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Aus der Tiefe rufe ich zu dir

Nr. 26 • EGplus

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Aus dem Klagepsalm 130 „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ wird ein eindringlicher Kyrie-Ruf in heutiger Sprache. Das für die Beatmesse Wenn der Stacheldraht blüht entstandene Lied bringt Klage und offene Fragen vor Gott. Die eingängige Vertonung lädt dazu ein, gleich mitzusingen.

Text:

Uwe Seidel (1937 – 2007), 1981/84

Melodie:

Oskar Gottlieb Blarr (*1934), 1981/84

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Wissenswertes zu „Aus der Tiefe rufe ich zu dir“

Das Lied des Düsseldorfer Pfarrers Uwe Seidel und des Komponisten Oskar Gottlieb Blarr entstand im Zusammenhang mit der „Beatmesse 81: Wenn der Stacheldraht blüht“. Diese wurde 1981 zunächst in der Düsseldorfer Thomaskirche und anschließend beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hamburg aufgeführt. „Beatmesse“ bezeichnet hier einen Gottesdienst, der die liturgischen Teile mit zeitgenössischer, von Beat, Jazz und populärer Musik beeinflusster Gemeindemusik verband. Solche Messen waren in Düsseldorf seit 1972 und dem dortigen Kirchentag 1973 zu einer Tradition geworden, getragen von einem ökumenischen Arbeitskreis.

 

Zur Beatmesse gehörte ein Kyrie-Ruf nach Psalm 130. Das ursprünglich mit instrumentalen Zwischenspielen gesungene Lied fand später weite Verbreitung und steht heute unter anderem im katholischen Gotteslob.

Der Text knüpft an Psalm 130 an und stellt einen Klagepsalm in heutiger Sprache dar. Wie die biblischen Psalmen bleibt er nicht bei der Klage stehen, sondern wendet sich in der letzten Strophe dem Ausdruck des Vertrauens zu. Formal verwendet der Autor die in neueren Liedtexten häufige „Reihenform“: Die jeweils erste und dritte Zeile aller vier Strophen sind identisch. Somit besteht die Hälfte des gesamten Liedes aus dem Psalmzitat und ist rasch zu erfassen und mitzusingen – ein Anliegen, das nach Aussage des Komponisten für die Gestaltung des Liedes wichtig war. Auch die jeweils zweiten Zeilen der Strophen weisen Anklänge an Psalmverse auf.

Anders als viele Melodien aus dem Bereich des Neuen Geistlichen Liedes ist diese rhythmisch einfach strukturiert und verzichtet auf synkopische Bildungen, sodass die Gemeinde das Lied schnell aufnehmen und mitsingen kann.

 

Unmittelbar bildhaft wirkt der Tonhöhenverlauf: der Anruf „Aus der Tiefe“ in der ersten Zeile; „Herr“ auf dem Spitzenton der zweiten Zeile; danach im Abstieg ein Anklang an die nicht unmittelbar zitierte biblische Formulierung „Neige dein Ohr zu mir“; in der dritten Zeile die nachdrückliche Wiederholung des Anrufs; in der vierten Zeile ein offen wirkender Schluss auf dem Wort „Fragen“ in der Mitte des Tonraums. Die dort erklingende aufsteigende große Sekunde wird in der barocken musikalischen Rhetorik als Interrogatio bezeichnet.

Die einfache rhythmische Struktur und die überzeugende Verbindung von Wort und Ton erleichtern das Erlernen und Mitsingen. Im Original sind instrumentale Zwischenspiele vorgesehen, sodass das Lied ohne Pausen durchläuft. Dabei ist an eine Bandbegleitung gedacht. Aufgrund der strukturellen Nähe der Melodie zu traditionellen Formen ist jedoch auch eine schlichte Klavier- oder Orgelbegleitung möglich.

Liedrecherche: Andreas Marti

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