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Mein schönste Zier

Nr. 473 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 16 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob

Dieses Lied wird aufgrund seiner beruhigenden Ausstrahlung und seiner vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten gern gesungen. Es ist ein inniges Christuslied zwischen Abendgesang und Osterhoffnung. In schlichter Sprache entfaltet es eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus und verbindet biblische Bilder mit ruhiger, vertrauensvoller Frömmigkeit.

Text:

Johannes Eccard (*1553–†1611), (1598) 1644

Melodie:

Seth Calvisius (*1556–†1615), 1594

Leipzig 1573

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Wissenswertes zu "Mein schönste Zier"

Die Melodie ist älter als der Text. Zu den ursprünglichen Text- und Melodiequellen gibt es unterschiedliche Angaben. Die Ausgabe von 1644 in Königsberg gilt als eine der ersten gesicherten Veröffentlichungen, in der der heute gebräuchliche Text mit dieser Melodie zusammengeführt wurde. Seitdem erhielt das Lied einen festen Platz in den Gesangbüchern: Es war bereits im Deutschen Evangelischen Gesangbuch (1915), im Evangelischen Kirchengesangbuch (1953) und im Evangelischen Gesangbuch (1993) enthalten. Auch im katholischen Gotteslob (2013) ist es aufgenommen und entsprechend weit verbreitet.

Die ursprüngliche Überschrift des Liedes lautete „Auf Ostern“. In Strophe 4 wird Christus – wie in der Liturgie der Osternacht – als Licht der Welt besungen. „Bleib bei uns, denn es will Abend werden“ greift ein Wort aus der Emmausgeschichte (Lk 24,29) auf. Psalm 73,25 („Wenn ich nur dich habe …“) wird christologisch auf Christus gedeutet. In Strophe 2 klingt Röm 8,38–39 an: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben … uns scheiden kann von der Liebe Gottes.“ Strophe 3 nimmt Motive aus Ps 33,4 („Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss“) sowie aus dem Hohenlied 2,16 („Mein Freund ist mein, und ich bin sein“) auf. Die Schlussstrophe greift schließlich die Stichworte „schönste Zier“, „Herr Jesu Christ“ und „auf Erden“ aus Strophe 1 wieder auf und rundet damit die Dichtung formal und inhaltlich ab.

Die Melodie gliedert sich in sechs Abschnitte, die durch Viertelpausen voneinander abgesetzt sind. In der ersten Zeile spannt sie nahezu den gesamten Tonraum auf: Ein Aufwärtssprung eröffnet die Phrase, mehrere Töne lassen das Wort „Zier“ abwärts gleiten, bevor die Melodie von unten her zum Grundton zurückkehrt. Die zweite Zeile bewegt sich in zwei Wellen nach oben und hebt auf den höchsten Tönen die Worte „Jesu Christ“ besonders hervor.

 

Die folgenden drei Zeilen kommen jeweils mit vier Tönen aus und führen mit ihren ansteigenden Schlusstönen weiter nach oben. Die Schlusszeile schließlich kehrt in einer wellenartigen Bewegung zum Grundton zurück; das Wort „halten“ wird melismatisch gestaltet und erinnert so an die Anfangszeile. Insgesamt verbindet die positiv gestimmte Melodie in ihrem schwebenden Rhythmus Bewegung und Ruhe auf ausgewogene Weise.

Das Lied ist in den evangelischen Gesangbüchern meist der Rubrik „Abend“ zugeordnet, trägt jedoch ein breites thematisches Spektrum in sich. Es kann – entsprechend seiner ursprünglichen Ausrichtung – auch als Osterlied im Zusammenhang mit der Emmausgeschichte verwendet werden. Im Gotteslob wird es als Christuslied verstanden und bringt eine innige Christusfrömmigkeit zum Ausdruck. Nach Karl Christian Thust klingt darin das paulinische „Sein in Christus“ an (vgl. Röm 12,5; 2 Kor 5,17: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur“).

 

Mit seiner zweiten Strophe gewinnt das Lied zudem den Charakter eines Bekenntnisliedes. In beiden Mittelstrophen wird das Thema Tod angesprochen, weshalb es sich auch für Sterbebegleitung und Trauerfeiern eignet. Dabei vertröstet es nicht allein auf die Ewigkeit, sondern bleibt bewusst irdisch ausgerichtet – „bei uns allhier auf Erden“.

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