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Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder

Nr. 490 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 24 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Das Liedtext geht auf den englischen Missionshymnus von 1870  zurück und wurde durch die weltweite Bewegung des Weltgebetstags der Frauen verbreitet. In Deutschland erhielt es durch die Übertragung von Karl Albrecht Höppl eine eigene Prägung und wurde sowohl in der Bundesrepublik als auch – über die Weltgebetstagsliturgie – in der DDR gesungen. So verbindet das Lied auf besondere Weise unterschiedliche kirchliche und politische Kontexte des 19. und 20. Jahrhunderts. Bis heute steht es für das weltweite, ökumenische Gotteslob, das – wie im Text beschrieben – den Erdball umspannt.

Text:

Karl Albrecht Höppl (*1908–†1988), 1958

nach dem englischen „The day Thou gavest, Lord, is ended“ von John Ellerton 1871

Melodie:

Clement Cotterill Scholefield (*1839–†1904), 1874

„Church hymns with Tunes“, London 

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Wissenswertes zu "Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder"

Der englische Originaltext erschien 1870 in der Sammlung A Liturgy for Missionary Meetings und wurde für die Church Hymns, herausgegeben 1871 von Walsham W. How und John Ellerton, überarbeitet. Die im angelsächsischen Sprachraum populäre Melodie trägt den Titel „St. Clement“ nach dem Vornamen ihres Schöpfers. Erstmals wurde sie 1874 von Arthur Sullivan in Church Hymns with Tunes veröffentlicht; von Anfang an war sie mit dem Text „The day Thou gavest, Lord, is ended“ verknüpft. 1944 wurde die englische Fassung zu einem festen Bestandteil der jährlich wechselnden Weltgebetstagsliturgie. 1949 übernahm der Bayerische Mütterdienst in Stein bei Nürnberg die deutschlandweite Verbreitung der Weltgebetstagsmaterialien. Ab 1952 druckte die Evangelische Frauenhilfe in Potsdam die Weltgebetstagsliturgie für die Gottesdienste in der DDR. So erschien die vorliegende Fassung im Verteilblatt „Zum Gebetstag der Frauen in aller Welt am Freitag, dem 13. Februar 1959“, Berlin (Ost) 1958. In Deutschland wurde seit 1958 die Übertragung von Karl Albrecht Höppl mit der Melodie des Zehn-Gebote-Liedes von Guillaume Franc aus dem Jahr 1543 gesungen. Höppl stand damit in der Tradition von Ralph Vaughan Williams, der aufgrund seiner ausgeprägten Abneigung gegen viktorianische Kirchenliedmelodien den Ellerton-Text im English Hymnal (1906) mit der Franc-Melodie veröffentlicht hatte.

 

Die Höppl-Franc-Fassung wurde zwischen 1993 und 1996 in den Stammteil des Evangelischen Gesangbuchs aufgenommen. Inzwischen wird der Text von Höppl auch zur Melodie von Scholefield gesungen und ist dieser im neuen Evangelischen Gesangbuch zugeordnet.

Geplant als Missionslied beschreibt der englische Originaltext „The day Thou gavest, Lord, is ended“ das Lob Gottes, das zu Hause und weltweit gesungen wird und im Tageslauf rund um den Erdball wandert. Das englische Original geht von der Perspektive des expandierenden britischen Weltreiches und der anglikanischen Kirchengemeinschaft aus, die sich zunächst über den Atlantik nach Westen ausdehnte (Strophe 4: „’neath the western sky“). Allerdings rückt Strophe 5 den politischen Impetus zurecht und betont, dass allein Gottes Königreich ewig besteht. Zugrunde liegt auch die englische Tradition der Stundengebete „Morning Prayer“ und „Evensong“, durch die das weltweite Gebet mit der anglikanischen Liturgie verknüpft wird. Biblische Bezüge für die immer wachende Kirche sind Mt 26,41 und 1. Thess 5,17.

 

Höppls Übertragung nimmt die Wanderung des Lobgesangs um die Erde auf, lässt jedoch die zweite Strophe des Originals aus. Sein Text betont stärker die persönliche Perspektive: Es geht ihm nicht um die Institution Kirche, die immer wacht, sondern um das Wachstum des Reiches Gottes, in dem überall die Glaubenden zu Gottes Dienst bereit sein werden.

Wie eine Girlande rankt sich die Melodie um ihren Grundton, der erst zu Beginn des zweiten Taktes erreicht wird. Dort ist er in die Abfolge melismatischer Terz- und Quartintervalle eingebunden, sodass er erst im Schlusston als stabile Tonika erscheint. Der Sechsvierteltakt mit weit ausholenden Sextsprüngen zu Beginn der ersten sowie – als Wiederholung – der dritten Zeile verleiht der Melodie einen Schwung, der auch im ruhigen Tempo für einen fließenden Verlauf sorgt. So bildet die Melodie musikalisch das kontinuierliche Gotteslob ab, das täglich rund um die Erde erklingt.

 

Im angelsächsischen Raum trägt die Melodie den Titel „St. Clement“ nach ihrem Schöpfer. In ihrer Walzerseligkeit weist sie stilistische Ähnlichkeiten zu den Melodien der Savoy Operas auf, einem Operettenstil des viktorianischen Englands des 19. Jahrhunderts, für den Arthur Sullivan musikalisch verantwortlich war. Er gab „St. Clement“ erstmals in einem kirchlichen Gesangbuch heraus und war möglicherweise auch an ihrer Entstehung beteiligt.

Aus der Tradition des Weltgebetstages kommend, hat das Lied seinen Platz beim jährlichen Weltgebetstag, der seinen Ursprung im 19. Jahrhundert in den USA hat und heute als weltweite ökumenische Gebetsbewegung von Frauen in über 150 Ländern gefeiert wird. Außerdem kann es als Abendlied und zu allen Anlässen, die den ökumenischen Blick auf die weltweite Kirche betonen, gesungen werden. Ebenso passt es zu Abendveranstaltungen, bei denen das Singen im Vordergrund steht, z. B. am Sonntag Kantate, zu Chortreffen und Konzerten.