Hinneh ma tov | Schön ist's, wenn Brüder und Schwestern (Kanon)
Nr. 71 • Singt von Hoffnung
- Durch Hohes und Tiefes /
- Himmel, Erde, Luft und Meer /
- EG-Regionalteil Nordelbien /
- Singt Jubilate /
- EGplus
- 0 Besucher lieben dieses Lied
- 0 Besucher hören dieses Lied gerne
- 0 Besucher singen dieses Lied gerne
- 0 Besucher kannten dieses Lied noch nicht
Mit gleich zwei sehr populären deutschen Textübertragungen und dem hebräischen Originaltext wird dieser sehr alte Kanon aus Israel gern als Friedensbitte gesungen. Frei nach Psalm 133,1 besingt er die Schönheit und Kraft geschwisterlicher Gemeinschaft. Mit seiner eingängigen, tänzerischen Melodie lädt er zum mehrstimmigen Singen und auch zum Tanzen ein.
Text:
Melodie:
aus Israel

Landkarte der Liedschöpfer:innen
Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.
Passende Stichworte zum Weiterstöbern
Wissenswertes zu "Hinneh ma tov | Schön ist's, wenn Brüder und Schwestern (Kanon)"
Diese traditionelle hebräische Volksweise bzw. Hymne nach Psalm 133,1 ist nicht genau zu datieren; ihre Entstehung wird etwa zwischen 1000 und 350 v. Chr. vermutet, wobei genauere Angaben auf zahlreichen Annahmen beruhen. Es handelt sich um ein anonym überliefertes Volkslied ohne bekannten Autor, das vermutlich älter ist als die vorhandenen Quellen. Das Lied wird u. a. am Sabbat gesungen, auch als Volkstanz gestaltet und ist besonders bei Schulkindern sowie in jüdischen und israelischen Pfadfindergruppen verbreitet. Es wurde von vielen Künstlern und Gruppen aufgenommen, z. B. von Harry Belafonte auf seinem Album Belafonte Returns to Carnegie Hall (1960).
Englische Übertragungen bilden zudem die Grundlage für zahlreiche zeitgenössische christliche Songs und Hymnen im englischsprachigen Raum. Die Transkription des hebräischen Liedes (Titel und Text) variiert in den verschiedenen Liederbüchern. Die am weitesten verbreitete Textfassung findet sich z. B. in den Ausgaben Komm, Herr, segne uns (1988) sowie in Lieder für Leipzig (Kirchentag 1997).
/: Hine ma tov u-ma na’im / schewet achim gam jachad :/ הִנֵּה מַה טוֹב וּמַה נָּעִים
/: Hine ma tov / schewet achim gam jachad :/שֶׁבֶת אָחִים גַּם יַחַד
Zum Abschied aus der Frankfurter Beratungsstelle gibt Trautweins Nachfolger F. K. Barth das besonders ihm und befreundeten Autorinnen und Autoren gewidmete Liederbuch Komm, Herr, segne uns (Gelnhausen 1988) heraus – mit Texten und Melodien Trautweins, Liedübertragungen und liturgischen Gesängen. Darin findet sich auch das hebräische Lied (vermutlich erstmals) mit Trautweins Übertragung unter der Nr. 77:
Schön ist’s, wenn Brüder und Schwestern / friedlich beisammen wohnen.
In Gemeinschaft / finden wir Gottes Frieden.
Eine weitere Textübertragung wurde in den folgenden Jahren sehr populär. Im Vorfeld des ersten gesamtdeutschen Kirchentags in Leipzig 1997 veröffentlichte der sächsische Liedermacher Gerhard Schöne seine deutsche Übertragung:
Trommle, mein Herz, für das Leben. Singe, mein Mund, vom Frieden,
dass die Erde / heller und wärmer werde.
In diesen drei Fassungen (hebräisch / Trautwein / Schöne) erscheint der Kanon erstmals im Kirchentagsliederheft Lieder für Leipzig (1997), Nr. 28, und später in gleicher Form auch in Gemeinsam unterwegs. Lieder und Texte zur Ökumene (ÖKT Berlin 2003).
