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Lobe den Herrn, meine Seele

Nr. 87 • EGplus
Nr. 126 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • freiTöne /
  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Himmel, Erde, Luft und Meer /
  • Kommt atmet auf /
  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate /
  • Singt von Hoffnung /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Wenn ein Psalm zu tanzen beginnt – Mit seinem kanonisch gestalteten Refrain und der beschwingten Melodie erschließt das Lied Psalm 103 in zeitgemäßer Sprache und großer praktischer Singbarkeit. So hat es sich weit über seinen Entstehungskontext hinaus als beliebtes Gemeindelied etabliert.

Text:

nach Psalm 103

Melodie:

Norbert Kissel (*1950), 1987

Satz:

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Wissenswertes zu "Lobe den Herrn, meine Seele"

1987 entstand zunächst der zweistimmige Kanon, der später zum Refrain des Liedes wurde, für eine Chorprobe des Wiesecker Kirchenchores. Häufig im Gottesdienst gesungen, verbreitete er sich rasch – „via geduldeter Raubkopie“ – weit über Gießen hinaus in ganz Deutschland. Einige Zeit später fügte Kissel die vier Strophen hinzu. Das Lied fand schließlich weite Verbreitung auch über Deutschland hinaus und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.

 

 

- Liedrecherche von Cordula Scobel und Martina Hergt - 

Dem Liedtext liegt Psalm 103 zugrunde. Kissel entfaltet dessen zentrale Theologie des Gotteslobs, indem er die dankbare Erinnerung an Gottes heilvolles Handeln – Schöpfung, Vergebung, Heilung und Erlösung – in den Mittelpunkt stellt. Die Verse 1 und 2 des Psalms bilden in zeitgemäßer Umdichtung den Refrain und fungieren als wiederkehrender Aufruf zur Selbstvergewisserung im Lob Gottes. Auch die ersten beiden Strophen rekurrieren eng auf Psalm 103 (V. 3–5) und konkretisieren Gottes rettendes und erneuerndes Handeln am Menschen.

 

Die vierte Strophe der Textvorlage wurde im Erprobungsband zum neuen Evangelischen Gesangbuch nicht aufgenommen, vermutlich weil das Lied dort schwerpunktmäßig in der Psalmrubrik eingeordnet ist und sich Nobert Kissel in Strophe 4 (und möglicherweise auch in Strophe 3) zunehmend von der direkten Psalmparaphrase entfernt.

 

Strophe 3: Der mich vom Tode errettet hat, der mich behütte bei Tag und Nacht, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen …

Strophe 4: Der Erd und Himmel zusammenhält, unter sein göttliches Ja-Wort stellt, den will ich preisen mit Psalmen und Weisen …

 

Hier entfaltet Nobert Kissel eine weiterführende Deutungsperspektive: Die Erfahrung der Rettung wird christologisch vertieft und auf die eschatologische Hoffnung hin geöffnet. So spannt das Lied einen Bogen von der individuellen Heilszuwendung Gottes bis zu seinem umfassenden Ja zur Schöpfung. Alle Strophen münden in eine bekenntnishafte Schlusszeile, die den Lobpreis verdichtet und zum Refrain zurückführt.

 

Die Entstehung des Textes wurde durch Unterrichtsgespräche mit Schülerinnen und Schülern begleitet, was sich in der sprachlichen Zugänglichkeit und existenziellen Ansprache des Liedes widerspiegelt.

Formal besteht dieses Strophenlied aus dreimal acht Takten, wobei die beiden achttaktigen Teile des Refrains als Kanon gesungen werden können. Das fröhliche F-Dur des Lob-Refrains steht im Kontrast zum a-Moll der Strophen, die von den Nöten der Welt erzählen. Der 6/8-Takt – charakteristisch auch für andere Lieder aus der Feder Norbert Kissels – sowie die syllabische Textverteilung machen das Lied zu einem beschwingten, vielseitig einsetzbaren Gesang mit Ohrwurmqualitäten. Der Refrain lebt vom taktweisen Wechsel von Achtelnoten und punktierten Vierteln; beide Kanonteile sind rhythmisch komplementär angelegt. In den Strophen wird diese rhythmische Struktur teilweise aufgebrochen: Die durchlaufenden Achtel am Ende der Strophe führen mit großer Energie auf den Refrain hin – unterstützt durch eine kluge Harmonisierung, die zurück zum F-Dur des Refrains leitet.

 

Wegen des vielseitigen praktischen Gebrauchs dieser einfachen und fröhlichen Melodie sowie der zahlreichen Ausführungsvarianten (einstimmig, mehrstimmig, im Kanon, als Kehrvers mit Zwischenrufen usw.) wird das Lied häufig ausgewählt und erklingt in Gottesdiensten sowie bei weiteren Singanlässen.

Das Lied ist neben „Danket dem Herrn“ das zweite Wochenlied für den 14. Sonntag nach Trinitatis. Der Refrain kann als Kanon für sich stehen und vielfältige Verwendung als Gebetsruf oder Leitvers zu Psalm 103 finden. Es gibt verschiedene mehrstimmige Fassungen, die eine variable und festliche Gestaltung vor allem des Kehrverses ermöglichen.

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