Lied entdecken

Bis hierher hat mich Gott gebracht

Nr. 329 • Evangelisches Gesangbuch
Nr. 195 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Zuversichtlich klingt dieses allgemeine Lob- und Danklied. Der Text stammt von einer „herzensfrommen“ und äußerst produktiven Lieddichterin des lutherischen Barocks. Die Melodie hat erst auf Umwegen zum Text gefunden. Durch seine alt- und neutestamentlichen Bezüge sowie durch den Wechsel von Rückblick und Vorschau eignet sich das Lied besonders für Gedenktage im Lebenslauf, etwa zur Tauferinnerung, bei Trauungen oder Silberhochzeiten, ebenso zum Abendmahl, zum Kirchenjahresende oder zur Jahreswende.

Text:

von Ämilie Juliane Schwarzburg-Rudolstadt (*1637–†1706), (vor 1685) 1699

Melodie:

Peter Sohren (*um 1639–†um 1692), 1668

Halle 1704

Landkarte der Liedschöpfer:innen

Spannende Hintergründe zu den beteiligten Personen und ihren Lebenswegen entdecken.

zur Landkarte

Passende Stichworte zum Weiterstöbern

Wissenswertes zu "Bis hierher hat mich Gott gebracht"

Die strophische Anlage des Liedtextes ermöglichte es, das Lied zunächst zu verschiedenen Melodien zu singen. Die originale Textquelle vermerkt: „Im Thon: Herr Jesu Christ, ich weiß gar …“. Die heute gebräuchliche Melodie zu „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ schuf Peter Sohren 1668; sie geht ursprünglich auf das Abendmahlslied „Du Lebensbrot, Herr Jesu Christ“ von Johann Rist (1607–1667) zurück und wurde mehrfach umgestaltet. Als Lehnmelodie hat sie sich aufgrund ihrer positiven Grundstimmung und ihrer guten Singbarkeit nachhaltig durchgesetzt.

Als biblischer Bezug des Liedes lässt sich 1. Samuel 7,12 nennen: Nach einem Sieg über die Philister stellte Samuel einen Stein auf, nannte ihn Eben-Eser („Stein der Hilfe“) und sprach: „Bis hierher hat uns der Herr geholfen.“ Die zweite Strophe erinnert an das Magnificat (Lk 1,49): „Denn er hat große Dinge an mir getan.“ Zur dritten Strophe: Die eindringliche, wiederholte Bitte um Hilfe findet sich in der Geschichte des blinden Bartimäus (Mk 10,46–52). Die Glaubensaussage „durch Christi Blut hilft mir mein Gott“ nimmt Bezug auf die Einsetzungsworte des Heiligen Abendmahls (Mt 26,28) und findet eine Parallele in 1 Joh 1,7: „Das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde.“

 

Kennzeichnend für die Lieddichtung Ämilie Julianes von Schwarzburg-Rudolstadt sind die subjektive Ich-Rede, ein stark ausgeprägter Gebetsduktus sowie Bezüge zu Sakrament und Erlösung – geprägt von Elementen mittelalterlicher Brautmystik und einer frühpietistischen Herzensfrömmigkeit.

Die Melodie weist jeder Silbe der achtzeiligen Dichtung (8/7/8/7 – 8/8/8/7) einen Ton zu. Die halben Noten markieren Ziel- und Ruhepunkte; sie gleichen die siebensilbigen Abschnitte so aus, dass sie die gleiche Dauer wie die achtsilbigen Verse erhalten. Belebung und klare Wortbetonung entstehen durch die punktierten Noten, die jede achtsilbige Zeile prägen. Insgesamt entfaltet sich eine positiv gestimmte Dur-Melodie, die viermal auf-, einmal ab- und anschließend wieder zweimal aufwärts führt. Die letzte Zeile erreicht den höchsten Ton und bildet den inhaltlichen Höhepunkt: In sich geschlossen führt sie vom Grundton in gleichmäßigen Schritten auf- und wieder abwärts zu ihm zurück. Darin gleicht sie einem vollkommenen Regenbogen – ein Sinnbild für Gottes Hilfe und Treue.

 

Die zuversichtliche Grundstimmung der Melodie unterstreicht den Textinhalt überzeugend; zugleich erscheinen die Betonungen zentraler Worte durch Tonhöhe und Tonlänge musikalisch stimmig umgesetzt. Als Lehnmelodie übernommen, fügt sie sich dennoch erstaunlich organisch in den Text ein und lässt ihn klanglich aufleuchten.

Das Lied ist ein allgemeines Lob- und Danklied. Durch seine alt- und neutestamentlichen Bezüge sowie durch den Wechsel von Rückblick und Vorschau eignet es sich besonders für Gedenktage im Lebenslauf, etwa zur Tauferinnerung, bei Trauungen oder Silberhochzeiten, ebenso zum Abendmahl, zum Kirchenjahresende oder zur Jahreswende.