Lied entdecken

Im Dunkel unsrer Nacht (Taizé) | Dans nos obscurités

Nr. 59 • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder
Nr. 25 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Wo wir dich loben, wachsen neue Lieder

Durch die Dunkelheit der Nacht hindurch, in Erwartung des kommenden Lichts, lädt dieser Gesang dazu ein, zu singen, zu wachen und zu beten – getragen von der Kraft und der beruhigenden Wirkung der Wiederholung. Vielen Menschen ist dieser Gesang aus der ökumenischen Communauté de Taizé zu einem Herzenslied geworden.

Text:

Taizé 1987 nach der französischen Textvorlage

Melodie:

Jacques Berthier (*1923–†1994), 1984

Satz:

Jacques Berthier (*1923–†1994), 1984

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Im Dunkel unsrer Nacht (Taizé) | Dans nos obscurités"

Der Gesang entstand in der Kommunität von Taizé. Mit dem zunächst französischsprachigen Text wurde er erstmalig in dem Liederheft „Joie sur la terre“, Taizé 1984, veröffentlicht, auch mit einer nicht-singbaren deutschen Übertragung. Mit einer singbaren deutschen Fassung findet sich der Gesang dann 1987 in „35 neue Gesänge aus Taizé“. Er verbreitete sich rasch, fand Aufnahme in vielen folgenden Taizé-Liederheften und z.B. auch im internationalen, ökumenischen Liederbuch Thuma Mina (München 1995).

Der französische Text greift zwei biblische Verse auf – Hiob 29,3 und Psalm 18,29 –, in denen Gottes Licht in der Finsternis besungen wird. Bemerkenswert ist dabei der Plural: Es heißt „in unseren Finsternissen“ und nicht „in meiner Finsternis“. Die Bitte, Licht zu entzünden, gründet in der Hoffnung und Erfahrung, dass Gott tröstet und stärkt und Menschen aus Klage und Not herausführt.

Der Taizé-Gesang ist eingängig gestaltet. Formal besteht er aus zwei Teilen mit jeweils vier Takten. Der Tonumfang der Melodie ist überschaubar und bewegt sich innerhalb einer Septime. Die Melodik entfaltet sich aus der Harmonik von Grund- und Nebenstufen: Im ersten Teil nimmt sie Anlauf zum höchsten Ton und führt kurz darauf zur Dominantstufe der Paralleltonart. Der zweite Teil erreicht den tiefsten Ton – den Leitton unter dem Grundton – und kehrt damit an den Ausgangspunkt zurück, sodass sich eine Wiederholung organisch anbietet. In Taizé-Heften wird als Charakterangabe „Meditativo“ genannt; die Dynamik ist mit „p – mf – p – pp – p“ abgestuft, das Tempo mit „Viertel = 63“ angegeben.

 

Gerade in der Wiederholung entfaltet dieser Gesang – wie viele Lieder aus der Taizé-Kommunität – seine kontemplative Kraft und verinnerlichende Wirkung und nimmt Geübte wie Ungeübte in eine beruhigende Klangwirkung hinein.

Das Lied ist der Rubrik „Nacht“ zugeordnet – sowohl im Blick auf die Tageszeit als auch auf die Osternacht. Im eigentlichen Sinn versteht es sich als Meditations- und Gebetsgesang, der durch seine Wiederholung in die Innerlichkeit führen will. Im gemeinsamen Singen kann er Vertrauen und Trost, Hoffnung und Zuversicht stärken. Diese Wirkung entfaltet sich besonders dann, wenn das Tempo ruhig bleibt. Der Gesang lässt sich zudem gut instrumental begleiten oder durch solistische Stimmen erweitern.