Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not
Nr. 345 • Evangelisches Gesangbuch
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Wie kann Vertrauen klingen, wenn Angst, Not und Tod das Leben bedrängen? Dieses Lied verbindet eine ruhig fließende, von Moll gefärbte Melodie mit der festen Zuversicht, in Christus geborgen zu sein. Ein jahrhundertealtes Lied, das beim Singen tröstet und mit einem kräftigen „Amen“ endet.
Text:
Lübeck vor 1603, Wittenberg und Nürnberg 1607
Melodie:

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Wissenswertes zu „Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not“
Das Lied „Auf meinen lieben Gott“ entstand am Ende des 16. Jahrhunderts als geistliche Neutextierung eines weltlichen Liedes.
Der älteste bisher bekannte Druck erschien 1590 in Lübeck in der kleinen niederdeutschen Sammlung Veer schoene nye Geistlike Leder. Gedruckt wurde sie in der Werkstatt Johann Balhorns des Jüngeren. Der unbekannte Verfasser überschrieb das Lied mit dem Hinweis, es sei nach der Melodie „Venus, du und dein Kind“ zu singen. Diese Melodie stammte von Jacob Regnart und war bereits 1574 als weltliches Liebeslied veröffentlicht worden. Das geistliche Lied ist somit eine Kontrafaktur: Eine bekannte weltliche Melodie erhielt einen neuen, christlichen Text.
In hochdeutscher Sprache verbreitete sich das Lied spätestens seit 1607 durch Gesangbücher aus Nürnberg und Wittenberg. Die heute geläufige Melodieform wurde später weiterbearbeitet, unter anderem durch Johann Hermann Schein im Jahr 1627.
Die Anfangsbuchstaben der fünf Strophen – A–O–O–O–A – erinnern an Offb 1,8: „Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr.“ Der Beginn des Liedes schöpft aus Ps 31, besonders aus Vers 2: „Herr, auf dich traue ich“, und Vers 16: „Meine Zeit steht in deinen Händen.“ Die weiteren Strophen sind im Sinne des reformatorischen Grundsatzes Solus Christus ganz auf Christus ausgerichtet. In Strophe 2 klingt Röm 14,8 an: „Darum: Wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Phil 1,21 – „Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn“ – bildet die Vorlage für den Beginn der dritten Strophe. Strophe 4 steht dem zweiten Glaubensartikel nahe. Die zusammenfassende fünfte Strophe nimmt Ps 145,1 auf: „Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.“
Die Strophen des Liedes bestehen aus jeweils sechs Zeilen mit 6–6–7–7–7–7 Silben und dem Reimschema aabbcc.
Die Melodie klingt ruhig, ernst und zugleich zuversichtlich. Sie bewegt sich vornehmlich stufenweise im Fünftonraum einer Molltonleiter. Zunächst steigt sie aufwärts, dann abwärts bis zur zweiten Stufe und anschließend wieder aufwärts unter Betonung der fünften Stufe. Mit einer Wiederholung des vierten Abschnitts führt sie schließlich in einer Schlusswendung abwärts. Die fünfte Zeile beginnt verzögert mit einem gedehnten Auftakt. Dann erreicht sie mit einem kleinen Sprung den Höhepunkt des Melodieverlaufs. Die letzte Zeile führt mit dem einzigen punktierten Rhythmus zum Grund- und Ausgangston zurück.
Der in allen Zeilen – bis auf die eine Dehnung – durchgehaltene kurze Auftakt vermittelt Aktivität und Zuversicht. Alle Widerfahrnisse des Lebens und Sterbens sieht der Beter in Gott geborgen. So zeichnet die Melodie den Weg von Angst und Bedrängnis zu Ruhe und Gottvertrauen nach.
Die Melodie ist in halben Notenwerten zu denken. Ihre Mollfärbung mag die Worte „Trübsal“, „Angst“, „Tod“, „Kreuz“ und „Sterben“ aufnehmen. Das Lied ist ein Ich-Lied, das sich in der vierten und fünften Strophe zum Wir-Lied öffnet. Vornehmlich ist es ein Christuslied mit positiver Ausstrahlung. So kann es durchaus fröhlich gesungen werden und befreiend wirken. Als Wochenlied ist es dem 24. Sonntag nach Trinitatis zugeordnet. Seine Amen-Strophe eignet sich sehr gut für den Schluss vieler Gottesdienste.
Liedrecherche: Markus Leidenberger
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Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not | Evangelisches Gesangbuch Nr. 345, Strophe 1
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