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Komm, Herr, segne uns

Nr. 170 • Evangelisches Gesangbuch

  • Gotteslob /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Das beliebte Segenslied von Dieter Trautwein ist in vielen Gottesdiensten ein fester Bestandteil. Seine leicht mitsingbare Melodie entstand 1978 für einen Reformationsgottesdienst. Erst danach schrieb Trautwein auf Anregung seiner Frau den Text dazu. Die Melodie vermittelt eine frohe, hoffnungsvolle Grundstimmung. Mit seiner Bitte um Segen, Zusammenhalt und Frieden begleitet das Lied die Menschen aus dem Gottesdienst in den Alltag. Eine Besonderheit ist, dass die erste und die letzte Strophe identisch sind.

Text:

Dieter Trautwein (1928 – 2002), 1978/79

Melodie:

Dieter Trautwein (1928 – 2002), 1978/79

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Wissenswertes zu „Komm, Herr, segne uns“

Die Melodie entstand zuerst. „Für einen Reformationsgottesdienst (1978), der im Rundfunk übertragen wurde, brauchte ich ein Schlusslied, das auch noch Klänge aus dem Predigttext Offenbarung 7, 9–17 aufnahm. Ich fand es im Gotteslob: ‚Komm, Herr Jesu, komm‘ … Die Melodie hätte besonders gelernt werden müssen. Das gab mir den Mut, eine leicht mitsingbare Melodie anzubieten, die ich selber schrieb. Sie wurde so gut und schnell mitgesungen, dass mich meine Frau aufforderte, für diese Melodie den Text eines gut wiederholbaren Schlussgesangs zu formulieren. … Dann entstand also der Text.“¹

 

Beim Kirchentag 1979 in Nürnberg wurde das Lied als Schlusslied gesungen und auf Liedblättern vervielfältigt. Es findet sich auch in der Sammlung Frankfurter Lieder von Dieter Trautwein, Gelnhausen u. a., ²1979. Beim Kirchentag 1981 in Hamburg wurde es erneut von Zigtausenden gesungen. Eine besondere rezeptionsgeschichtliche Bedeutung erhielt das Lied einige Jahre später, als es 1989, kurz vor dem Zusammenbruch der DDR, z. B. bei den Leipziger Friedensgebeten gesungen wurde.

 

¹ Das neue Lied im Evangelischen Gesangbuch, hg. von Dietrich Meyer, Düsseldorf, ²1997, S. 301.

Der biblische Ausgangspunkt für den Schlusssegen im Gottesdienst ist der „Aaronitische Segen“ (4. Mose 6, 24–26). Auch Trautweins Verse für das Lied am Ende des Gottesdienstes bauen darauf auf. Trautwein will mit ihnen den Übergang in den Alltag gestalten. Strophe 1 bittet um den Segen für das Zusammenbleiben der Menschen und ihr Bekenntnis zu Gott über den Gottesdienst hinaus. Strophe 2 fordert zur Weitergabe des reichlich geschenkten Segens auf, die im Teilen, Heilen, Lieben und Verzeihen konkret wird. Strophe 3 nennt das Ziel, den gegebenen und verheißenen Frieden durch unser Bemühen (und mit unseren Tränen, vgl. Ps. 126,5) immer wieder Wirklichkeit werden zu lassen. Die 4. Strophe, die die erste wiederholt, schafft eine formale Abrundung.

Die Melodie verfasste Trautwein als alternative Melodie für den Text „Komm, Herr Jesu, komm, führ die Welt zu Ende“ von Maria Luise Thurmair 1951/1973 (Gotteslob 780). Die vier Melodiezeilen, mit je 11 Tönen syllabisch den vier Textzeilen mit je 11 Silben folgend, entsprechen sich rhythmisch untereinander sehr klar: Alle Zeilen beginnen mit einer langen Note (entweder Halbe oder punktierte Viertel), alle betonen die Mittelzäsur (ebenso mit langer Note, entweder eine Halbe oder eine Ganze), alle dritten Takte einer jeden Zeile bestehen aus vier Vierteln, denen nochmal eine oder zwei lange Noten folgen. Es mag die Assoziation an Wanderlieder aufkommen (vgl. „Auf, du junger Wandersmann“) oder an Marschlieder, jedenfalls ist mit der funktionsgerechten Melodie ohne schwierige Wendungen der Gattungsbereich des Volksliedes berührt. Die Melodie wirkt hoffnungsvoll und vermittelt eine freudige Grundstimmung.

Das Lied ist als Segenslied entstanden, hat seine Kraft aber in Situationen entfaltet, in denen es in Bedrängnis und Not gesungen wurde. Themen wie Zusammenhalt und Hoffnung (siehe Entstehung und Verbreitung) sind daher ebenfalls Aspekte, zu denen das Lied passt. Da die schon früh angemerkte „Vagheit“ und „Fragmentarisierung“ des Textes (das Singen lässt die einzelnen Begriffe stärker hervortreten) das Lied prägen, kann es auch bei vielen anderen Gelegenheiten (biografische Schwellen, Gruppenprozesse, intergenerationales Singen) verwendet werden.

Liedrecherche: Christian Finke

Aufnahmen von „Komm, Herr, segne uns“

Komm, Herr, segne uns
mit Gesang und Klavierbegleitung

Ensemble: Lieder, die die Welt braucht

Strophen 1-4 aus dem aktuellen Evangelischen Gesangbuch

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