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Bevor des Tages Licht vergeht

Nr. 665 • EG-Regionalteil Bayern-Thüringen
Nr. 15 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

  • Gotteslob /
  • EG-Regionalteil Reformierte Kirche /
  • EG-Regionalteil Rheinland-Westfalen-Lippe

Dieser Hymnus führt auf eine klangliche Reise durch rund 1500 Jahre musikalische Kirchengeschichte. In seinem ruhigen, fließenden Charakter entfaltet er seine Wirkung besonders dann, wenn die Singenden aufmerksam aufeinander hören und Atmung sowie Gesang gleichberechtigt und ohne Hektik miteinander verbinden.

Text:

Friedrich Dörr (*1908–†1993), 1969

nach dem Hymnus „Te lucis ante terminum“ 5. / 6. Jh.

Melodie:

Kempten um 1000

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Wissenswertes zu "Bevor des Tages Licht vergeht"

Zugrunde liegt der mittelalterliche Hymnus „Te lucis ante terminum“, der in der klösterlichen Liturgie die Komplet, das letzte Stundengebet vor der Nachtruhe, abschließt. Sein Ursprung liegt im 5./6. Jahrhundert. Friedrich Dörr übertrug den Text 1969 während der Arbeiten an einem neuen Gotteslob. 1975 wurde der Hymnus im Gotteslob veröffentlicht. Er wurde um 1990 auch in einige Regionalteile des EG aufgenommen, z. T. in das liturgische Formular der Komplet.

Der frei gedichtete Text hat mehrere Strophen zu vier Versen mit jeweils acht Silben im jambischen Metrum mit abwechselnd unbetonten und betonten Silben. Der erste und zweite sowie der dritte und vierte Vers reimen sich. Der Text ist ein Abendgebet und zugleich die Bitte um einen guten Start in den neuen Tag am kommenden Morgen. Der Hymnus endet mit einer doxologischen Strophe, dem trinitarischen Lobpreis, und wird mit einem Amen abgeschlossen. Friedrich Dörr legte in seiner Übertragung Wert auf eine klare und fließende, zeitgemäße Sprache, die dennoch dicht am lateinischen Original bleibt.

Die Melodie ist im ältesten lateinischen Hymnenbuch des deutschen Sprachraums überliefert, das um das Jahr 1000 in der Benediktinerabtei Kempten entstand. Sie steht im VII. Modus (mixolydisch). Typisch für die liturgischen Melodien dieser Zeit ist, dass es trotz der syllabischen Struktur (pro Silbe ein Ton) keinen festen rhythmischen Puls gibt. Die Ausführung richtet sich vielmehr nach der Akzentuierung des Textes, wie sie sich beim Singen ergibt. Nach jedem Vers erfolgt eine kurze Zäsur, in der Strophenmitte nach dem zweiten Vers eine längere.

In diesem Hymnus wird musikalische Kirchengeschichte seit 1500 Jahren wie auf einer Klangreise präsent. Der Hymnus wird in ruhigem Fluss gesungen; er lebt davon, dass die Ausführenden gut aufeinander hören und ihre Atmung und ihren Gesang gleichberechtigt und ohne Hektik koordinieren. Ursprünglich werden Hymnen unbegleitet gesungen, in der gottesdienstlichen Tradition der letzten Jahrhunderte sind jedoch gelegentlich Orgelbegleitungen hinzugekommen. Der Hymnus eignet sich als Vertrauenslied für Abend- und Nachtgottesdienste sowie für andere abendliche Veranstaltungen. Am schönsten klingt er in einer mittelalterlichen Kirche mit entsprechender Akustik.