Lied entdecken

Dank dir für die Nacht | Thank you for the night

Nr. 188 • Singt Jubilate
Nr. 28 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Durch Hohes und Tiefes

Dieses Lied aus Schottland atmet eine große Schlichtheit und Ruhe. Es beschreibt die Nacht als ein Geschenk Gottes und verweist zugleich auf die tiefste Nacht Gottes und seiner Welt am Karsamstag. So wird die Nacht zum Raum der Stille, der Besinnung und der Hoffnung auf das kommende Licht.

Text:

John L. Bell (*1949), 1996

englischer Originaltext

Jan Janssen (*1963)

deutsche Textfassung

Melodie:

John L. Bell (*1949), 1996

Satz:

John L. Bell (*1949)

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Dank dir für die Nacht | Thank you for the night"

Entstanden ist das Lied 1996 als Gabe für die schottische Kirche. John L. Bell möchte damit einen Impuls geben, die Nacht als Geschenk Gottes und nicht als Bedrohung oder Übel zu begreifen. Er sieht darin zugleich die Chance, dass menschliches Leben zur Ruhe kommt. Sein Lied reflektiert in der vierten Strophe jedoch auch die tiefste Nacht Gottes am Karsamstag, die den Tod Jesu und sein Hinabsteigen in die Tiefe vor Augen stellt.

 

- Liedrecherche von Jochen Arnold -

Das Lied atmet eine große Schlichtheit und Ruhe. In Zeiten wachsenden Medienkonsums wird die Zeit der Nachtruhe immer wichtiger, damit wir nicht durch Reizüberflutung die Fähigkeit verlieren, über das Wesentliche nachzudenken, das Leben zu verarbeiten und zu würdigen. Die Dunkelheit zwischen Dämmerung und Morgengrauen ermöglicht dies durch Gottes große Güte (Strophe 3 und 5).

 

Darüber hinaus steht die Nacht für die heilige Zeit zwischen Karfreitag und Ostermorgen. Sie ist ein Abgrund, den es auszuhalten gilt – mehr noch: den Gott mit uns ausgehalten hat. Sie lässt uns demütig werden und auf das schauen, was Christus für uns getan hat. An diesem Tiefpunkt menschlicher und göttlicher Existenz wendet sich die Weltgeschichte: Christus holt die Verstorbenen ans Licht. Sie gehen dem Licht eines großen Morgens entgegen, der die Hoffnung auf Ewigkeit in sich trägt. Christen sehen Gott somit in beidem wirksam: in der Nacht und am Tag.

 

Charakteristisch für die Dichtung ist das an Gott gerichtete „Thank you“ am Anfang aller Strophen, wobei die „Nacht“ in Str. 1 und 5 eine Klammer bildet. Dazwischen stehen Stille, Dunkel und Wort (quiet, dark, word). Die Übersetzung von Janssen ist eng an das englische Original angelehnt. Poetisch auffällig ist zudem, dass auch Janssen teilweise den „unreinen“ Reim (Assonanz, vgl. Strophe 3–4: „weht – trägt; besiegt – blüht“) verwendet, wie im englischen Original (done – come). Das Lied atmet eine große Schlichtheit und Ruhe.

Die auf ruhigen Halben (bzw. schreitenden Vierteln) schwingende Melodie wirkt meditativ. Nur am Ende der ersten Zeile findet sich eine charakteristische Synkope. Damit wird die zentrale Bedeutung der fünf Substantive night – quiet – dark – word – night besonders hervorgehoben.

 

Der Tonumfang bleibt im Oktavraum. Erst im zweiten Teil werden einige Sprünge zum charakteristischen Merkmal der Melodie. Ungewöhnlich, um nicht zu sagen irritierend, zugleich aber sehr wirkungsvoll ist der Schluss aller Strophen auf der Dominante (C-Dur). Dadurch öffnet sich jede Strophe gleichsam zur nächsten hin. Zugleich symbolisiert die Musik die Grundaussage des Liedes: Die Nacht bleibt nicht stehen, sondern ist in Bewegung; sie wendet sich dem Tag zu. Wir leben am Tag aus der Erholung der Nacht oder, umgekehrt, wir sehnen uns in der Nacht nach dem Licht des neuen Tages.

 

In der zentralen (christologischen) Strophe 4 wird eine eindrückliche Wort-Ton-Beziehung deutlich: Die Melodie erreicht bei „laid down“ den tiefen Ton d und hebt sich dann mit zwei Quartsprüngen signalhaft zu neuem Leben empor („to live again“) – ein gleichsam österliches Motiv.

Das Lied ist vielfältig gottesdienstlich und spirituell verwendbar: im persönlichen Abendgebet oder auch in der Familie, darüber hinaus im Stundengebet (z. B. in einer Kommunität, beim Kirchentag oder am Ende einer Chorprobe) sowie in einem Abendgottesdienst (gegebenenfalls auch in einem Evensong).

 

Außerdem eignet sich das Lied für einen Gottesdienst zur Osternacht oder am Karsamstag. Dabei könnte die vierte Strophe in einer Liedpredigt besonders ausgelegt oder mit instrumentaler Begleitung meditativ gestaltet werden.

Habt ihr neue Informationen zu diesem Lied?

Dann schreibt uns