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Abendfrieden senkt sich wieder

Nr. 641 • Methodistisches Gesangbuch
Nr. 8 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Es ist ein ruhiges geistliches Abendlied, das die Stimmung des Tagesausklangs in poetischen Bildern von Stille, Trost und Geborgenheit aufnimmt. Die Liedvorlage »Now on Land and Sea Descending« des amerikanischen Pastors Samuel Longfellow verbreitete sich schnell und fand über das Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (EmK) sowie durch ökumenischen Austausch Eingang in evangelische Gesangbücher.

Text:

Annegret Klaiber (*1938–†2022), 1999
Walter Klaiber (*1940), 1999

 nach dem englischen Originaltext »Now on land an sea descending« von Samuel Longfellow 1859

Melodie:

Sir John Stevenson (*1761–†1833), 1818

nach einem russischen Volkslied

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Wissenswertes zu "Abendfrieden senkt sich wieder"

Die Melodie schrieb John Andrew Stevenson zunächst für das Lied „Hark, the Vesper Hymn is Stealing“ von Thomas Moore (1779–1852) und veröffentlichte sie in Selection of Popular National Airs (1818). Longfellow veröffentlichte sie 1859 mit dem Text „Now on land and sea descending“. Das Lied wurde in englischsprachigen methodistischen Gesangbüchern im vierstimmigen Satz verbreitet. Durch die Übersetzung von Annegret und Walter Klaiber und die Aufnahme in das deutschsprachige Gesangbuch der Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahr 2002 ist es noch populärer geworden, als es zuvor schon war.

 

 

- Liedrecherche von Markus Leidenberger -

Der Text geht vom romantischen Blick in die Natur am Abend aus, der von Ruhe und Frieden geprägt ist, wie es in Psalm 65,2 heißt: „Gott, man lobt dich in der Stille.“ Dahinein erschallt das Jubilate: „Jauchzet Gott, alle Lande!“ (Psalm 66). Das dreifache „Jubilate“ mit Amen kehrt in jeder Strophe wieder; es ist in die Wiederholung der jeweiligen zweiten Strophenhälfte eingebettet.

 

Strophe 2 richtet den Blick nach oben, wie in Psalm 19,2–3: „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.“

 

Strophe 3 erinnert an 1. Petrus 5,7: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ Strophe 4 greift den Blick zu den Sternen auf und verbindet ihn mit 1. Korinther 13,13: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“

gleichsam festhaltend schaukelt sich die Melodie abwärts. Gleichmäßige Viertelnoten verbreiten Ruhe und führen zum Grundton, der durch die Ausweichung zum unteren Leitton zusätzlich gefestigt wird.

 

Die Wiederholung erfolgt mit der zweiten Texthälfte im Kreuzreim. Der Text mit seinem 8–7–8–7-Silbenschema ist eigentlich abgeschlossen, doch nun springt die Melodie zum oberen Grundton und lässt das „Jubilate“ aufblühen. Während sich der erste Melodiebogen wieder zum g zurückwendet, gleitet der zweite Anlauf mit dem „Amen“ zum Grundton hinab.

 

 

Erst hier wird der punktierte Rhythmus eingeführt; zugleich kommt die Melodie ganz zur Ruhe und endet nach mehrfachen Tonwiederholungen ähnlich wie im vierten Takt. So wird das Gotteslob gleichsam in den Abendfrieden eingehüllt.

Das Lied braucht keine Eile. Ohne den zweitaktigen Spannungsbogen zu verlieren, dürfen die Viertel ruhig ganz ausgesungen werden. Gut geatmet erhebt sich die Stimme zum „Jubilate“ und klingt in den letzten vier Takten aus wie ein Blick in die Ferne.

 

Besonders passend wäre ein Einsatz in einem Abendgottesdienst in der Woche des Sonntags Jubilate. Doch auch das ganze Jahr über kann das Lied Abendveranstaltungen eröffnen oder beschließen. Schön vorgetragen oder von allen mitgesungen ist es ein Loblied auf den Schöpfer, das zur Ruhe führt. Seinem Ursprung entsprechend entfaltet das Lied seine Wirkung am besten im schlichten vierstimmigen Satz. Dann lässt es sich auch in D-, Es- oder F-Dur singen.