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Erleuchte und bewege uns

Nr. 212 • Durch Hohes und Tiefes

  • Kommt atmet auf /
  • EGplus /
  • EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe /
  • Kinderkirchenlieder "Immer und überall" (ELKB)

Dieser einfache Liedruf mit seiner leicht herben und ernsthaften Klangfarbe lässt sich generationenübergreifend einsetzen, wenn es darum geht, „ein Licht aufgehen zu lassen“ oder „sich auf den Weg zu machen“.

Text:

Friedrich Karl Barth (*1938), 1987

Melodie:

Peter Janssens (*1934–†1998), 1987

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Wissenswertes zu "Erleuchte und bewege uns"

Peter Janssens erinnert sich: „Die Liedstrophe entstand für den Kirchentag (in Frankfurt am Main) 1987. Friedrich Karl Barth schrieb den Text, aber ich war von Anfang an beteiligt. Wir suchten nach einem Zwischentext für das Fürbittengebet, der eine herrschaftsfreie Sprache spricht. Es sollte bewusst keine militante, keine ‚Männersprache‘ verwendet werden. Die Anrede ‚Herr‘ wurde bewusst vermieden, auch das Wort ‚Gott‘ kommt nicht vor. Mir gefiel die zarte, weibliche Formulierung ‚Leit und begleite uns‘. Der Text geht wohl nicht unmittelbar auf ein biblisches Wort oder Thema zurück.“ Und Barth ergänzt: „Eine Bitte, die einfach ist: auch leite und begleite uns. Dem Weltgebetstag der Frauen 1996 ist zu danken, dass dieser Wunsch hörbarer wurde. Ich bin davon überrascht worden, dass das andere, weitere Du vor allem durch die Welt der Frauen vernommen wird. In meinem Entwurf war es ein Vers in einer ganzen Liturgie, die ich – mit Pit Janssens – für den Vogelsberg in Südhessen in den achtziger Jahren geschrieben habe.“

 

Das Lied wurde erstmals in Und der Brunnen ist tief  (Singheft/MC/CD, Telgte 1987) veröffentlicht und anschließend in den drei Auflagen von 111 Lieder für Kirchentage (1991, 1993, 1995) abgedruckt.

 

- Liedrecherche von Günter Ruddat - 

Die dreifache Bitte „Erleuchte und bewege uns, leite und begleite uns“ wendet sich unausgesprochen an ein „Du“ im weiten Horizont von Glauben und Leben und wird durch die Wiederholungen intensiver sowie zugleich leichter und weicher: „leit’ und begleite uns“. Auch wenn Peter Janssens ansonsten Kurt Marti Barth als „Bibel-Künstler“ preist, öffnet sich hier ein weites Feld möglicher biblischer Assoziationen im Kontext der Symbole „Licht“ und „Weg“. Menschen sollen bzw. wollen sich auf Impulse von außen einlassen, nicht auf sich selbst reduziert bleiben, sich in einem neuen Licht entdecken und zugleich aufstehen, sich aus dem Stillstand in Bewegung setzen lassen. Das Ganze ist verbunden mit einem dreifachen Vertrauen auf Führung und Weggenossenschaft – unter allen Umständen, gleichsam als dreifache trinitarische Anrede: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die Melodie in Moll setzt sich zunächst langsam in Bewegung und gewinnt durch ihre Wiederholungen zunehmend an Beschwingtheit. Dabei verzichtet sie auf den Leitton und orientiert sich an der phrygischen Kirchentonart, was ihr einen leicht herben Klang verleiht. Kurth-Helmuth Eimuth beschreibt dies folgendermaßen: „Die Melodie vermeidet wieder den Leitton und knüpft an der phrygischen Kirchentonart an, die etwas Herbes hat. Die Kirchentonarten gehören zu dem bedeutsamen Erbe der Kirche, das nicht vergessen werden darf. Die erste Hälfte der Melodie denkt in halben Noten, die zweite Hälfte in Vierteln. Der ernsten aufsteigenden Bewegung im ersten Teil folgt im zweiten ein leichterer, lebhafterer Abschwung.“

 

 aus: Kurth-Helmuth Eimuth, Podcast vom 4.4.2024 „Nichts Neues unter dem Kirchenmusik-Himmel."

Im liturgischen Kontext ist das Lied vielfältig einsetzbar: zu Beginn des Gottesdienstes, um sich mit Leib und Seele für das Kommende zu öffnen, die Botschaft wahrzunehmen und sich auch im Atem am Geschehen zu beteiligen, Gemeinschaft geistesgegenwärtig zu feiern und im Herzen zu bewegen; zwischendurch etwa als Kehrvers zu den Fürbitten, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen, sich anstiften zu lassen und den Bitten im Alltag Raum zu geben sowie sich dafür einzusetzen, dass sie Wirklichkeit werden; am Ende des Gottesdienstes kann das Lied helfen, sich für Sendung und Segen zu öffnen und so gestärkt und begleitet in den Alltag weiterzugehen.

 

Vor diesem Hintergrund lässt sich das Lied nicht auf eine bestimmte Kirchenjahreszeit eingrenzen, sondern ist im Grunde durchgängig einsetzbar, besonders wenn Motive wie Licht und (Er-)Leuchten, Weg und Bewegung sowie Leiten und Begleiten anklingen. Es lässt sich generationenübergreifend einsetzen, insbesondere dort, wo es darum geht, „ein Licht aufgehen zu lassen“ oder „sich auf den Weg zu machen“.