Lied entdecken

Kind, du bist uns anvertraut

Nr. 576 • EG-Regionalteil Bayern-Thüringen
Nr. 159 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Durch Hohes und Tiefes /
  • Himmel, Erde, Luft und Meer /
  • EG-Regionalteil Nordelbien /
  • Singt Jubilate /
  • EG-Regionalteil Kurhessen-Waldeck /
  • EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe /
  • EG-Regionalteil Bayern-Thüringen /
  • EG-Regionalteil Württemberg /
  • EG-Regionalteil Hessen-Nassau

In diesem Tauflied sprechen Eltern ihr Kind ganz persönlich an. Sie bringen ihre Wünsche, Hoffnungen und ihren Glauben zum Ausdruck und begleiten es damit auf seinem Lebensweg. Das Lied findet einfache, mutmachende Worte und verbindet sich mit vertrauten Klängen, die leicht nachzuvollziehen sind. Es lädt dazu ein, neu über Verantwortung, Vertrauen und Gottes Begleitung nachzudenken.

Text:

Friedrich Karl Barth (*1938), 1973
Peter Horst (*1927–†2008), 1973

Melodie:

Johann Rudolf Ahle (*1651–†1673), 1664

bei Wolfgang Briegel (1626-1712) 1687

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Kind, du bist uns anvertraut"

Die erste Fassung des Liedes entstand durch Peter Horst im Rahmen eines Pastoralkollegs in Hofgeismar im Zusammenhang mit der Arbeit an einer neuen Taufagende der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Nachdem der entsprechende Agendenentwurf vom Rat der Landeskirche nicht angenommen worden war, erschien 1973 eine separate Veröffentlichung unter dem Titel „Gottesdienst menschlich“. In dieser Ausgabe wurde das Tauflied in einer gemeinsam mit Friedrich Karl Barth überarbeiteten Fassung veröffentlicht. Wie der Agendenentwurf insgesamt stieß auch das Lied auf kritische Rückmeldungen, insbesondere aus der Perspektive traditionell geprägter Theologie und Hymnologie. Dabei wurden unter anderem eine zu schmale biblische Fundierung sowie das Fehlen einer ausgeprägten Tauftheologie angemerkt. Trotz dieser Einwände fand das Lied seinen Platz in zahlreichen Regionalteilen des Evangelischen Gesangbuchs (u. a. Baden, Bayern, Hessen und Nassau, Rheinland, Württemberg). Auch im Reformierten Gesangbuch der Schweiz sowie im Evangelisch-Methodistischen Gesangbuch wurde es aufgenommen und hat sich so in verschiedenen kirchlichen Kontexten verbreitet.

Die drei Strophen greifen unterschiedliche Themenbereiche und Wertesysteme auf. Die erste Strophe beschreibt ein zeitgemäßes Verhältnis von Eltern und Kind, das die eigenständige Entwicklung des Kindes in den Mittelpunkt stellt; die Eltern verstehen sich dabei als Begleitende. Die zweite Strophe verlässt die Offenheit der am Ende der ersten Strophe formulierten Fragen und setzt klare Akzente im Sinne von Friedensverantwortung und einer gerechten Gesellschaft. Die dritte Strophe verbindet beide Perspektiven – die partnerschaftliche Elternrolle und das Ziel einer friedlichen, gerechten Welt – und führt erst am Ende ausdrücklich zur christlichen Taufe hin. 

 

Klassische Elemente der Tauftheologie werden dabei nicht direkt benannt; vielmehr erhält das Vorangehende durch die Nennung des Namens Jesu eine christliche Deutung. Bereits die erste Zeile kann so als passivum theologicum verstanden werden: Gott vertraut uns das Kind an.

 

Die Strophenform ist mit sechs Zeilen ziemlich kurz, was für den Gebrauch in möglicherweise nicht besonders singgewohnten Gemeinden günstig ist.

Zur Kürze der Strophe passt, dass die Melodie zwar den für Kirchenlieder üblichen Tonumfang von etwa einer Oktave (8 Tönen) nutzt, die einzelnen Zeilen aber jeweils deutlich enger geführt sind. Stilistisch gehört diese Melodiegestalt zur barocken Arie. Trotz späterer Vereinfachungen gegenüber dem Original von Ahle sind typische Merkmale wie Durchgangsnoten und punktierte Rhythmen noch gut erkennbar. Der Beginn auf dem Terzton – statt wie oft auf Grund- oder Quintton – verleiht der Melodie einen weichen, fast lieblichen Charakter, der durch die barocken Gestaltungsmittel noch verstärkt wird. Da die Melodie im Kirchenliedrepertoire gut bekannt ist, ordnet sie das Lied sofort in diesen Zusammenhang ein. Weil sie auch mit einem Tauflied von Benjamin Schmolck („Liebster Jesu, wir sind hier“) verbunden ist, ruft sie zudem Assoziationen an die Taufe hervor – obwohl dieses Thema im vorliegenden Text erst am Ende ausdrücklich benannt wird.

Die Einordnung in den Taufgottesdienst ist eindeutig gegeben. Zu beachten ist jedoch, dass die Eltern als sprechende Personen gedacht sind. Dies erfordert eine stimmige Platzierung im liturgischen Ablauf – idealerweise gegen Ende oder sogar unmittelbar vor der eigentlichen Taufhandlung.