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Lob Gott getrost mit Singen

Nr. 243 • Evangelisches Gesangbuch

Das Lied ist ein Lied der singenden Kirche. Es ist ein Mutmachlied in schwierigen, widerwärtigen Zeiten – und wann gibt es diese nicht? Auf die Melodie eines Volksliedes gesetzt, erfährt die geistliche Textfassung der Böhmischen Brüder eine große Verbreitung. Bis heute wird die sehr beliebte Melodie gern auch für neue Textdichtungen verwendet und so über Jahrhunderte gesungen und weiter tradiert.

Text:

Melodie:

16. Jh. »Entlaubet ist uns der Walde«; geistlich Nürnberg um 1535; Böhmische Brüder 1544; bei Otto Riethmüller 1932

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Wissenswertes zu "Lob Gott getrost mit Singen"

Die Melodie ist ursprünglich mit dem weltlichen Lied des 16. Jahrhunderts „Entlaubet ist uns der Walde“ verbunden. Das Lied ist erstmals 1544 durch ein in Nürnberg gedrucktes, deutschsprachiges Liederbuch der Böhmischen Brüder überliefert. Die heute übliche Fassung entstammt dem Liederbuch „Ein neues Lied“, das 1932 von Otto Riethmüller herausgegeben wurde. Bereits 1934 findet sich das Lied im Gesangbuch der Sächsischen Landeskirche. Es war ein Lieblingslied der Bekennenden Kirche und wurde in der Folge in die meisten evangelischen Gesangbücher aufgenommen.

 

 

Auch wenn es seit der Perikopenrevision 2018 nicht mehr den Status eines Wochenliedes zum Sonntag Kantate besitzt, gehört es weiterhin zu den häufig gesungenen Liedern. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Melodie auch andere Texte – etwa „Vertraut den neuen Wegen“ – erfolgreich trägt.

 

- Liedrecherche Markus Leidenberger -

Zum Singen und Loben fordert die Bibel vielfach auf, insbesondere in den Psalmen. Psalm 13 mündet nach Stichworten wie Widersacher und Feind in das Vertrauen auf Gott, dass er hilft. Darauf folgt das Bekenntnis: „Ich will dem Herrn singen …“. Auch Psalm 149, der mit „Singet“ beginnt, beschreibt Gott als den, der den Elenden hilft (Ps 149,4). Diese Aussagen bilden die Grundlage für die rahmenden Strophen des Liedes. Die dritte Strophe schöpft aus Jesaja 49,14–16 („Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen …“). Die vierte Strophe ist christologisch geprägt, da sie die Erlösung von Sünden thematisiert. Die fünfte Strophe nennt mit Wort und Sakrament zentrale Elemente, die die Gemeinde aufbauen. Die sechste Strophe fordert erneut zum fröhlichen (früher: „billigen“) Loben auf, betont in reformatorischer Weise die „große Gnad“ und schließt mit einem Ausblick auf die Ewigkeit.

 

 

Sprachlich ist der Text typisch für die frühe reformatorische Liedtradition: Er verwendet eine einfache, verständliche Volkssprache, kombiniert mit biblischen Bildern und Anspielungen. Dadurch wird er sowohl theologisch gehaltvoll als auch für die Gemeinde gut singbar und nachvollziehbar.

Bei der Melodie handelt es sich um eine Kontrafaktur des weltlichen Liedes „Entlaubet ist uns der Walde“. In der Reformationszeit war dieses Verfahren durchaus typisch: Bekannte, auch weltliche Melodien wurden mit geistlichen Texten unterlegt und waren dadurch leicht singbar und fanden schnell Verbreitung.

 

 

Die Strophen sind mit acht Zeilen im Schema 7–6–7–6 recht umfangreich. Die Melodie fasst den Text in vier Bögen zusammen, wobei die ersten beiden Bögen identisch sind. Bogen eins und zwei führen jeweils vom Grundton f′ zum c′ hinab. Der dritte Bogen beginnt nach einem Oktavsprung auf c″ und zielt zweimal auf g′. Der vierte Bogen durchmisst den Oktavraum von c′ bis c″ in Tonleiterschritten, um schließlich mit einem ausführlichen Melisma zum Grundton f′ zurückzuführen.

 

 

Die Melodie ist auftaktig angelegt. Der erste und der dritte Takt sind durch einen punktierten Rhythmus geprägt. Während die weitere Melodieführung auf punktierte Rhythmen verzichtet und schlicht mit Viertel- und Halbenwerten auskommt, greift das ausladende Melisma den punktierten Rhythmus wieder auf und unterstreicht damit die zuversichtliche Grundhaltung des Liedes.

Das Lied ist ein Lied der singenden Kirche. Nicht umsonst war es Wochenlied zum Sonntag Kantate. Es ist ein Mutmachlied in schwierigen, widerwärtigen Zeiten – und wann gibt es diese nicht? Es passt zur alttestamentlichen Lesung am 1. Sonntag nach dem Christfest (Strophe 3, Jesaja 49). Mit seiner reformatorischen Entstehungszeit und seinem reformatorischen Inhalt eignet es sich auch für das Reformationsfest. Mit seinem Hinweis auf Wort und Sakrament ist es zudem für einen Abendmahlsgottesdienst geeignet. Die Erneuerung der Kirche (Strophe 5) ist ein Thema, das stets aktuell bleibt. Die sechste Strophe lässt sich gut als Schlussstrophe eines Gottesdienstes singen.

 

So ist und bleibt es ein vielseitig verwendbares Lied, das mit seiner nicht modulierenden F-Dur-Melodie gerne gesungen wird.