Lied entdecken

Ich will den Herrn loben allezeit (Kanon)

Nr. 335 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 182 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Luftig und beschwingt tanzt dieser fröhliche Fugenkanon von Georg Philipp Telemann durch hohe und tiefe Lagen und entfaltet dabei eine ansteckende Singfreude. Der barocke Meister verbindet hier kunstvolle Satztechnik mit überraschender Leichtigkeit. Ein anspruchsvoller und zugleich klangschöner Kanon.

Text:

Psalm 34,2

Melodie:

Georg Philipp Telemann (*1681–†1767), um 1735

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Ich will den Herrn loben allezeit (Kanon)"

Der Kanon geht auf eine Sammlung von zwölf geistlichen Kanons zurück, die Georg Philipp Telemann vermutlich um 1735/36 in Hamburg unter dem Titel CANONES à 2, 3, 4 veröffentlichte. Die Texte dieser Kanons bestehen aus Anfangsversen verschiedener Psalmen. Bekannt und verbreitet wurde der Kanon vor allem im 20. Jahrhundert durch die Singbewegung: Fritz Jöde nahm mehrere dieser Telemann-Kanons in seine Sammlung „Der Kanon“ auf (Erstausgabe 1926), wodurch sie breite Wirkung in Jugend- und Gemeindekreisen erhielten

Der 34. Psalm gehört zur Gruppe der Danklieder. Die Anfangsbuchstaben seiner Verse – ab Vers 2 – folgen dem Alphabet. Der dem Kanon von Telemann zugrunde liegende zweite Vers beginnt im Hebräischen daher mit dem Buchstaben Aleph. Durch die zahlreichen Wortwiederholungen im Verlauf des Kanons wird das Gotteslob gesteigert und verdichtet: „allezeit“, „immerdar“, „in meinem Munde“.

Telemanns Kanon ist kein Kanon im heute üblichen Sinne, also kein Zirkelkanon, bei dem die Einsätze beliebig wiederholt werden können und am Ende ein gemeinsamer Schlussakkord erreicht wird. Es handelt sich – wie bei den anderen Stücken seiner Sammlung – um einen Fugenkanon, bei dem sich die Stimmen mit ihren Einsätzen nacheinander überlappen. Eine unbegrenzte Wiederholung war von Telemann wohl nicht beabsichtigt, ergibt sich bei diesem Kanon jedoch gewissermaßen von selbst, da das Harmoniegerüst der Anfangstakte im weiteren Verlauf bestehen bleibt. Auffällig ist zudem der große Tonumfang von einer Dezime. Als „Freudenmotiv“ kann der wiederkehrende Rhythmus aus einer Achtel und zwei Sechzehnteln gelten („Herrn loben“ – „meinem Munde“ – „immerdar“).

 

 

Beim Singen stellt sich ein luftiges und leichtes Singgefühl ein, wenn man die kleinen Koloraturwendungen sicher beherrscht. Für Ungeübte wirkt der Kanon zunächst etwas komplex, kann aber durch Wiederholungen und eine gute Singleitung dank der eingängigen Melodie schnell gefestigt werden und mit seiner klangschönen Wirkung große Singfreude entfalten.

Der 34. Psalm ist der Wochenpsalm des 1. Sonntags nach Trinitatis; daher kann der Kanon besonders an diesem Tag gesungen werden. Der kunstvolle, konzertante Satz ist allerdings anspruchsvoll und nicht unbedingt für die ganze Gemeinde geeignet. Ein Gesangbuch ist jedoch nicht allein für den Gottesdienst bestimmt, sondern möchte auch in Chören und Musikgruppen, zu Hause sowie in der Schule genutzt werden. Reizvoll ist zudem eine Verbindung von Telemanns Kanon mit dem Psalmlied „Ich will, solang ich lebe, rühmen den Herren mein“ zum 34. Psalm von Cornelius Becker in der Vertonung von Heinrich Schütz.

Noch mehr entdecken!

Liedvorschau mit Noten