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Kostbar war der Moment

Nr. 12 • EGplus

  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder /
  • Singt Jubilate

Was ist kostbarer als ein Moment, in dem etwas Wunderbares geschieht? Dieses Lied erzählt die biblische Geschichte einer Frau, die Jesus mit einem kostbaren Geschenk begegnet – nicht aus Pflicht, sondern aus tiefstem Herzen. Ein leises, verhaltenes Erzähllied einer biblischen Geschichte, das zum genauen Hinsehen und Innehalten einlädt.

Text:

Ilona Schmitz-Jeromin (*1957), 2010

Melodie:

Hans-Stephan Simon (*1965), 2010

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Wissenswertes zu "Kostbar war der Moment"

Auf Initiative von Bischof Dr. Martin Hein schrieb die Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck 2010 einen Wettbewerb für „Neue Passionslieder“ aus und kooperierte dabei mit der Stiftung zur Förderung des Gottesdienstes (Karl-Bernhard-Ritter-Stiftung). Zuerst wurden Texte gesucht. Aus den fast 300 zugesandten Texten wurden sieben ausgewählt. Zu diesen wurden dann Melodien gesucht und 180 Komponist:innen reichten insgesamt 596 Melodien ein. Zur 40-Jahr-Feier der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte Schlüchtern wurden die preisgekrönten Lieder am 24.10.2010 in einem Gottesdienst präsentiert. Dem Lied „Kostbar war der Moment wurde ein 3. Preis verliehen.

 

- Liedrecherche von Christian Finke -

Grundlage ist die Geschichte von der „Salbung in Bethanien“ aus Markus 14, 3–9. Im Mittelpunkt des Liedtextes steht das Handeln der Frau. Jesus, der sie vor den verärgerten Jüngern bewahrt und schützt, wird erst in der vierten und letzten Strophe genannt. Daraufhin stellt sich Gottes Gegenwart ein. Die Liedform gehört zur Gattung der „Biblischen Erzähllieder“. Das sechszeilige Strophenlied hat ein gleichbleibendes Silbenmaß und Reimschema. Häufig wechseln die Versfüße oder Betonungsschwerpunkte – zum Beispiel Trochäen und Jamben innerhalb einer Zeile – und verleihen dem Text dadurch eine gewisse „Sprech-Natürlichkeit“ im Erzählstil.

Die ebenfalls sechszeilige Melodie beruht auf dem Formschema (abcdae), bei dem die erste und die fünfte Zeile identisch sind. Der Rhythmus der Melodietöne ist eng an den Sprachrhythmus des Textes angelehnt. Die Melodiebögen entsprechen einem ruhigen Singen und Atmen und führen zu einem Höhepunkt in der sechsten Zeile, in der vier Viertelnoten die Textaussage betonen und unterstreichen. Der Melodieumfang umfasst eine Septime; die einzelnen Zeilen weisen geringere Umfänge auf. Die Moll-Melodie ist gemeindegeeignet und gut zu erlernen.

 

Monika Lehmann-Etzelmüller schreibt dazu in einem Liedpredigtentwurf: „Eine leichte Melodie mit ruhigem Gang und ohne große Sprünge. Sie geht zielstrebig voran, gerade so, wie es ihre Schritte wohl auch tun, als die Frau das Haus betritt.“ (Aus: Werkheft zum Gesangbuchanhang, hrsg. von der Ev. Kirche in Baden, Arbeitsstelle Kirchenmusik)

Für das Lied ist kein spezieller liturgischer Ort festgelegt oder erforderlich. Der Inhalt legt ein Singen in der Passionszeit nahe. Ebenso passt es zu Themen wie Diakonie, Lob und Dank, Erinnerung und Gottes Gegenwart.