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Herr, dich loben die Geschöpfe

Nr. 176 • freiTöne

  • Gotteslob /
  • Singt Jubilate

Zum nachösterlichen Sonntag Jubilate oder in Zusammenkünften, in denen die Freude an der Natur und die Bewahrung der Schöpfung thematisiert werden, eignet sich dieses Lied. Es verwebt den Sonnengesang des Franz von Assisi in einer modernen Übertragung mit einer alten Melodie aus der Renaissance.

Text:

Kurt Rose (*1908–†1999), 1991/92

nach dem Sonnengesang des Franz von Assisi 1225

Melodie:

Johann Crüger (*1598–†1662), 1653

Satz:

Johann Crüger (*1598–†1662), 1656

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Wissenswertes zu "Herr, dich loben die Geschöpfe"

Die Kleine (reformierte) Gesangbuchkommission schrieb für die entstehenden deutschsprachigen Schweizer katholischen und reformierten Gesangbücher eine Neufassung der Lauda „Altissimu, onnipotente, bon Signore“ (Lobgesang), des sogenannten Sonnengesangs des Franz von Assisi (1224/26), aus. Daraus ging – nach Kürzung der ursprünglich eingereichten neunstrophigen Fassung – das Lied von Kurt Rose hervor.

 

Rose entschied sich für die Melodie von Johann Crüger, mit der das Lied auch in Singt Jubilate (2012) sowie in den freiTönen (2017) erschien. Im Gotteslob (2013) wird hingegen die Melodie „Mannheim“ verwendet.

 

- Liedrecherche von Elisabeth Fillmann -

Dieses Schöpfungs-Lob-Lied webt Fäden und Muster aus Franz von Assisis wirkungsgeschichtlich bedeutendem Text mit einigen neuen Fasern zusammen. Schon in der Vorlage wird der höchste, allmächtige, gute Herr anschaulich mit vielen Elementen seines Werks, die als Brüder und Schwestern des Menschen vorgestellt werden, und durch sie gelobt. Kurt Rose verknappt, fügt aber Raum und Zeit modern naturwissenschaftlich als physikalische Prinzipien, unter denen die Schöpfung gestaltet ist, hinzu. Einen eigenen Akzent setzt der Zeigegestus: Gott, sieh, die edle Schwester Sonne; schau, wie Bruder Wind – auch dies neu – Lobgesang aus Wolken macht, tausendfaches Himmelslied. Im Inhalt wird benannt, was das Lied selbst tut; das Singen wird selbstreferenziell. Strophen eins bis vier beschreiben, was geschieht: die Werke loben. Die fünfte Strophe, mit dem anstößigen Lob durch den Tod, muss zur Aufforderung wechseln: Lob sei dir. Dass der leibliche Tod nicht der ewige ist, zeigt ein winziges Signal: in den anderen Strophen fasst die refrainartige letzte Zeile nach einem Gedankenstrich das vorher konkret entfaltete Lob zusammen. In der letzten Strophe steht ein (End-) Punkt. Ihm folgt ein Neuansatz der Schöpfung.

Die Dur-Melodie von Johann Crüger verwendet Elemente einer Genfer Psalmmelodie. Sie ist regelmäßig aufgebaut und besteht aus zwei gleichen Teilen (Stollen) sowie einer neuen musikalischen Idee im folgenden Teil (Abgesang). Es gibt einige unerwartete Intervallschritte. Sie singt sich am besten in ruhigen Halben, die die Halbschlag-(= Viertel-) Pausen vor der Halben am Beginn der zweiten Stollenhälfte und vor der Schlusszeile als natürlichen Neueinsatz gelingen lassen. Die vierstimmige Aussetzung ist klangvoll. Die rhythmische Aussetzung – gerade auch durch die Pausen – bedarf jedoch Sicherheit und möglicherweise einiger Wiederholungen.

 

Die „Gotteslob“-Melodie „Mannheim“ ist ein verfremdeter Re-Import: Sie erschien im 19. Jahrhundert im englisch-amerikanischen Raum als Bearbeitung einer deutschen Quelle bei Friedrich Filitz.

Bei Gottesdiensten und Zusammenkünften, die Freude an der Natur und Bewahrung der Schöpfung thematisieren, eignet sich das Lied; auch als Weiterentfaltung von Ps 148 oder des Gesangs der Jünglinge im Feuerofen (Daniel 3,69-87). Auch zum Sonntag Jubilate passt das Lied.