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Lobe den Herren, o meine Seele

Nr. 303 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 143 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Dieses Psalmlied aus dem pietistischen Spätbarock ist ganz dem fröhlichen Lob Gottes verschrieben. Im tänzerischen Dreiertakt ist es reine Freude. Da der Psalm 146 in verschiedenen Lesungstexten des Kirchenjahres verankert ist, kann dieses beschwingte Psalmlied vielfach erklingen.

Text:

Johann Daniel Herrnschmidt (*1675–†1723), 1714

Melodie:

Ansbach 1664/65, Halle 1714

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Wissenswertes zu "Lobe den Herren, o meine Seele"

Die Melodie ist erstmals 1664/65 in Onolzbach (Ansbach) überliefert. Dort war sie mit einem Text zu Psalm 150 verbunden: „Lobet den Herren aller Herren“. 1714 und 1784 wurde die Melodie überarbeitet und mit dem heutigen Text zu Psalm 146 versehen.

 

Die Erstveröffentlichung findet sich im zweiten Teil des Neuen Geist-reichen Gesangbuchs von 1714. Johann Anastasius Freylinghausens Liedersammlung machte Halle im 18. Jahrhundert zu einem Zentrum des Gesangbuchdrucks. Ursprünglich in zwei Teilen konzipiert (das Geist-reiche Gesangbuch von 1704 und das Neue Geist-reiche Gesangbuch von 1714), erschien es erstmals 1741 in einer von August Hermann Franckes Sohn Gotthilf August Francke herausgegebenen Gesamtausgabe, die über 1500 Liedtexte und etwa 600 Melodien enthält. Das Freylinghausensche Gesangbuch fand Verbreitung weit über Europa hinaus bis in die fernöstlichen pietistischen Missionsgebiete; die Lieder wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

 

Das Lied „Lobe den Herren, o meine Seele“ wurde im 20. und 21. Jahrhundert in mindestens 34 (teilweise auch in vielen weiteren) Lieder- und Gesangbüchern abgedruckt, unter anderem im Evangelischen Kirchengesangbuch (1953) und im Evangelischen Gesangbuch (1993).

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger - 

Der Liedtext folgt in seinen acht Strophen den zehn Versen des 146. Psalms. Die textreichen Strophen bestehen jeweils aus sieben Zeilen mit dem Silbenmaß 10–8–10–8–8–8–8. Durch den Reimaufbau abab ccd entsteht ein gut nachvollziehbares Merkgerüst. Wer den Text nicht präsent hat, kann bei jeder Strophe in das wiederkehrende doppelte Halleluja einstimmen. Dieses greift das Halleluja am Anfang und am Ende des Psalms auf.

 

Die dritte Strophe weist über den Psalm hinaus auf die Seligpreisungen im Neuen Testament (Matthäus 5,3–11) und steht damit in der Tradition, alttestamentliche Texte christologisch zu deuten. Die achte Strophe schließt das Lied mit dem trinitarischen Gloria Patri. Sie erinnert zugleich an Psalm 150 („Alles, was Odem hat, lobe den Herrn“). Mit dem Begriff „Gottes Kinder“ greift sie neutestamentliche Bezüge auf, etwa Matthäus 5,9, Johannes 1,12 und Römer 8,14.

Die Melodie ist ganz dem fröhlichen Lob verschrieben. Im tänzerischen Dreiertakt ist sie reine Freude. Punktierte Notenbindungen geben zusätzlichen Schwung. Sie verbleibt im G-Dur-Raum und überschreitet nicht einmal den Umfang einer Oktave (d′–c″). Die erste Melodiezeile präsentiert bereits den gesamten Tonumfang; lediglich das e′ wird ausgespart.

 

Nach dem Ab- und Aufsprung zu Beginn führt die Melodie stufenweise nach oben. Die Zieltöne geben der zehnsilbigen Phrase kurze Ruhepunkte. Der erste Abschnitt führt von g nach a, der zweite von a nach g. Mit neuem Text wird dieses Doppelmotiv wiederholt. Anschließend bewegt sich die Melodie von a abwärts unter Einbezug des e zum d. Vom Tiefpunkt d geht es wieder aufwärts zum h. Schließlich schwingt sie unter Verwendung der punktierten Figur aus der ersten und vorletzten Zeile (a–h–c) vom h zum Grundton g aus.

Wir wissen natürlich nicht, wie schnell die Melodie ursprünglich gesungen wurde. Sie sollte jedoch so gewählt werden, dass der Atem für die erste Langphrase ausreicht. Ein Verschleppen der punktierten und der halben Noten ist zu vermeiden. Eine schwingende, nicht schunkelnde Bewegung kann dabei hilfreich sein.

 

Der Psalm 146 ist dem 14. Sonntag nach Trinitatis, dem Martinstag (11. November) und dem Tag des Apostels Andreas (30. November) zugeordnet. Eine vielseitige liturgische Verwendbarkeit ergibt sich durch die Nähe zu den Seligpreisungen (Strophe 3), zur Schöpfung (Strophe 4) sowie zu den Themen Frieden und Gerechtigkeit (Strophen 5 und 6). Die achte Strophe eignet sich als eigenständige Amen- bzw. Schluss-Strophe.

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