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Du klingst im Flüstern

Nr. 165 • Neues Evangelisches Gesangbuch (Erprobung)

Dieses Lied erzählt in poetischen Naturmetaphern von der Nähe und Gegenwart Gottes. Liebe, Schutz und Gnade werden auch in den kleinen Bewegungen der Welt spürbar. Die bewegte Ruhe der Melodie unterstreicht sanft und doch eindrücklich die meditative Wirkung dieses musikalischen Gebets. Mitten in einer friedlosen und gewaltvollen Welt darf sich der Singende auf die Macht der Liebe – auf Gott – verlassen.

Text:

Victor Alcántara (*1975), 2023

Melodie:

Victor Alcántara (*1975), 2023

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Wissenswertes zu "Du klingst im Flüstern"

Der Anlass für die Entstehung des Liedes waren Tauffeierlichkeiten im Familienkreis.

Wovon das Lied spricht, bringt es in seiner Sprache selbst zur Darstellung: die Kraft der sanften Umarmung. Der Tonfall des Liedes ist vertrauensvoll und innig. Die Strophen kommen ohne festes Metrum und ohne Reime aus; die Sprache trägt einen eigenen lebendigen Rhythmus, eine klare Struktur und einen starken Klang. Das Lied ist ein Gebet: Das „Ich“ der Singenden spricht ein „Du“ an, vernimmt dessen heilsame Gegenwart und bekennt die Erfahrung von Gottvertrauen und Geborgenheit. Das Gebet zeigt eine spielerische Parallelität im Satzbau der Strophen und entfaltet sich in einer freien Auffächerung poetischer Bilder. Inmitten der Wahrnehmungen von Klang (Strophe 1), von Licht (Strophe 2) und von Bewegung (Strophe 3) tritt eine Gewissheit hervor, die in allen Strophen wiederkehrt: „Du hältst mich sanft umarmt, ganz gleich, was kommen mag.“ Mit der vierten Strophe mündet diese Selbstvergewisserung in die Erinnerung an die eigene Taufe.

Die Melodie des Liedes stellt auf ihre Weise dar, was sich im Text ausdrückt: bewegte Ruhe, gelassene Weite und wache Wahrnehmung. Die beiden ersten Liedzeilen „reimen“ sich in Rhythmus und Verlauf: Von oben einsetzend, spannen sie sich nach unten und halten auf dominantischen Liegetönen unterhalb des Grundtons inne. Von dort aus schwingen sich drei weitere Zeilen sequenzierend hinauf bis zur oberen Oktave, und erst auf dem abschließenden „Amen“ kehrt die Melodie zum Grundton zurück. Melodische Motive wiederholen sich deutlich hörbar und verändern sich zugleich in Nuancen. Die Harmonik bewegt sich nachvollziehbar im Raum der Tonart D-Dur, lebt jedoch ebenso von Vorhalten und Dissonanzen. So bleibt die Melodie gut singbar und entzieht sich dennoch jeder Trivialisierung.

Insbesondere mit seiner vierten Strophe eignet sich das Lied gut als Gesang im Kontext von Taufe, Trauferinnerung und Konfirmation. Auch außerhalb dieses Kontextes kann das Lied in vielen Situationen gesungen werden: um Gott zu loben im Gebet, um innezuhalten und Dankbarkeit auszudrücken, um sich zu finden in der Vergewisserung des eigenen Glaubens. Das Lied hilft, sich inmitten einer friedlosen und gewaltvollen Welt auf die Macht der Liebe zu verlassen.