- Liedrecherche von Günter Ruddat -
„Schau, wie gut, wie schön: Brüder und Schwestern halten zusammen!“ Im Vergleich der deutschen Bibelübersetzungen trifft die Bibel in gerechter Sprache (2006) den Ton dieser Lebensweisheit besonders treffend: Sie macht aufmerksam auf die besondere, geradezu ästhetische und ethische Qualität eines friedlichen Miteinanders, in dem Menschen miteinander und nicht gegeneinander leben und Konflikte lösen. Auch andere Übertragungen akzentuieren dies – etwa Luther mit seiner sinngemäßen Ergänzung „einträchtig“ oder Kurt Marti mit „einvernehmlich“. Zugleich erscheint es wichtig, diesen Gedanken über die Familie hinaus generationenübergreifend auf das gesamte Zusammenleben in einer grenzenlosen Ökumene auszuweiten. Dazu gehört selbstverständlich die Erweiterung: „… und Schwestern“. So schreibt Kurt Marti: „Gedankenlos ist, wer heute nicht sogleich ergänzt: ‚… und Schwestern‘.“ (1993, S. 121). In dieser Perspektive zeigt sich der traditionelle „Haussegen“ als Ausdruck einer umfassenden, gottgewollten Gemeinschaft.
Demgegenüber ist einem möglichen (politischen) Missverständnis eines eng gefassten „Beisammensiedelns“ im Heiligen Land – wie es etwa eine bestimmte Verdeutschung nahelegen könnte – deutlich zu widersprechen. Die textnahe Übertragung Trautweins setzt hier bewusst andere Akzente: Sie betont den Frieden und führt theologisch auf Gemeinschaft und Gottesbezug hin.
Zum Gebrauch von Gesängen aus jüdischer Frömmigkeit schreibt Dieter Trautwein:
„Besonders dankbar bin ich den jüdischen Frauen und Männern, die uns in Israel und hier im Land, trotz des ihnen so furchtbar zugefügten Leides, den Mut geben, in Gesänge aus jüdischer Frömmigkeit einzustimmen. Wirklich ‚nicht unbedacht‘ (Arnim Juhre) können wir nach Auschwitz unsere Lieder singen. Oskar Schindler und seine einmalige Rettungstat … kann uns kein Alibi sein. Dass auch mir am Fest Simchat Thora 1991 in Tel Aviv eine Thora-Rolle in den Arm gegeben wurde, als Tausende sich zu Liedern der Freude an Gottes Weisung bewegen, lässt mich auf die weltweit friedensstiftende Wirkung des ‚neuen Liedes‘ hoffen.“
Demgegenüber lässt die Fassung von Gerhard Schöne das Herz auf ganz persönliche und emotionale Weise höher schlagen: Sie ruft dazu auf, sich einzubringen, „zu trommeln“ wie bei einer Demonstration für das Leben und den Frieden, die Stimme zu erheben und sich für eine neue, gerechtere Erde einzusetzen.
Die Melodie ist schlicht, eingängig und tänzerisch bewegt. Sie entstammt der Tradition hebräischer Volksweisen und verbindet mediterrane Leichtigkeit mit einem ruhigen, sammelnden Ausdruck. Sie bewegt sich in einer Moll-Tonalität auf d und ist überwiegend durch schrittweise Tonbewegungen (Sekundschritte) geprägt; der Tonumfang umfasst etwa eine Oktave und ist gut singbar. Durch die vielen Tonwiederholungen prägt sich die Melodie schnell ein. Der zweite Kanonteil schwingt sich in eine höhere Tonlage auf, was eine helle, bewegende und belebende Wirkung zur Folge hat und zugleich einen dramaturgischen Höhepunkt bildet.
Ein Kanon für das ganze Kirchenjahr, mit dem sich jeder Gottesdienst gleichsam wie mit einem Segen eröffnen lässt und der sich ebenso gut zum Abschluss eignet. Er kann im Kontext des Abendmahls zur Vorbereitung oder zur Vergewisserung danach gesungen werden, als Friedensbitte dienen oder als Auftakt zu Gemeindefesten, Einführungen und ähnlichen Anlässen verwendet werden.
Spielen
Teste dein Wissen zu den Liedern des Evangelischen Gesangbuchs im Emoji-Quiz.