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Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen | The day thou gavest

Nr. 266 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 23 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Dieses stimmungsvolle Lied steht in der Tradition des anglikanischen Evensong. Es greift die Form des weltweiten, fortlaufenden Gotteslobs auf und deutet den Tageswechsel als Teil einer großen, ununterbrochenen Gebetskette. So verbindet es die persönliche Abendandacht der Singenden mit der Erfahrung einer weltweiten Kirche im gemeinsamen Lob Gottes.

Text:

Gerhard Valentin (*1919–†1975), 1958

dt. Textfassung

John F. Ellerton (*1826–†1893), 1870

englische Originaltextfassung „The day thou gavest“ 

Melodie:

Clement Cotterill Scholefield (*1839–†1904), 1874

„Church hymns with Tunes“, London

Satz:

Clement Cotterill Scholefield (*1839–†1904), 1874

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Wissenswertes zu "Der Tag, mein Gott, ist nun vergangen | The day thou gavest"

Der Text erschien 1870 in der Sammlung A Liturgy for Missionary Meetings und wurde für die Church Hymns, herausgegeben 1871 von Walsham W. How und John Ellerton, überarbeitet. Die im angelsächsischen Sprachraum populäre Melodie trägt den Titel „St. Clement“ nach dem Vornamen ihres Schöpfers. Erstmals wurde sie 1874 von Arthur Sullivan in Church Hymns with Tunes veröffentlicht; von Anfang an war sie mit dem Text „The day Thou gavest, Lord, is ended“ verknüpft.

 

Die deutsche Fassung von Gerhard Valentin wurde 1964 in Sing mit II. 102 Lieder und Kanons für Fahrt und Freizeit, Zeltlager und Heimabend, herausgegeben von Herbert Beuerle im Burckhardthaus Gelnhausen/Berlin, veröffentlicht. Weitere Verbreitung fand sie ab 1971 durch ökumenische Jugendgesangbücher und wurde zwischen 1993 und 1996 in den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen.

Geplant als Missionslied beschreibt der Text das Lob Gottes, das zu Hause und weltweit gesungen wird und im Tageslauf rund um den Erdball wandert. Das englische Original geht von der Perspektive des expandierenden britischen Weltreiches und der anglikanischen Kirchengemeinschaft aus, die sich zunächst über den Atlantik nach Westen ausdehnten (Strophe 4: „’neath the western sky“). Allerdings rückt Strophe 5 den politischen Impetus zurecht und betont, dass allein Gottes Königreich ewig besteht.

 

Zugrunde liegt auch die englische Tradition der Stundengebete „Morning Prayer“ und „Evensong“, durch die das weltweite Gebet mit der anglikanischen Liturgie verknüpft wird. Biblische Bezüge für die immer wachende Kirche sind Mt 26,41 und 1. Thess 5,17.

 

Valentins Übertragung greift die Bilder und die europäische Perspektive auf, etwa in Strophe 4 („den Menschen überm Meer“), reduziert jedoch die imperialen Sprachbilder. Das Bild der fallenden Reiche dürfte in der deutschen Fassung von 1964 anders verstanden worden sein als im englischen Original fast hundert Jahre zuvor.

Wie eine Girlande rankt sich die Melodie um ihren Grundton, der erst zu Beginn des zweiten Taktes erreicht wird. Dort ist er in die Abfolge melismatischer Terz- und Quartintervalle eingebunden, sodass er erst im Schlusston als stabile Tonika erscheint. Der Sechsvierteltakt mit weit ausholenden Sextsprüngen zu Beginn der ersten sowie – als Wiederholung – der dritten Zeile verleiht der Melodie einen Schwung, der auch im ruhigen Tempo für einen fließenden Verlauf sorgt. So bildet die Melodie musikalisch das kontinuierliche Gotteslob ab, das täglich rund um die Erde erklingt. Der vierstimmige Satz unterstützt und trägt diesen Schwung durch die Abfolge von halben und Viertelnoten; einzelne Stimmen verstärken dabei wechselweise die melodische Bewegung.

 

Im angelsächsischen Raum trägt die Melodie den Titel „St. Clement“ nach ihrem Schöpfer. In ihrer Walzerseligkeit weist sie stilistische Ähnlichkeiten zu den Melodien der Savoy Operas auf, einem Operettenstil des viktorianischen Englands des 19. Jahrhunderts, für den Arthur Sullivan musikalisch verantwortlich war. Er gab „St. Clement“ erstmals in einem kirchlichen Gesangbuch heraus und war möglicherweise auch an ihrer Entstehung beteiligt.

Das Lied kann als Abendlied und zu ökumenischen Anlässen gesungen werden. Ebenso eignet es sich für Abendveranstaltungen, bei denen das Singen im Vordergrund steht, z. B. am Sonntag Kantate, bei Chortreffen und Konzerten. Gut passt es auch zur anglikanischen Tradition des „Evensong“, die sich zunehmend im deutschsprachigen Raum etabliert.