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Ein Lied hat die Freude sich ausgedacht

Nr. 580 • EG-Regionalteil Niedersachsen-Bremen
Nr. 306 RT Bayern-Sachsen • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Wer sind die Großsprecher oder Brotherren unserer Zeit? Diese moderne Vertonung des biblischen Lobgesangs Marias (Magnificat) lebt von starken Gegensätzen. Mit ihrer kraftvollen, zeitgemäßen Bildsprache und dem reizvollen musikalischen Wechselspiel zwischen jubelndem Refrain und rhythmisch markanten Strophen macht sie die Spannung zwischen Protest und Vertrauen hörbar – und holt das Magnificat mitten ins Hier und Jetzt.

Text:

Hartmut Handt (*1940), 1985

Melodie:

Nis-Edwin List-Petersen (*1947), 1986

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Wissenswertes zu "Ein Lied hat die Freude sich ausgedacht"

Der Text des Liedes entstand 1985 als Weihnachtsgruß des Autors an Freunde und Bekannte, unter anderem an Nis-Edwin List-Petersen. Dieser bedankte sich mit der Vertonung des Liedes, die 1986 entstand. Mit einem Begleitsatz von Manfred Staiger wurde das Lied erstmals 1987 vom Verlag Singende Gemeinde in Wuppertal in der Chorblattreihe „Ninive“ veröffentlicht. Einige Jahre später erschien es im Regionalteil der niedersächsischen Ausgabe des Evangelischen Gesangbuchs.

 

Zum Liedtext liegen inzwischen auch Übersetzungen ins Plattdeutsche und Englische vor, die bislang jedoch unveröffentlicht sind.

 

- Liedrecherche von Christian Kollmar - 

Das Gedicht greift unverkennbar den Lobgesang Marias auf (Magnificat, Lk 1,46–55), jedoch nicht in Form einer Nachdichtung, sondern in einer eigenständigen Bildsprache. Gerade darin liegt ein besonderer Reiz des Liedes. Entfaltet wird das biblische Motiv der Umkehrung (Revolution): Gottes Macht offenbart sich im Gegenteil dessen, was Menschen für machtvoll halten; Gott erwählt das Kleine und Geringe.

 

Wie im Magnificat geschieht dies im poetischen Spiel mit Gegensätzen, hier jedoch nicht in biblischer Sprache, sondern in heutigen Sprichwörtern und Redewendungen: „Ungeschriebene werden Geschichte schreiben. Wer im Dunkel lebte, steht nun im Licht“ (Str. 1). Dieses Motiv entfaltet sich durch alle vier Strophen des Liedes.

 

Dem gegenüber steht der Refrain, mit dem das Lied beginnt und endet. Er beschreibt Marias Gotteslob und lädt dazu ein, in ihr Lied einzustimmen – der eigentliche Lobgesang entfaltet sich dann in den Strophen. Das erinnert an die Struktur biblischer Lobpsalmen, die häufig mit einem Aufruf beginnen („Singet dem Herrn ein neues Lied …“), bevor sie das Gotteslob näher ausführen („… denn er tut Wunder“, Psalm 98).

Die Melodie greift den Wechsel zwischen Refrain und Strophen unmittelbar auf und verstärkt ihn. Der Refrain jubelt im schwungvollen Dreiertakt und in einer melodisch weichen Bewegung, während die Strophen streng im geraden Takt gehalten sind und den Text beinahe kämpferisch deklamieren.

 

Beim Übergang zwischen beiden Teilen ist darauf zu achten, dass der Grundpuls durchgängig gleich bleibt: Ein Takt im Refrain (punktierte Halbe) entspricht einem Halbtakt in der Strophe (Halbe).

 

In diesem Gegenüber von Refrain und Strophen wiederholt die Melodie auf ihre Weise, was bereits den Text prägt: das poetische Sprechen in Gegensätzen. Zugleich verstärkt sie die zugrunde liegende Glaubenserfahrung. Mit Maria an Gottes Zukunft zu glauben, bedeutet beides: kraftvollen Widerspruch gegen lebensfeindliche Mächte (Melodie der Strophen) und zugleich spielerische Freude an Gottes Macht (Melodie des Refrains).

 

Wer in Marias Gotteslob einstimmt, wird diese beiden Dimensionen des Glaubens nicht voneinander trennen können.

Das Lied eignet sich für unterschiedliche liturgische und thematische Zusammenhänge. Es ist das Lied einer Frau – Maria –, in das alle einstimmen. Zugleich bietet es eine Sprachhilfe überall dort, wo Machtstrukturen in Kirche und Gesellschaft im Licht des Evangeliums kritisch hinterfragt werden: im Verhältnis von Arm und Reich, Macht und Ohnmacht, Mehrheit und Minderheit, Mann und Frau sowie in vielen weiteren gesellschaftlichen Spannungsfeldern.

 

Liturgisch legen sich als Orte des Liedes besonders jene Zusammenhänge nahe, die mit dem Magnificat verbunden sind: die Adventszeit, insbesondere der Vierte Advent; der Gedenktag „Mariä Heimsuchung“ (2. Juli), der die Begegnung der schwangeren Maria mit ihrer Cousine Elisabeth und den anschließenden Lobgesang Marias aufgreift (Lukas 1); sowie die Tradition des Stundengebets, in der das Magnificat seinen festen Platz in der Vesper, dem täglichen Abendgebet, hat.