanfängen. Auch in Kasualgottesdiensten findet es seinen Platz, etwa bei Taufen, Konfirmationen oder Trauungen, da es den Lebensweg unter Gottes Segen stellt. Darüber hinaus eignet sich das Lied für segensbetonte Anlässe wie ökumenische Feiern, Andachten, Pilger- oder Reisesendungen sowie interkulturelle Gottesdienste. Durch seine ruhige, tröstliche Ausstrahlung kann es auch in persönlichen oder seelsorglichen Kontexten (z. B. bei Krankheit oder in Krisensituationen) verwendet werden.
Kinder und Jugendliche der Singschar Ornbau, Leitung: Lena Friedl
Katharina Reibiger (Gesang und Klavier)
Wie in einem Bilderbuch führen die Bildkarten Schritt für Schritt durch das Lied. Beim gemeinsamen Singen können Eltern und Kinder so Strophe für Strophe entdecken und das Lied gleichsam „singend durchblättern“. Die Zeichnung ist bewusst schlicht und kindgerecht gehalten. Ihre offene Gestaltung lädt dazu ein, eigene Assoziationen einzubringen, die Motive weiterzudenken und die Bilder vielleicht sogar selbst kreativ zu ergänzen oder eigene Bilder zu gestalten.
Die Vorlagen lassen sich ausdrucken und bunt gestalten: So entstehen kleine Leporellos oder sogar Lied-Memorys. Wer mit den Bildern und den entsprechenden Liedstrophen spielen möchte, kann auf mitsingen.de Lieder erraten oder seine Textsicherheit bei einem Bildermemory testen.
Viel Spaß beim Blättern!






Quelle: Ein Projekt der Arbeitsstelle Kirchenmusik in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (EVLKS), Fachbeauftragte für Chor- und Singarbeit Martina Hergt www.kirchenmusik-sachsen.de
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