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Es kennt der Herr die Seinen

Nr. 358 • Evangelisches Gesangbuch

Glaube, Hoffnung und Liebe: Spittas Lied entfaltet die drei großen Kennzeichen christlichen Lebens und macht Mut, sich Christus anzuvertrauen. Heinrich Schütz schrieb die anspruchsvolle, hymnisch aufsteigende Melodie ursprünglich zu einer Psalmnachdichtung – ein Beispiel dafür, wie Melodien im Laufe der Liedgeschichte mit neuen Texten verbunden werden.

Text:

Carl Johann Philipp Spitta (1801 – 1859), 1843

Melodie:

Heinrich Schütz ( getauft 1585 – 1672), 1628

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Wissenswertes zu „Es kennt der Herr die Seinen“

Auf Spittas erste Sammlung geistlicher Gedichte, Psalter und Harfe von 1833, die zu einem Bestseller mit nahezu jährlichen Neuauflagen wurde, folgte 1843 ein zweiter Band mit 40 weiteren Liedern, darunter auch dieses. Verbreitung fand das Lied zudem in christlichen Liederbüchern wie der Missionsharfe. Dort war es mit einer volkstümlichen Melodie Felix Mendelssohn Bartholdys zu einem Männerchorlied verbunden; in dieser Form wurde es auch in den Anhang des Deutschen Evangelischen Gesangbuchs von 1915 aufgenommen. Über einige Regionalteile des Evangelischen Kirchengesangbuchs gelangte das Lied schließlich in den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs, nun verbunden mit der „seriöser“ wirkenden Melodie von Heinrich Schütz.

Die Trias „Glaube, Hoffnung und Liebe“ aus 1. Korinther 13,13 bildet die Grundstruktur des in durchweg bibelgesättigter Sprache verfassten Liedes über die Kennzeichen der Christenmenschen. Die Strophen 2, 3 und 4 entfalten jeweils eine dieser „christlichen Tugenden“, Strophe 5 fasst sie zusammen, und Strophe 6 bittet in Form eines Gebets um sie.

 

Bestimmend ist dabei die reformatorische Einsicht des sola gratia: Nicht menschliche Tugend oder Leistung macht den Christen aus; Glaube, Hoffnung und Liebe sind vielmehr Früchte der Gnade Gottes, „Gnadentriebe“ (Strophe 5). Die Kennzeichen der Christen gründen darin, dass Christus, der Herr, die Seinen unverlierbar kennt (Strophe 1; vgl. Johannes 10,14 und 2. Timotheus 2,19). Im umfassenden biblischen Sinne bedeutet dies, dass er für sie einsteht und „im Leben und im Sterben“ für sie sorgt (vgl. Römer 14,8). Wichtig sind außerdem der ökumenische Horizont „in jedem Volk und Land“ (Strophe 1) und die inklusive Formulierung „die Großen und die Kleinen“.

Heinrich Schütz schuf diese Melodie für das Lied zu Psalm 138 in seiner Vertonung des Psalters von Cornelius Becker. Mit den hohen Einsatztönen der beiden wiederholten Anfangszeilen und der insgesamt hohen Lage des Stollens passt sie nicht besonders gut zu Spittas Lied. Sie verlangt ein hymnisches Pathos, das dem Text nicht immer entspricht, und stellt zugleich eine sängerische Herausforderung dar.

 

Aufgrund seiner Strophenform, des sogenannten „Hildebrandtons“, lässt sich das Lied jedoch mit unterschiedlichen Melodien verbinden. Die Melodie „Ich freu mich in dem Herren“ (EG 349) wäre sowohl hinsichtlich der Singbarkeit als auch der Wort-Ton-Beziehung besser geeignet. Ihr melodischer Höhepunkt in der siebten Zeile käme besonders der Pointe der fünften Strophe entgegen.

Zusammenfassende Lieder haben es im gottesdienstlichen Alltag oft schwer: Meist wird ein Lied zum Glauben, etwa für den Reformationstag, zur Hoffnung oder zur Liebe gesucht, nicht aber zu allen drei Themen zugleich. Umso wichtiger ist es, die biblische Trias von Glaube, Hoffnung und Liebe auch dann ins Spiel zu bringen, wenn einer dieser drei Aspekte im Vordergrund steht. Das Lied vergewissert im Glauben an Christus und macht Mut.

Liedrecherche: Konrad Klek

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Es kennt der Herr die Seinen  | Evangelisches Gesangbuch Nr. 358, Strophe 1
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