Lied entdecken

Großer Gott, wir loben dich

Nr. 331 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 180 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Dieses Lied gehört zu den bekanntesten Kirchenliedern im deutschsprachigen Raum und wird konfessionsübergreifend gesungen. Als kraftvolle Nachdichtung des alten „Te Deum“ verbindet es Lobpreis, Bekenntnis und Gebet und hat seit dem 18. Jahrhundert einen festen Platz in Gottesdienst und kirchlicher Tradition. Seine eingängige Melodie und die vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten haben wesentlich zu seiner großen Popularität beigetragen.

Text:

Ignaz Franz (*1719–†1790), 1768

nach dem "Te Deum laudamus“  4. Jh. / AÖL 1973/1978

Melodie:

Wien um 1776 / Leipzig 1819 / Heinrich Bone 1852

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Großer Gott, wir loben dich"

Die Übertragung des „Te Deum“ durch Ignaz Franz liegt in mehreren Fassungen vor. Die erste erschien in Die christlich-katholische Lehre in Liedern. Das ist: Katechetische Gesänge zum Gebrauche der Saganischen Schulen (Sagan 1768). Durchgesetzt hat sich jedoch eine spätere Bearbeitung, die 1973/1978 durch die Arbeitsgemeinschaft für ökumenisches Liedgut die heute gesungene Fassung und Gestalt erhielt. 

Die Melodie erschien erstmals in Katholisches Gesangbuch, auf allerhöchsten Befehl Ihrer k. k. apost. Majestät Maria Theresias zum Druck befördert, (Wien[ um 1774]. Eine mitunter genannte Lüneburger Melodie aus dem 17. Jh. weist lediglich eine entfernte Ähnlichkeit auf und ist nicht als Vorlage anzusehen. In der Folgezeit bildeten sich auch hier Varianten heraus. Die heute gängigen Melodiefassungen gehen auf das Allgemeine Choral-Buch, hg. von Johann Gottfried Schicht (Leipzig 1819), sowie auf Melodieen zu dem katholischen Gesangbuche Cantate, hg. von Heinrich Bone (Paderborn 1852) zurück. Durch Johann Gottfried Schicht und die evangelische Erweckungsbewegung zu Beginn des 19. Jahrhundert fand das Lied auch Eingang in evangelische Liederbücher, wurde jedoch als „geistliches Volkslied“ der Aufklärungszeit angefeindet. Erst im 20. Jahrhundert fand es – stark gekürzt – breitere Akzeptanz und wurde zu einem überkonfessionellen Gemeingut. Nicht verschwiegen werden darf die Verwendung des Liedes durch die „Deutschen Christen“ seit den 1930er Jahren, die Begriffe wie „Kriegsheere“, „Volk“ und „Feind“ umdeuteten und das Lob der christlichen Kirche in einen Selbstpreis des deutschen Volkes manipulierten.

Die Strophen des Liedes folgen dem Aufbau des „Te Deum“. Beide bestehen aus drei Teilen:

 

Der erste, hymnische Teil handelt von „Gott Vater auf dem Thron“ und entspricht heute den Strophen 1–5. (Bei Ignaz Franz hatte das Lied ursprünglich zwölf Strophen; die damaligen Strophen 5 und 6 wurden später zu einer – der heutigen fünften – zusammengezogen.) Dieser Abschnitt steht im Präsens und versetzt die Singenden in das himmlische Jerusalem, wo Gott ewiges Lob empfängt. Dabei klingen die Visionen aus Jes 6 und Offb 4 an. Am Ende steht eine trinitarische Doxologie – ein Lob auf den dreieinigen Gott.

Der zweite Teil („Des Vaters ewger Sohn“) umfasst die heutigen Strophen 6–8. Er ist ein Bekenntnis zu Christus als Heiland und Erlöser, der „uns frei gemacht“ hat.

Der dritte Teil, wahrscheinlich der älteste Abschnitt des „Te Deum“, ist von Psalmzitaten geprägt (Ps 28,9; Ps 145,2; Ps 123,4; Ps 33,22; Ps 31,2) und umfasst die Strophen 9–11. 

Auffällig sind im Lied die vielen Bitten im Imperativ – insgesamt etwa fünfzehn –, die dem Lied einen besonders eindringlichen Charakter geben.

Die Melodie lässt sich leicht lernen. Das liegt an mehreren Merkmalen: Ihr Tonumfang umfasst höchstens sieben Töne und ist damit nicht groß; die einzelnen Zeilen bleiben sogar noch darunter und liegen in einem gut singbaren Bereich. Die Melodie bewegt sich meist in kleinen Tonschritten (Sekundschritten), die gut ins Ohr gehen. Von Zeile zu Zeile steigen die höchsten Töne leicht an und führen auf die letzte Zeile hin. Außerdem gibt es viele Tonwiederholungen – besonders am Anfang wirkt die Melodie dadurch ruhig und getragen. Klare Wiederholungen und ein innerer Zusammenhang erleichtern zusätzlich das Einprägen.

Andreas Marti beschreibt die Wirkung der Melodie (im Handbuch zum EG III. Liederkunde, H. 22, S. 53) so: „Die Melodie vereint Schlichtheit, Gewicht und wohldosierte Emotionalität und entspricht in nahezu idealer Weise der Forderung nach ‚edler Simplizität und Würde‘, die gegen Ende des 18. Jh. an die Kirchenmusik gestellt wurde.“ Im Original steht sie im 6/8-Takt. Das heißt: Sie darf beschwingt und leicht gesungen werden – nicht schwerfällig oder pathetisch.

In seinem Charakter als Lob- und Huldigungslied, als Bekenntnis und als Gebet passt das Lied zu vielen Anlässen:

  • Im Gottesdienst etwa zum Kyrie (Strophe 11), zum Gloria (Strophe 1 + 4), zum Credo (Strophe 5–7) und zum Abendmahl (als Sanctus  Strophe 2 + 3; als Agnus Dei Strophe 8–10) sowie vor dem Schlusssegen im sonntäglichen Gottesdienst. 
  • Wegen seiner ökumenischen und internationalen Verbreitung eignet es sich auch gut für Kasualgottesdienste, etwa Trauungen. 
  • Es kann morgens (wie im klösterlichen Stundengebet) und abends (in Anlehnung an seine ursprüngliche Funktion als Abendlied und -gebet) gesungen werden.

Besondere Anlässe im Kirchenjahr sind die Osternacht (Taufen), das Osterfest – das „Te Deum“ wurde im Mittelalter auch in Osterspielen verwendet – sowie der Jahreswechsel. In der aktuellen kirchlichen Ordnung ist es eines der Wochenlieder für den Michaelistag (29. September).

Im Reformierten Gesangbuch der deutschsprachigen Schweiz findet sich außerdem eine pazifistische Neufassung von Karl von Greyerz (RG 518), die besonders für den eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag vorgesehen ist.

Noch mehr entdecken!

Liedvorschau mit Noten