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Ja, ich will euch tragen

Nr. 380 • Evangelisches Gesangbuch

Jochen Klepper griff 1938 Worte des Propheten Jesaja auf und schuf daraus ein Lied des Vertrauens – trotz der schwierigen Zeit, in der er lebte. Das biblische Versprechen ergänzte er um ein klares „Ja“ am Beginn, das in der Jesaja-Stelle selbst nicht vorkommt. Es ist als Ausdruck seines Vertrauens in Gottes Wort zu verstehen, gerade in einer Zeit der Unsicherheit.

Text:

Jochen Klepper (*1903–†1942), 1938

Melodie:

Samuel Rothenberg (*1910–†1997), 1939

Satz:

Samuel Rothenberg (*1910–†1997), 1939

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Wissenswertes zu "Ja, ich will euch tragen"

Jochen Klepper dichtete die Verse am 19. Juni 1938 (Tagebucheintrag) im Anschluss an einen sonntäglichen Gottesdienst, in dem über Jesaja 46,4 gepredigt und Kleppers „liebes“ Lied „Sollt ich meinem Gott nicht singen“ gesungen worden war. Noch im selben Jahr erschien der Text im Gedichtband „Kyrie“ (Berlin 1938) – ohne Melodie, jedoch durchaus zum Singen gedacht. Die von Samuel Rothenberg zeitnah komponierte Melodie wurde erstmals in seiner privat herausgegebenen Liedersammlung „Krippe und Kreuz“ (Berlin 1939), veröffentlicht, mit einem dreistimmigen Satz für Frauenchor von Martin Krüger. Auf dieser Grundlage schuf Rothenberg später den vierstimmigen Satz, der im Evangelischen Gesangbuch überliefert ist.

 

- Liedrecherche von Christian Finke -

Kleppers Text fußt auf den beiden Bibelstellen Jesaja 46,4 ff. (Strophen 1–4.7) und 5. Mose 32,7 (Strophen 5–6). Zusätzlich kann das Lied „Sollt ich meinem Gott nicht singen“ von Paul Gerhardt (Text) und Johann Schop (Melodie) als theologische Vorlage angesehen werden. Die sieben Strophen zu je vier Zeilen (mit jeweils 6.5.6.5 Silben) sind – durch den Beginn mit dem Wort „Ja“ – im trochäischen Versfuß (Betonungswechsel schwer–leicht) gestaltet. Im Kern geht es Klepper um das Reden Gottes zu uns; indem wir die Zeilen singen, singen wir Gottes Worte. Es geht zugleich um die Erfahrung des Wunderbaren und um das Vertrauen, sich tragen zu lassen. Zum Text wurden ab 1938 mehrere Melodien komponiert, u. a. von Johannes Petzold, Fritz Werner und Rudolf Zöbeley.

Wie der Text, so ist auch die Melodie eine kostbare Miniatur. Acht Takte sind es nur, verteilt auf zwei ruhig schwingende Bögen, die jeweils auf einen Atemzug gesungen werden können. Gibt man dem Text den Vorrang, lässt sich die Melodie entsprechend auch in vier Zeilen gliedern. Fast ausschließlich in Sekundschritten bewegt sie sich im Tonraum einer None (9 Töne). Bei einer Vierzeiligkeit liegen die Tonumfänge teilweise deutlich darunter (6–3–4–2). Im Unterschied zum Erstdruck zeigt sich eine auffällige rhythmische Veränderung: Der Rhythmus des dritten Taktes (Halbe–Viertel, Halbe–Viertel) wird bei Rothenberg auch im fünften Takt verwendet und nicht – wie im EG – zu vier Viertelnoten geglättet. Im Original entsteht so eine schöne Symmetrie, die die Bewegung des Anfangs wie ein Pendel zurückführt – passend zum Thema – vom Einst und Heute, vom Heute und Ewigen.

Klepper schreibt als Überschrift „Silvesterlied“, doch ebenso gut kann es am Neujahrstag – und weit darüber hinaus – gesungen werden. Es ist kein Lied nur für das Altsein, keine Speziallied für Seniorentreffen oder Andachten in Seniorenheimen. Sein Thema ist das Älterwerden und damit auch für Geburtstage oder sogar Hochzeiten geeignet. Als Vertrauenslied gilt es allen Generationen.

Aufnahmen von "Ja, ich will euch tragen"

Ja, ich will euch tragen
mit Vokalensemble

Das Solistenensemble

aus: CD "Unter dem Hoffnungshorizont" ℗ 2006 haenssler CLASSIC