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Ein feste Burg ist unser Gott

Nr. 362 • Evangelisches Gesangbuch

  • freiTöne

Es ist eines der bekanntesten und kraftvollsten Lieder der Reformation. Martin Luther legt darin Psalm 46 singend aus. Heute wird es konfessionsübergreifend rezipiert und gilt als Ausdruck gemeinsamen christlichen Glaubens. Es ist in über 200 Sprachen übersetzt worden und gehört weltweit zu den bekanntesten Kirchenliedern. Bis heute spricht es Menschen an, weil es Mut macht und den Glauben in herausfordernden Zeiten stärkt. In seiner Wirkungsgeschichte wurde das Lied jedoch auch sehr unterschiedlich gedeutet und genutzt: Es diente als Bekenntnislied des Protestantismus, wurde aber zugleich politisch vereinnahmt.

Text:

Martin Luther (*1483–†1546), 1529

Melodie:

Martin Luther (*1483–†1546), 1529

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Wissenswertes zu "Ein feste Burg ist unser Gott"

Das Lied wurde vermutlich von Martin Luther um 1527/28 in der Einheit von Text und Melodie geschaffen. Eine der frühesten Drucküberlieferungen findet sich im sogenannten Klugschen Gesangbuch (1529; erweiterte Auflagen u. a. 1533). Das Lied gehört zu den bekanntesten reformatorischen Kirchenliedern und wurde früh breit rezipiert. Zahlreiche Komponisten haben es in Chorsätzen, Motetten, Kantaten und größeren Formen verarbeitet, darunter etwa Johann Sebastian Bach (Kantate BWV 80). Der Text erfuhr im Laufe der Überlieferung Ergänzungen, Umdichtungen und sprachliche Anpassungen.

 

In der Wirkungsgeschichte wurde das Lied sehr unterschiedlich gedeutet und genutzt: Es diente als Bekenntnislied des Protestantismus, wurde aber auch politisch vereinnahmt, etwa im 19. Jahrhundert als vaterländisches bzw. nationales Kampflied und im 20. Jahrhundert teilweise ideologisch missbraucht. Zugleich fand es auch Eingang in katholische Gesangbücher, etwa in das Paderborner Gesangbuch von 1765.

 

Heute wird das Lied konfessionsübergreifend rezipiert; es gilt als Ausdruck gemeinsamen christlichen Glaubens. Es ist in über 200 Sprachen übersetzt worden und gehört weltweit zu den bekanntesten Kirchenliedern.

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger - 

Das Lied fußt auf Psalm 46 („Gott ist unsre Zuversicht und Stärke …“). Martin Luther dichtet jedoch nicht streng entlang der Psalmverse, sondern stellt in Strophe 2 Christus in den Mittelpunkt und betont in den Strophen 3 und 4 die Bedeutung von Gottes Wort. Das Lied entfaltet damit zentrale reformatorische Aussagen: solus Christus, sola gratia, sola scriptura und sola fide.

 

Der neunzeilige Strophenbau mit dem Silbenschema 8–7–8–7–5–5–5–6–7 ist charakteristisch. Die ersten vier Zeilen stehen im Kreuzreim, die folgenden vier in Paarreimen; die letzte Zeile bleibt reimlos. Die Sprache ist überwiegend durch ein- und zweisilbige, seltener dreisilbige Wörter geprägt. Trotz der Länge der Strophen entsteht so ein gut einprägsames Bekenntnislied.

Die Melodie hat eine bewegende und kraftvolle Wirkung. Sie ist ursprünglich nicht taktgebunden; ihre Betonungen entstehen aus den Wortakzenten und durch Ligaturen. Die polyrhythmische Melodie bewegt sich im Ambitus einer Oktave im Rahmen der C-Dur-Tonleiter. Eine Ausnahme bildet in der fünften Zeile ein fis als Wechselnote zur fünften Stufe. Auf dem dreifach wiederholten oberen Grundton beginnend, hat sie einen fanfarenartigen Auftakt. Die zweite Zeile führt über die vollständige Tonleiter zum Grundton hinab. Die Wiederholung der ersten beiden Zeilen unterstreicht den Strophenaufbau, der sich in Stollen, Stollen und Abgesang gliedert. Die neunte Zeile greift die Tonfolge der zweiten und vierten Zeile wieder auf, wodurch der reimlose Strophenschluss organisch eingebunden wird.

 

Eine rhythmisch geglättete und vereinfachte (isorhythmische) Fassung der Melodie (Spätere Form) entstand etwa ein Jahrhundert später und setzte sich in Deutschland erst seit dem 18. Jahrhundert durch.

Die bisherige, wechselvolle Verwendung des Liedes schwingt im heutigen Gebrauch mit. Die Pflege der ursprünglichen Fassung kann dem Lied seine ihm innewohnende Freiheit zurückgeben. Die badischen und württembergischen Landeskirchen haben es in ihre Kernliederlisten aufgenommen.

 

Durch Psalm 46 ist es mit dem Reformationsfest verbunden. In der neuen Perikopenordnung erhielt es – in Verbindung mit der Versuchung Jesu in der Wüste (Matthäusevangelium) – einen Platz als Wochenlied am Sonntag Invokavit. Zuweilen wird die vierte Strophe („Nehmen sie den Leib …“) aus Zurückhaltung gegenüber ihrer Aussage weggelassen; dennoch gehört sie zur Ganzheit des Liedes.

 

Es lohnt sich, das Lied im Gottesdienst zu singen und seinen reformatorischen Gehalt im Religionsunterricht sowie in Gemeindeabenden neu zu erschließen. Gerade die alten Sprachstile und Sprachbilder können dabei zu Gesprächen anregen oder zu einer Übertragung in heutige Lebensbezüge führen.

Aufnahmen von "Ein feste Burg ist unser Gott"

Ein feste Burg ist unser Gott
mit Vokalensemble

Vocal Concert Dresden, Leitung: Peter Kopp

aus: CD "Lob, Ehr und Preis sei Gott" ℗ Edel Germany GmbH

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