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Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all

Nr. 293 • Evangelisches Gesangbuch

Ein lebhaftes und frisches Lied zum kürzesten Psalm der Bibel, Psalm 117. Der schlesische Kantor Joachim Sartorius hat diesen universalen Jubel bereits vor über 400 Jahren in dichterische Form gefasst.

Text:

Joachim Sartorius (*um 1548–†um 1600), 1591

Melodie:

Melchior Vulpius (*1570–†1615), 1609

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Wissenswertes zu "Lobt Gott den Herrn, ihr Heiden all"

Das Lied ist eine Nachdichtung von Psalm 117 im 1591 in Breslau erschienenen deutschen Reimpsalter von Joachim Sartorius. Eine eigene Melodie erhielt der Text erstmals in „Ein schön geistlich Gesang Buch“ (1609) von Melchior Vulpius. Kurt Thomas konnte 1941 Joachim Sartorius als Autor des bis dahin anonym überlieferten Textes identifizieren. 1950 wurde das Lied in das Evangelische Kirchengesangbuch (EKG) aufgenommen und hat sich seither als kurzer, doxologischer Lobgesang im evangelischen Gemeinderepertoire erhalten.

Die beiden Liedstrophen geben die beiden Verse von Psalm 117 vollständig wieder und setzen zugleich eigene Akzente. Der Aufruf an die „Heiden = Völker“, den Gott Israels zu loben, wird aus der Perspektive der christlichen (lutherischen) Kirche aufgenommen und bekräftigt: „dass er euch auch erwählet hat und mitgeteilet seine Gnad in Christus, seinem Sohne“ (Strophe 1). Hier zeigt sich ein bemerkenswertes Beispiel einer christlichen Israeltheologie, die die bleibende Erwählung Israels nicht bestreitet, sondern ausdrücklich bezeugt. Auch die Begründung des Gotteslobs (Strophe 2) wird christlich, genauer: reformationstheologisch, gedeutet: „schenkt uns aus Gnad die Seligkeit“.

Die Melodie zur sogenannten Lutherstrophe (sieben Zeilen im Reimschema AB AB CC D) orientiert sich eng an der Textform. Nach einem fanfarenartigen Auftakt aus drei Vierteln durchmisst die erste Melodiezeile eine ganze Oktave in einer durch eine punktierte Figur gegliederten Abwärtsbewegung. Sie wirkt dadurch lebendig und freudig. Mit anderer Textunterlegung wird sie wiederholt und prägt zugleich auch die Schlusszeile, der sie damit ihre rhythmische Struktur vorgibt. Im Mittelteil schreitet die Melodie im Wechsel von Vierteln und Halben ruhiger voran. „Dem gesamten Verlauf liegt jedoch ein tanzender, schwingender Puls in punktierten Halben zugrunde. Das Tempo sollte daher eher flott gewählt werden.

Das Lied ist das Wochenlied des 3. Sonntags nach Epiphanias zum Wochenspruch „Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden …“ (Lukas 13,29). Darüber hinaus eignet es sich für alle Gottesdienste, in denen das Verhältnis von Kirche und Israel thematisiert wird, insbesondere am 10. Sonntag nach Trinitatis. Zugleich ist es ein beliebtes Eingangslied, mit dem sich die Gemeinde singend zum Gottesdienst versammelt.

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