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Geh aus, mein Herz, und suche Freud

Nr. 503 • Evangelisches Gesangbuch

  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

„Sommer-Gesang“ ist das Lied in einer alten Ausgabe überschrieben – das ist gewissermaßen die zentrale Gebrauchsanleitung. Doch selbstverständlich passt das Lied auch dann, wenn der Frühling – „Narzissus und die Tulipan!“ – bereits spürbar ist oder der Herbst noch sommerlich anmutet. Ganz besonders aber passt es dort, wo die überschäumende Freude des geschöpflichen Lebens auch als Vorfreude verstanden werden kann: angesichts des vergänglichen und fehlbaren menschlichen Daseins, angesichts von Sterben und Tod.

Text:

Paul Gerhardt (*1607–†1676), 1653

Melodie:

August Harder (*1775–†1813), vor 1813

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Wissenswertes zu "Geh aus, mein Herz, und suche Freud"

Das Lied erschien erstmals 1653 in der fünften Auflage des Gesangbuchs Praxis Pietatis Melica von Johann Crüger, dort mit der Melodieangabe des Magnificat-Liedes „Den Herren meine Seel erhebt“. In die Geistlichen Andachten, die erste Gesamtausgabe der Lieder von Paul Gerhardt, nahm Johann Georg Ebeling 1667 das Lied mit einer eigenen Melodie auf, die sich jedoch – wie zahlreiche andere, die für diesen Liedtext geschaffen oder mit ihm verbunden wurden – nicht durchsetzte.

 

Die heute verbreitete Melodie wurde von August Harder vor 1813 für das Gedicht „Die Luft ist blau, das Tal ist grün“ von Ludwig Christoph Heinrich Hölty geschaffen. 1836 verband Friedrich Heinrich Eickhoff diese Melodie mit „Geh aus, mein Herz“. Sie gelangte über die „Geistlichen Volkslieder“ des Deutschen Evangelischen Gesangbuchs (DEG) in das Evangelische Gesangbuch (1993).

 

- Liedrecherche von Martin Evang - 

In seiner ersten Hälfte vollzieht das Lied, wozu es aufruft: die freudige Betrachtung der sommerlichen Natur mit Blumen und Gärten, Wild- und Kulturpflanzen, Vögeln, Insekten sowie Wild- und Nutztieren und Feldfrüchten – „Gottes Gaben“ (1,3), allesamt Erweise der „Güte / des, der so überfließend labt / und mit so manchem Gut begabt / das menschliche Gemüte“ (7,3–6).

In Strophe 8 stimmt das singende Ich selbst in den allseitigen Jubel ein: „Ich singe mit, wenn alles singt“ (8,4). 

Ab Strophe 9 wendet es Auge und Ohr sehnsüchtig der jenseitigen Herrlichkeit zu, die alle irdische Freude zur Vorfreude macht.

Im Lob Gottes und – wie Gebetsbitten in pflanzlicher Metaphorik ausmalen – in der praktischen Bewährung des Glaubens hat schon das irdische Leben („hier …“) Anteil an der himmlischen Fülle („… und dort ewig“: 15,6).

 

Die Melodie von August Harder bewegt sich zwischen Kunst- und Volkslied. Sie steht in einem fröhlichen Dur-Ton und ist harmonisch sehr einfach gehalten. Dadurch ist sie schnell zu erlernen und wirkt durch die vielen kleinen Durchgangstöne (Melismen) zugleich originell. Sie nimmt fast spielerisch den natürlichen Sprachrhythmus auf und wirkt dadurch tänzerisch und belebt, nicht zuletzt aufgrund der vielen kleinen Notenwerte und Punktierungen. Auch das stetige Auf und Ab in verschiedenen Lagen sowie die markanten Sextsprünge in den Auftakten an mehreren Zeilenanfängen verstärken den lebendigen Eindruck. Der vierte und fünfte Melodiebogen werden wiederholt, bevor im letzten Teil noch einmal Anlauf zum höchsten Ton genommen wird und anschließend eine fast tonleiterartige Abwärtsbewegung folgt.

 

Populär wurde das Lied im 19. Jahrhundert nicht als Kirchen-, sondern als Volkslied, begünstigt durch die Auslassung der jenseitsbezogenen Strophen, vor allem aber aufgrund der sanglichen, ebenso lebhaften wie leichtfüßigen Melodie. Die Zusammenfügung des Liedtextes mit der Melodie von August Harder veränderte beide: Die letzte Textzeile und die vierte Melodiezeile wurden jeweils verdoppelt.

 

Der im Evangelisches Kirchengesangbuch unternommene Versuch, dem Text eine getragenere Melodie des 16. Jahrhunderts zu unterlegen, die den auf das Jenseits gerichteten Strophen vermeintlich besser entsprochen hätte, scheiterte; das Kirchenvolk beharrte auf der Volksliedmelodie – und setzte seinen Willen im Evangelisches Gesangbuch durch.

„Sommer-Gesang“ ist das Lied in der Ausgabe von Johann Georg Ebeling (1667) überschrieben – das ist gewissermaßen die zentrale Gebrauchsanleitung. Doch selbstverständlich passt das Lied auch dann, wenn der Frühling – „Narzissus und die Tulipan!“ – bereits spürbar ist oder der Herbst noch sommerlich anmutet.

 

Ganz besonders aber passt es dort, wo die überschäumende Freude des geschöpflichen Lebens – ohne dementiert zu werden – als Vorfreude verstanden werden kann: angesichts des vergänglichen und fehlbaren menschlichen Daseins, angesichts von Sterben und Tod.

Aufnahmen von "Geh aus, mein Herz, und suche Freud"

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
mit Gesang und Klavierbegleitung

Henrieke Kuhn (Gesang), Lina Wittemeier (Flügel)

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
mit Chor

Rundfunkchor Berlin, Leitung: Simon Halsey

aus: CD "Morgenlicht - Kirchenlieder & Choräle" ℗ 2013 Deutsche Grammophon GmbH, Berlin

Geh aus, mein Herz, und suche Freud
mit Kinderchor und Bandbegleitung

Kinderchor und Ensemble des Projekts "Kinder singen GottesLieder" der EKHN-Stiftung

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Liedvorschau mit Noten
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Impulse aus der Reihe KIRCHE IM SWR

“Dieses Lied lädt uns zu einem Spaziergang ein – hinaus, in die Schöpfung. Es wird bestimmt nicht langweilig, wenn wir gleichsam das „Buch der Natur“ aufblättern. Wer mitgeht, hört und singt vom Gackern der Hühner und dem Summen der Bienen. Ja, man schmeckt fast den Honig und den süßen Fruchtsaft wenn davon gesungen wird …” Türöffner zum Lied von Meinrad Walter. Weiterlesen oder Anhören?

 

 

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Quelle: www.kirche-im-swr.de

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