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Herr, du hast mich angerührt

Nr. 383 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 196 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Heil werden – das ist das Thema dieses wiegenden Liedes in einem eher ungewöhnlichen Klanggewand. Es ist ein persönliches Andachts- und Danklied. Der Liedtext entstand nicht ursprünglich als Kirchenlied für die Gemeinde oder den Gottesdienst, sondern als Lied eines Einzelnen. Er kann mit biblischen Psalmen verglichen werden und ist hier als Dankpsalm eines von schwerer Krankheit Genesenen zu verstehen. Der norwegische Textautor Svein Ellingsen deutet die dritte Strophe zudem als Morgenlied an schönen Sommertagen: Gottes Gnade ist jeden Morgen neu.

Text:

Jürgen Henkys (*1929–†2015), 1981

nach dem norwegischen «Herre, du har reist meg opp» von Svein Ellingsen (1929-2020) 1955

Melodie:

Trond Kverno (*1945), (1968) 1978

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Wissenswertes zu "Herr, du hast mich angerührt"

Vorlage der deutschsprachigen Übertragung ist das norwegische Lied „Herre, du har reist meg opp“ von Svein Ellingsen aus dem Jahr 1955. Ellingsen war 26 Jahre alt und von schwerer Krankheit genesen. 1977 nochmals leicht überarbeitet, publizierte er es in „Noen må våke“, Oslo 1978. Jürgen Henkys lernte über die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Hymnologie Svein Ellingsen und seine Lieder kennen. Er wollte mehrere von ihnen in Deutschland bekannt machen und übertrug dieses hier im Jahr 1981. Erstmalig gedruckt wurde es in „Vier Lieder von Svein Ellingsen in deutschen Nachdichtungen von Jürgen Henkys“ in „Musik und Kirche“, Kassel 1982. Die Melodie schuf der norwegische Komponist Trond Kverno 1968. Gedruckt wurde sie erstmalig 1978 ebenso in „Noen må våke“.

 

- Liedrecherche von Christian Finke - 

Der Liedtext entstand nicht ursprünglich als Kirchenlied für die Gemeinde oder den Gottesdienst, sondern als Lied eines Einzelnen. Er kann mit biblischen Psalmen verglichen werden und ist hier als Dankpsalm eines von schwerer Krankheit Genesenen zu verstehen. Mit den biblischen Bezügen, etwa zu Mk 1,40–42 (Strophe 1), Ps 94,18f und Jes 38,17 (Strophe 2), 1 Joh 2,8 (Strophe 3) sowie Klgl 3,21–23 (Strophe 4), sind ganz unmittelbare Regungen und Empfindungen verbunden: Jesus rührt mich an. – Ich hatte viel Kummer, und mir war bange um Trost. – Das wahre Licht scheint jetzt. – Gottes Gnade ist jeden Morgen neu.

 

Auffällig ist der Gegensatz von Licht und Finsternis: Das Dunkel liegt zurück und droht nicht mehr, die Schöpfung wird hell und neu erfahren.

Das Melodiegewand ist für ein Kirchenlied eher ungewöhnlich. Auch die Taktgebung ist besonders: Es ist ein Wechsel zwischen 6/4- und 9/4-Takt vorgegeben. Die pentatonischen Anklänge der Melodie, die weit ausschwingt und den ganzen Oktavraum ausfüllt, sowie der Rhythmus des Dreiertakts, der positiv einstimmt und zugleich wie ein Wiegenlied beruhigt, passen gut zum Thema des Dankens und Lobens über das (neue) Geschenk des Lebens.

Das Lied ist vorwiegend im persönlichen, seelsorglichen Bereich zu verorten und kann etwa als Leselied für die private Andacht verwendet werden. Aber auch Gruppen und Gemeindekreise, in deren Mitte sich ein Genesener befindet, können es lesen und singen. Ebenso bietet sich das Lied für eine Predigt über einen Heilungstext oder zu einem Psalm an. Svein Ellingsen deutet Strophe 3 als Morgenlied an schönen Sommertagen.

 

Die Liedstrophen können auch zu anderen Melodien gesungen werden: Im Evangelischen Gesangbuch ist die Ulrich-Melodie zu „Meinen Jesus lass ich nicht“ angegeben, im Reformierten Gesangbuch die Crüger-Melodie zu „Jesus, meine Zuversicht“.